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Eins, zwei, drei

Die hochkarätig besetzte Serie zählte 2023 zu den meistgesehenen Sendungen in Israel. Nun ist sie auch in Deutschland auf Netflix zu sehen. Foto: Keshet

Lange Ansagen macht der Professor nicht: »In den vergangenen fünf Jahren hatten Sie vier Befruchtungen, zwölf In-vitro-Befruchtungen, zwei chemische Schwangerschaften und vier Schwangerschaften – allesamt Fehlgeburten. Vielleicht sollten Sie es mal mit einer Leihmutter probieren?« Ellie und Iddo steht die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Zu viele glatte Informationen auf zu viele offenen Fragen.

Dabei fing alles so gut an. Das junge Paar – sie, Ellie Avrahami, 37, erfolgreiche Lektorin mit einem Doktor in Literatur, er, Iddo Avrahami, 43, Anwalt mit eigener Kanzlei, beide seit neun Jahren zusammen, verheiratet, gut aussehend – wünscht sich ein Kind. Versuch folgt auf Versuch, Tests, OPs, Hormone und wieder von vorn. Und dann, endlich: ein Herzschlag, eine Milz, eine schöne auch noch, sagte der Professor. Es ist ein Mädchen.

Zweifel und Aberglaube trüben die Freude des jungen Paares.

Noch auf der Untersuchungsliege nach dem Ultraschall flüstert Ellie »Tfu Hamsa«, ihren Extra-Spruch nach »Hamsa, Hamsa«, der alles gut werden lassen soll. Im Auto hört Ellie sich dann das, was sie in der Praxis vor Angst nicht hatte hören wollen, auf dem Handy an: »Eine schöne Milz.« Die Freude der beiden wäre riesig, wären da nicht die Zweifel, der Aberglaube und die vielen Erinnerungen. Abends gibt es dann doch noch diesen kleinen Moment der lockeren Freude und einen schrecklichen Rotwein, den niemand trinken kann. Der Abend eines Paares, das Eltern wird.

Zwei Welten. Und dann die Frage des Professors

Der Morgen eines Paares, das sein Ungeborenes in der Nacht verloren hat. Zwei Welten. Und dann die Frage des Professors: »Möchten Sie die Schwangerschaft, oder möchten Sie ein Kind?« Man würde eben einfach einen Körper nehmen, der funktioniere, und neun Monate später wäre der Kinderwunsch Realität.

Der Körper ist der von Chen Ben-Atar, einer alleinerziehenden Mutter, die mit ihrem zehnjährigen Sohn bei ihrem Vater in beengten Verhältnissen wohnt. Sie arbeitet in einem Callcenter eines Mobilfunkunternehmens und wird von Beginn der Schicht bis zum Ende von unzufriedenen Kunden angeschnauzt. Ihr Vorgesetzter ist ein Weichei mit Machtbefugnis, der sie vor den Kunden blamiert. Ein neuer Job muss also her, um im Leben weiterzukommen.

Dann der Zufall, der alles verändert – für Ellie, für Iddo, für Chen. Was beim Arzt noch praktisch, logisch und medizinisch unkompliziert klang, wird wahr und damit kompliziert, chaotisch und schwierig. Mit all dem wartet die israelische Serie A Body That Works (Originaltitel Guf Schlischi) auf, die seit Juni bei Netflix gestreamt werden kann. Geschrieben wurde sie von zwei nicht ganz Unbekannten: Dror Mishani, der unter anderem für seine Krimi-Buchreihe um den Ermittler Avi Avraham berühmt wurde, und Shira Hadad, die mit Amos Oz gemeinsam das Buch Was ist ein Apfel? geschrieben hat. Shay Capon, der vor Jahren die Sitcom Arab Labor gedreht hat, führte Regie.

Das Trio geht in acht Folgen à 50 Minuten auf vieles ein, was das Zwischenmenschliche zu bieten hat. Freude, Liebe, Zuneigung, Neid, Hass, Missgunst, Geld, Abhängigkeit, Moral und Tragik, Eltern. Ihnen ist damit etwas gelungen, das Serien wie Shtisel, Fauda und The Good Cop bereits gelang: A Body That Works zählte im Jahr 2023 zu den meistgesehenen Sendungen in Israel.

Gal Malka als Leihmutter Chen spielt »Fauda«- Star Lior Raz ziemlich an die Wand.

Was ist also das Geheimnis? Die Serie ist einfach gute Unterhaltung. Natürlich ist das Thema kein einfaches, aber was ist schon einfach? Die Autoren zeigen, dass sie ein Händchen für feine Zwischentöne haben, für tiefe Liebe und tolle Schauspieler. Wenn auch die Ausgangsposition der Hauptfiguren auf den ersten Blick sehr einfach erscheint – gut situiertes Pärchen nimmt sich arme Leihmutter –, so wird im Laufe der Serie ziemlich schnell klar, dass es allen gleich geht und dass es stimmt, wenn es heißt: »Ja, nichts ist in Ordnung.«

Ein großes Verdienst der Schauspieler

Das ist auch ein großes Verdienst der Schauspieler: Yehuda Levi und Rotem Sela als Großstadtpärchen und Gal Malka als Leihmutter Chen, die alle – auch den Fauda-Darsteller und Erfinder Lior Raz, der bei A Body That Works einen erfolgreichen Hollywood-Schauspieler mit literarischen Ambitionen spielt –, in den Schatten stellt. Sie ist die leicht trashige, manchmal vulgäre, aber unbedingt liebende Mutter, die für ihren kleinen Sohn Uri eine ganze Schwangerschaft auf sich nimmt.

Trotz Zigaretten, trotz viel zu offensichtlich künstlicher Fingernägel, trotz mancher Leichtgläubigkeit verkörpert sie die Wärme, die Ellie zu fehlen scheint. Auch das wird gut gespielt von Rotem Sala, die ihrer Rolle eine große Distanz verleiht. Eine Distanz, die Yehuda Levis Figur Iddo mit überbeschützendem Charakter auffängt, vieles richtig machen will und dabei ziemlich vieles falsch macht.

Im Juli war A Body That Works an sechster Stelle der zehn meistgesehenen Serien. Die erste Staffel der Serie kam so gut an, dass – so viel steht seit Februar 2024 fest – eine zweite Staffel in Planung ist. Und Gal Malka erwartet ihr erstes Kind, wie sie auf ihrem Instagram-Profil fotografisch dokumentiert. Wenn das keine guten Nachrichten sind.

»A Body That Works« ist bei Netflix zu sehen.

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