NS-Raubkunst

Erben fordern Kandinsky-Bild zurück

Wassily Kandinsky, Das bunte Leben, 1907 Foto: dpa

Seit mehr als 40 Jahren wird Wassily Kandinskys Gemälde »Das bunte Leben« im Münchner Museum Lenbachhaus ausgestellt. 1972 hatte die Bayerische Landesbank (BayernLB) das Bild auf Veranlassung der Landeshauptstadt München aus dem Nachlass eines niederländischen Kunstsammlers gekauft und an die Städtische Galerie im Lenbachhaus ausgeliehen. Doch der wahre Ursprung des Werks war bislang unbekannt.

Jetzt hat sich herausgestellt, dass das Werk aus jüdischem Besitz stammt. Die Erben der jüdisch-niederländischen Familie Lewenstein fordern das Gemälde nun vor einem New Yorker Distriktgericht zurück. »Das Bild ist den rechtmäßigen Besitzern 1940 in einem Verstoß gegen internationale Gesetze weggenommen worden«, heißt es in der Klage, die am Freitag bei dem Gericht eingereicht worden ist.

flucht Kandinskys »Das bunte Leben« wurde im Jahr 1938 von der Unternehmerfamilie Lewenstein dem Stedelijk-Museum in Amsterdam übergeben, um es für sie zu verwahren. Bei ihrer Flucht vor den Nazis in die Vereinigten Staaten konnten sie das Werk nicht mitnehmen. Ohne Erlaubnis der Besitzerfamilie wurde das Bild kurz darauf verkauft. Nach der Kapitulation der deutschen Truppen in den Niederlanden am 5. Mai 1945 hatte »Das bunte Leben« verschiedene Eigentümer, bis es schließlich 1972 von der BayernLB gekauft wurde.

Die Nachfahren der Eigentümer klagen auf Herausgabe des Bildes oder 80 Millionen Dollar, wie aus der Klage vor einem New Yorker Distriktgericht hervorgeht. Zudem werfen sie der BayernLB vor, beim Kauf des Bildes den wahren Ursprung des auf mehrere Millionen Euro taxierten Werkes zumindest geahnt zu haben. 2015 hatten sich die Nachfahren der Familie Lewenstein an die BayernLB gewandt, um auf eine Herausgabe des Gemäldes zu dringen.

Limbach-Kommission
Damals wurde die Forderung der Erben negativ beantwortet. »Rechtliche Ansprüche hinsichtlich des Gemäldes, insbesondere auf Herausgabe, sind uns nicht ersichtlich«, teilte die BayernLB den Erben damals in einem Schreiben mit. Man sei indes bereit, den Fall der Limbach-Kommission zur Prüfung zu übergeben.

Am Donnerstag vergangener Woche teilte die BayernLB nun mit, eine schnelle Klärung des Falles zu begrüßen, wie die »Süddeutsche Zeitung« berichtete. Doch dafür ist es jetzt zu spät: Einen Tag später reichten die Erben Klage in New York ein, um zu ihrem Recht zu gelangen.

TV-Tipp

»Robert Lembke - Wer bin ich?« -Doku-Drama über die TV-Legende

»Robert Lembke - Wer bin ich« ist ein kluger Film über Verdrängung, Volksbildung und das Schweigen einer TV-Legende über die eigene Vergangenheit

von Jan Lehr  02.06.2026

Programm

Klang, Gang und Streisand: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 3. Juni bis zum 10. Juni

 02.06.2026

Film

Die Entwirrung der UNRWA

Eine neue Dokumentation beleuchtet Geschichte, Auftrag und politische Rolle des Palästinenserhilfswerks

von Maria Ossowski  02.06.2026

Punta Cana

Gal Gadot und Mila Kunis zeigen sich entspannt im Karibikurlaub

Die jüdischen Schauspielerinnen gehen in Puerto Rico ganz besonderen Freizeitaktivitäten nach

 02.06.2026

Leipzig

Jennifer Rush lernte mit dem Sandmännchen Deutsch

Die Sängerin mit jüdischem Familienhintergrund kam als Kind nach Deutschland. Warum das für sie ein Schock war und wie ihr das Fernsehen beim Ankommen geholfen hat

 01.06.2026

Jubiläum

Dichter und Bürgerschreck: Allen Ginsberg vor 100 Jahren geboren

Er lehnte sich gegen eine spießige und militarisierte Gesellschaft auf und propagierte ein ökologisches Bewusstsein: Der US-Dichter Allen Ginsberg war ein Pionier der »Beat-Generation«. Seine Visionen sind heute wieder aktuell

von Holger Spierig  01.06.2026

Reggio Emilia

Konzert von Kanye West in Italien abgesagt

Hintergrund sind Kanye Wests antisemitische Aussagen und die damit verbundene Sorge, große Proteste könnten die Sicherheit gefährden

 01.06.2026

TV-Tipp

Kultfilm »Harry und Sally« - immer wieder was fürs Herz

Die Komödie des vor Kurzem ermordeten Regisseurs Rob Reiner avancierte zum Kultfilm

von Jan Lehr  01.06.2026

München/Jerusalem

Rabbinerkonferenz weist Kritik an deutschen Yad-Vashem-Standorten zurück

Die geplanten Außenstellen von Yad Vashem in Deutschland stoßen auch auf Skepsis. Doch die Orthodoxe Rabbinerkonferenz warnt davor, die Arbeit der Gedenkstätte zum Gegenstand politischer Abrechnungen zu machen

 31.05.2026