Falten weg

Elektrisierend

80 ist das neue 60: mit Faltenbehandlung per Reizstrom Foto: dpa

Man kann noch so viele teure Cremes und Lotionen verwenden oder aufwendige Gesichtsgymnastik machen: Irgendwann ist es so weit, und die Haut wirft Falten. Ganze Industrien leben davon, Menschen einzureden, Falten seien im Prinzip nur ein Zeichen von Willensschwäche, weil ihre Besitzer eben nicht genug getan haben, um sie vermeiden.

Und so werden bei der Bekämpfung von Falten drastische Mittel eingesetzt. Mit dem Nervengift Botox lassen sich beispielsweise Gesichtsmuskeln gezielt lähmen, sodass diese auf der Stirn, um die Augen oder den Mund die Haut nicht mehr zu Falten zusammenziehen können. Ein anderes Mittel, um glatte Haut zu erzielen, besteht aus Unterspritzungen der Furchen mit aus Hahnenkämmen gewonnener Hyaluronsäure, die Wasser an sich bindet und so unter der Haut auspolsternd wirkt. Oder es werden gleich Silikonöl oder Apros-Fäden verwendet, die zwar ein dauerhaftes Ergebnis haben, weil sie vom Körper nicht abgebaut werden, aber dafür mit der Zeit verrutschen oder sogar zu Knötchen führen können.

Puls Gesundheitsschädliche Faltenreduktion könnte aber bald der Vergangenheit angehören: Ein Team aus Forschern der Universität Tel Aviv und der Harvard Medical School ist gerade dabei, ein Verfahren zu entwickeln, das bei der Behandlung von alternder Haut und degenerativen Hautkrankheiten ganz ohne den Einsatz von Gift oder Chemie auskommen soll.

»Unser neues Verfahren soll als Starthilfe dienen, damit neues Kollagen und neue Kapillaren in problematischen Hautgegenden erzeugt werden«, sagt der Bioingenieur Alexander Goldberg, der die Studie für die Porter School of Environmental Studies leitete. »Bedenkt man, dass wir in Zeiten von stark alternden Bevölkerungen leben, wo beispielsweise durch die Klimaveränderung degenerative Hautkrankheiten jeden dritten Menschen über 60 betreffen, hat unser Verfahren das Potenzial für bahnbrechende Veränderungen in der Gesundheitsversorgung.«

Die Wissenschaftler setzen dabei auf sogenannte gepulste elektrische Felder. Mit nichtthermischen Hochspannungspulsen im Mikrosekundenbereich will man die Haut ohne Narbenbildung verjüngen. »Gepulste elektrische Felder haben heute schon bewiesene Anwendungsgebiete, zum Beispiel bei der Lebensmittelkonservierung, bei der Entfernung von Tumoren oder der Wunddesinfektion«, erklärt Goldberg.

Elektrostimulation Die Verwendung von Strom ist ohnehin in der Medizin schon weit verbreitet. Auf dem Gebiet der funktionellen Elektrostimulation ist der Herzschrittmacher wohl die bekannteste Anwendung, der Zigtausenden Herzpatienten weltweit das Leben rettet. Hinzu kommen die Craniale Elektrostimulation – angewandt zum Beispiel zur Behandlung von Depressionen und Schlafstörungen oder in der Suchttherapie – und die Transkutane elektrische Nervenstimulation, kurz TENS, die in der Schmerztherapie benutzt wird.

Hochfrequente Stromfelder werden dagegen in der nach ihnen benannten Hochfrequenz-Chirurgie eingesetzt. Dabei wird Gewebe mit der Hilfe von Strom gezielt beschädigt oder sogar geschnitten. Der Vorteil gegenüber dem Skalpell ist, dass mit dem Schnitt gleichzeitig die betroffenen Gefäße verschlossen und Blutungen vermieden werden können.

Auch in der Diathermie wird hochfrequenter Strom eingesetzt. Diese Behandlung ist vergleichbar mit der traditionellen Rotlichtlampe, die Wärmeerzeugung geschieht hier aber in tieferen Körperschichten, also dort, wo die Wärme gebraucht wird. Durch die Wahl der Frequenz kann hier eingestellt werden, wie tief im Gewebe diese Wärme erzeugt wird. Die Einsatzbereiche reichen von Rheuma und Arthrose bis hin zur Stirnhöhlenentzündung – bei Letzterer wird das Verfahren aber selten angewendet, da die Augen aufgrund ihrer geringen Durchblutung in Gefahr sind, thermische Schäden zu erleiden.

Genau an diesem Punkt setzt das neue Verfahren des Teams um Alexander Goldberg an. Die hier verwendeten Felder sind eben nicht thermisch. Bei Versuchen an Ratten haben die Forscher herausgefunden, dass sie eine kleine Zahl der Zellen in den behandelten Gebieten abtöten können, dies aber gleichzeitig den Metabolismus der verbleibenden Zellen anregt und dadurch dann neues Gewebe erzeugt wird.

»Wir haben bei diesen Tierexperimenten die spezifischen Parameter für die gepulsten elektrischen Felder herausgefunden, mit denen wir das Zellwachstum der Epidermis, die Bildung von Mikrogefäßen und die Abgabe von neuem Kollagen in behandelten Bereichen ohne Narbenbildung erreichen können«, so Goldberg. Mit anderen Worten: Man hat erreicht, dass die Oberhaut dicker und besser durchblutet wird. Außerdem wurde die Produktion von Kollagen angeregt, also jenes Proteins, das das Bindegewebe stärkt.

Muskeln Nicht verwechselt werden sollte die neue Technologie allerdings mit den seit Jahrzehnten in immer wieder neuer Form erhältlichen elektrischen Schönheitsgeräten und Faltenglättern. Diese arbeiten nicht hochfrequent und haben eine ganz andere Wirkungsweise. Ihnen zugrunde liegt das Konzept, die im Alter dünner werdende Haut durch eine gestärkte Gesichtsmuskulatur zu unterpolstern.

Es ist allerdings nicht so einfach, die Muskeln im Gesicht genauso zu trainieren wie die anderen Muskeln im Körper. Deshalb werden hier Stromimpulse eingesetzt, die dazu führen sollen, dass sich die Muskeln zusammenziehen. Ist der Stromimpuls zu Ende, entspannen sich die Muskeln wieder. Die Theorie dahinter: Wenn die Muskeln zwischen Schädel und Haut dicker werden, spannt die darüber liegende Haut etwas mehr, die Folge sind weniger tiefe Falten. Die Technik des Teams von Alexander Goldberg aber stärkt die Haut selbst und nicht lediglich die Muskeln darunter, die ohnehin wieder abgebaut werden, wenn sie nicht ständig trainiert werden.

Seine Studie hat das Goldberg-Team in »Scientific Reports« veröffentlicht, einer Fachzeitschrift, die online von der Nature Publishing Group herausgegeben wird. Zurzeit wird daran gearbeitet, ein Gerät zu entwickeln, um die Methode in klinischen Tests an Menschen auszuprobieren. Damit soll einerseits die Wirksamkeit bewiesen, auf der anderen Seite aber natürlich auch die Sicherheit der Anwendung demonstriert werden. Und dann ist vielleicht bald auch Schluss mit Falten.

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