EILMELDUNG! Berliner Grüne für Koalitionsgespräche mit Linkspartei und SPD

Yotam Ottolenghi

Einfach, aber lecker

Die Gerichte können schnell und unkompliziert hergestellt werden, erfüllen aber trotzdem den Anspruch, echte »Ottolenghis« zu sein – Beteavon! Foto: pr

Yotam Ottolenghi

Einfach, aber lecker

Mit »Jerusalem« hat der Israeli die Küche des Nahen Ostens revolutioniert. Nun erscheint sein neues Werk

von Ulrich Sahm  08.10.2018 19:56 Uhr

Kein Zweifel: Das große Kochbuch Jerusalem von Yotam Ottolenghi ist ein moderner Klassiker der nahöstlichen Küche geworden, entstanden im Schmelztiegel Jerusalem, wo alle Küchen der Welt aufeinanderstoßen. An diesem Ort wird wie sonst nirgends mit Leidenschaft und Inbrunst über die Frage gestritten, wer was erfunden hat und welches Gericht wann und wie von wem »geklaut« worden ist.

Ottolenghis sympathisch-unideologisches Credo hingegen ist: Sofern das Essen auf dem Teller gut ist, schmeckt und allerbeste Zutaten enthält, sollte es ziemlich gleichgültig sein, ob nun Ägypter, Türken, Iraner oder Araber den Hummus erfunden und dass Israelis den Kichererbsenbrei zu ihrer »Nationalspeise« erklärt haben.

»Küchenphilosoph« Jetzt kann sich der Leser an das neue Buch des als »Küchenphilosoph« gefeierten israelischen Autors heranwagen. Der Titel lautet verführerisch Simple, weil alle Gerichte relativ schnell und unkompliziert hergestellt werden können und trotzdem dem hohen Anspruch Genüge tun, echte »Ottolenghis« zu sein.

Und schon auf den ersten Blick handelt es sich bei Simple um ein wunderbares Kochbuch mit vielen eindrücklichen Fotos und klaren Anleitungen. Solange man die Zutaten im Kühlschrank oder im Regal findet, kann bei den Rezepten nicht viel schiefgehen. Auch hier bleibt Ottolenghi seiner Maxime treu: Seine Gerichte sind einfacher als erwartet, schmecken ausnahmslos immer vorzüglich, sind aber niemals gewöhnlich.

Im Vorwort zum Kochbuch heißt es: »Meine Gerichte sind diejenigen, die nach Restaurant aussehen oder klingen, aber in Wahrheit supereinfach zu machen sind. Dazu gehört die Burrata mit gegrillten Trauben und Basilikum ebenso wie das Forellentatar. Beides könnte auf der Karte eines Nobelrestaurants stehen, aber Sie werden überrascht sein, wie einfach die Zubereitung ist.«

orient Unter den Rezepten gibt es einige, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen, so etwa »Erbsen-Krapfen mit Zaatar und Feta« oder »Iranische Kräuterpuffer«. Auch hier bleibt der Koch und Bestsellerautor sich treu: Der 49-Jährige schöpft voll aus der orientalischen Küche, die ihren Ursprung in dem riesigen Gebiet von Marokko bis in die Türkei, Iran und quer durch die arabische Welt hat. »Hier fühle ich mich kulinarisch und menschlich am ehesten beheimatet«, sagt Ottolenghi über sein Verhältnis zum Orient.

Gerade für Deutschland bietet Simple so auch hervorragende Einblicke in eine hierzulande weitgehend noch unbekannte kulinarische Welt. Der einzige Kritikpunkt an dem Buch: die elend langen Listen mit den Zutaten zu einigen der Rezepte, die selbst den erfahrenen Koch etwas schwindelig werden lassen.

