Kino

Es war einmal in New York

Ashleigh (Elle Fanning, M.), Drehbuchautor Ted Davidoff (Jude Law) und seine Frau Connie (Rebecca Hall) Foto: © 2019 Gravier Productions, Inc., Photo by Jessica Miglio

Und jährlich grüßt Woody Allen. Kaum, dass mal ein ganzes Jahr vergeht, ohne dass der, auf mehr als ein halbes Jahrhundert Filmschaffen zurückblickende Regie-Meister ein neues Kinostück lanciert.

Allein in den zurückliegenden zehn Jahren sind Filme zusammengekommen wie »To Rome with Love«, »Midnight in Paris«, »Blue Jasmine«, »Whatever Works« oder »Wonder Wheel«. Von länger zurückliegenden Kulttiteln wie »Der Stadtneurotiker«, »Manhattan« oder »Hannah und ihre Schwestern« einmal ganz zu schweigen.

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Der 1935 als Allan Stewart Konigsberg in Brooklyn geborene Filmemacher stand aber auch zuletzt nicht immer nur wegen seines Kino-Enthusiasmus im Fokus. So räumte etwa die »Süddeutsche Zeitung« unlängst eine ganze Seite frei, um sich unter anderem mit den, Allen seit Jahrzehnten verfolgenden Missbrauchsvorwürfen auseinanderzusetzen. 2018 gab es tatsächlich mal keinen neuen Allen.

Nun aber startet »A Rainy Day in New York«, eine unspektakuläre und doch charmant-romantische Stadt-Geschichte rund um ein junges Pärchen (gespielt von Elle Fanning und Timothée Chalamet). Auch in kleineren Rollen ist die Besetzung bei Allen gewohnt prominent: Der Brite Jude Law und die Amerikanerin Selena Gomez sind ebenfalls mit dabei.

ROMANTISCH Längst schon wollte Gatsby seiner College-Flamme Ashleigh sein New York zeigen: so ein richtig rundes, richtig romantisches Wochenende, mit allem Drum und Dran, etwas Luxus, gutem Essen und viel Jazzmusik. Dass es nun tatsächlich dazu kommt, liegt daran, dass die fleißige, wenn auch arg naive Ashleigh ein Interview in Manhattan ergattern konnte mit einem angesagten Regie-Guru.

Dass dann vor Ort alles etwas anders kommt, vieles schief geht und Gatsby sich mehr oder weniger allein zurechtfinden muss, während seine Ashleigh immer weiter hineinrutscht in die verlockenden Untiefen der New Yorker Kunst-Boheme - das alles bietet Woody Allen viele hübsche Anlässe, seine Fähigkeiten als Drehbuchautor und Regisseur auszuspielen.

Nein, auch mit seinem neuen Film wird der Regisseur sicher keine Preise in Sachen politischer Korrektheit gewinnen.

Gatsby, der aus wohlhabendem Hause kommt, flüchtet sich nicht nur ins geliebte Glücksspiel, nein, auch in die Arme einer Edelhure. In einer hübsch komponierten Sequenz präsentiert er schließlich diese neue Bekanntschaft seiner Mutter auf einer Edelparty. Allen nimmt uns dabei mit in ein New York der Bildung und des Geldes, ein New York gleichwohl, in dem man das Wort »Republikaner« (die Partei Donald Trumps) nur hinter vorgehaltener Hand ausspricht.

JAZZ »Rainy Day« ist vielmehr ein Film für (New York-) Romantiker. Es gibt das, von Politikern wie dem ehemaligen Bürgermeister Rudolph Giuliani sauber gefegte, nicht mehr so sehr von Kriminalität belastete New York der Gegenwart. Und es gibt das ältere New York der Mean Streets, beschrieben etwa im gleichnamigen Film von Martin Scorsese, beschworen aber auch im jüngst angelaufenen »Joker«. Ein New York der Armut und Gewalt, ein New York aber auch der Punkmusik (mit legendären Clubs wie dem CBGB) und der Kunst (mit Protagonisten wie Warhol, Basquiat).

Das New York aber in Allens neuem Filmwerk fällt in eine ganz eigene Kategorie. Auch Allens New York-Eloge mit, in schwelgerisches Goldgelb getauchten Interieurs, wunderbaren Ansichten aus dem Metropolitan Museum, einer Kutschfahrt im Central Park und viel flankierendem Bar-Jazz lässt ein altes New York vermissen: ein New York des Bebop (Gatsby verehrt den Jazz-Gott Charlie Parker), das N.Y. der 30er- oder 40er-Jahre.

Hübscher als Allen kann man die Folgen der Gentrifizierung kaum auf den Punkt bringen.

In einer wunderbaren Szene erklärt Gatsby seiner Flamme, was es mit SoHo auf sich hat, dem ehemaligen Künstlerviertel im Süden Manhattans: Früher sei der Bezirk sehr hip gewesen, so Gatsby, enorm angesagt, dann aber seien sukzessive alle nach Tribeca und später Brooklyn gegangen. Und jetzt, im New York der Gegenwart, da wohnen sie alle wieder bei Mama. Hübscher kann man die Folgen der Gentrifizierung kaum auf den Punkt bringen. Nein, auch mit seinem neuen Film wird der Regisseur sicher keine Preise in Sachen politischer Korrektheit gewinnen. Da wäre etwa die Szene, die Selena Gomez im hautengen weißen T-Shirt zeigt, wo doch alle anderen dem unwirtlichen New York-Wetter mit dementsprechender Kleidung trotzen.

Sieht man aber ab von allen politischen Implikationen und lässt man sich ein auf die romantische N.Y.-Reise, dann ergibt das Ganze nicht nur Sinn, sondern auch Spaß - zumal hier auch endlich mal wieder ein Wetterphänomen namens Regen, was gemeinhin und auch im Kino eher schlecht wegkommt, zu seinen Ehren kommt. Und der unermüdliche Woody Allen? Der hat jüngst in Spanien seinen 51. Film abgedreht.

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