Im Vorwort behauptet Ottolenghi, dass geübte Köche ja ohnehin immer viele Zutaten auf Vorrat hätten oder problemlos – dank der Angaben im Buch – schnell selbst welche mischen und zubereiten könnten. Doch wo findet man Baharat, schwarzen Knoblauch oder Sumach? Erfahrungsgemäß ist es zumindest in Nordeuropa sehr schwierig, Zutaten wie wirklich gutes und frisches Zaatar zu finden, wie es in Jerusalem oder woanders in Israel im Basar an jeder Straßenecke verkauft wird.

Bandbreite Doch das ist Meckern auf sehr hohem Niveau. Wer an Jerusalem, Plenty, NOPI – Das Kochbuch und den anderen Werken von Ottolenghi Gefallen gefunden hat, der kommt auch hier auf seine Kosten. Ganz besonders fällt neben der Bandbreite orientalischer Gerichte auch der Vorsatz des Israelis positiv auf, sich nicht durch moderne Ideologien einschränken zu lassen.

Zwar wird hin und wieder mal erwähnt, dass die verwendeten Eier, Tomaten oder Zitronen »bio« zu sein hätten. Zwar gibt es auch Rezepte mit Tofu und anderen »Ersatzstoffen«, aber das bleibt zum Glück die Ausnahme. Und in diesen Zeiten fast schon ein Tabu: Es mangelt auch nicht an deftigen Speisen und Rezepten mit kräftigen Fleischstücken – Beteavon!

Yotam Ottolenghi: »Simple. Das Kochbuch«. Dorling Kindersley, München 2018, 320 S., 28 €

Punk

»Gefilte Fuck« und andere Provokationen

Ein neuer Sammelband beleuchtet jüdische Identitäten, Antisemitismus und den Kampf dagegen in der Szene

von Pascal Beck  19.10.2026

Elfriede Jelinek

Virtuose Sprachkomponistin

Eine Würdigung der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin zu ihrem 80. Geburtstag

von Christa Gürtler  19.10.2026

New York

Mike Tyson droht Supreme wegen verschwundener Israel-Flagge auf Hoodie

Bei dem Streit geht es um ein Hoodie, das neben dem Boxer mehrere Nationalflaggen zeigt. Plötzlich war nicht mehr die des jüdischen Staates darunter, sondern die Palästina-Fahne

 19.10.2026

Rezension

Wie wurden wir, was wir wurden?

Der Judaist Peter Schäfer erzählt in seinem Buch die Geschichte des aschkenasischen Judentums – faktengesättigt, klar gegliedert und mit einer provokanten These zu Mutterland und Diaspora

von Michael Wolffsohn  18.10.2026

Aufgegabelt

Salat mit gerösteten grünen Bohnen

Rezept der Woche

von Yotam Ottolenghi  18.10.2026

Ausstellung

Hinweise auf Hamas-Symbol - Museum Friedland verschiebt Schau

Bundespräsident Steinmeier war schon angekündigt, um die erweiterte Ausstellung des Museums Friedland bei Göttingen neu zu eröffnen. Nun verschiebt sich der Termin. Hintergrund ist ein antisemitisches Symbol

 18.10.2026

Großbritannien

Wegen Unterstützung von Palestine Action: Britischer Verlag nimmt Sally Rooneys Bücher vom Markt

Die irische Bestsellerautorin ist für ihre Unterstützung der in Großbritannien als Terrorgruppe eingestuften Organisation bekannt. Sie sei bereit, die Konsequenzen zu tragen, sagt Rooney

 16.10.2026

Wolf Biermann

»Israel ist mir näher als alle übrigen Länder dieser Welt«

Der Liedermacher wird 90 Jahre alt. Ein Gespräch über den Krieg gegen Unterdrückung, seine Eltern, den 7. Oktober und über neuen Faschismus

von Tobias Kühn  16.10.2026

Boca Raton (Florida)

Billy Joel kann derzeit weder Auto fahren noch auftreten

Der jüdische Sänger, Pianist und Komponist leidet unter einer Gehirnerkrankung

 16.10.2026