Susan Sideropoulos

Eine Party für dich

Die Schauspielerin hat ein neues Buch geschrieben. Hier verrät sie, wie man am besten mit negativen Menschen umgeht und was einen wirklich glücklich macht

von Susan Sideropoulos  08.04.2023 23:01 Uhr

Susan Sideropoulos Foto: Bernd Jaworek

Die Schauspielerin hat ein neues Buch geschrieben. Hier verrät sie, wie man am besten mit negativen Menschen umgeht und was einen wirklich glücklich macht

von Susan Sideropoulos  08.04.2023 23:01 Uhr

»Ene, mene, muh, Miesepeter, raus bist du!«

Von der Macht eines stärkenden Umfelds
Rückblickend waren die Probleme als Kind so schön leicht zu lösen. Bei Entscheidungsfragen wurde ’ne »Runde Schnick Schnack Schnuck« gespielt oder eben »Ene, mene, muh und raus bist du«. Fertig! Kinder entscheiden intuitiv, mit wem sie ihre Zeit verbringen möchten, und wenn es mit jemandem ungemütlich wird, gibt’s eben ’ne Schippe auf den Kopf. Gut, das kann langfristig nicht die Lösung bleiben, aber zumindest dürfen wir uns von ihnen abgucken, dass wir nicht zwangsläufig Zeit mit Menschen verbringen müssen, die uns nicht guttun. Ent-folgen geht auch im echten Leben. Ja, dafür müssen wir etwas mehr tun, als nur auf eine Taste zu drücken, aber die Möglichkeit besteht.

Doch wie soll das gehen, wenn ich diese Menschen, die mir Energie rauben, jeden Tag von morgens bis abends im Büro sehe? Da gibtʼs kein Entkommen. Diese verrückten Eltern im Klassenchat, die zu allem und jedem eine Meinung haben – da muss ich wohl durch. Ich liebe meine Freundin wirklich von Herzen – aber ihre Einstellung macht mich wahnsinnig. Und wie soll ich meiner Schwiegermutter entfolgen???
Das stimmt, es gibt Menschen, mit denen du zwangsläufig eine gewisse Zeit verbringen musst, doch wie du diese Zeit in Zukunft gestaltest, liegt allein bei dir.

Folgende Situation: Mittagspause im Büro, deine Kolleginnen versammeln sich. Eine ruft zu dir rüber, ob du mitkommst. Du spürst, dass du eigentlich keine Lust hast, denn du weißt genau: In der nächsten Stunde wird nur getratscht. Aber wenn du jetzt Nein sagst, wirst vermutlich du das Thema der Mittagspause sein. Also was tun?

Wichtigste Erkenntnis:
Was Hans über Peter sagt,
sagt mehr über Hans als über Peter.

Zunächst ist es schon mal sehr gut, wenn dir diese Dinge bewusst werden. Häufig ist es ja eher so, dass man total ausgelaugt von der Arbeit nach Hause kommt und sich fragt, was einem überhaupt die ganze Energie geraubt hat. Deine Mittagspause – deine Insel. Bevor du deine Zeit mit Menschen verbringst, die dir nicht guttun, und es als Gesellschaft keine Alternative gibt, bleib lieber allein.

Nutz diese wertvolle Zeit und lies ein paar Seiten in einem schönen Buch, hör einen Podcast oder geh spazieren und atme tief durch. Du wirst schnell merken, welch großen Unterschied diese kleine Umstellung macht.

Wir sollten niemals unterschätzen, wie sehr uns andere Menschen mit ihrer Energie aussaugen können. Und wie wichtig es ist, dass wir uns davor schützen. Mag sein, dass dein Umfeld von deinem Verhalten erst mal irritiert sein wird. Doch nicht vergessen, an erster Stelle stehst immer du, und je klarer du mit deiner Haltung bist, desto besser wird dein Umfeld Veränderungen akzeptieren.

Ich habe mich auch über die letzten Jahre verändert; früher wollte ich immer und überall dabei sein und mitreden. Klar hat man auch getratscht, und gemeinsam über andere reden stiftet eben auch eine Form von Zugehörigkeit.

Doch ich merkte mehr und mehr, dass mir diese Art von Gesprächen nicht mehr zusagte, und dass es einen gewaltigen Unterschied gibt: dazwischen, sich mit einer oder zwei engen Freundinnen auszutauschen und auch mal Dampf abzulassen, oder eben in einer Gruppe von Freunden, Bekannten oder Kollegen über alles und jeden herzuziehen, einfach nur um ein Gesprächsthema zu haben und sich gemeinsam zu amüsieren.
Aus solchen Runden bin ich lieber ausgestiegen, sicher manchmal auch auf die Gefahr hin, dadurch selbst in den Fokus zu geraten. Vielleicht wurde ich als Spaßbremse bezeichnet, oder es hieß gerne auch mal »Susan, jetzt übertreib mal nicht mit deiner rosaroten Gutmensch-Weltanschauung«.

Doch meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass Ehrlichkeit und authentisches Verhalten am längsten währen, und auch du wirst sehr schnell merken, wie gut es dir tut. Es ist deine Lebenszeit, und je älter wir werden, desto mehr lernen wir, sie wirklich zu schätzen.
Manchmal sag ich mir: »Ich bin schon zu alt, um mich mit Menschen und Themen zu befassen, die mir nicht guttun.« Und das sage ich, obwohl ich mich immer noch wie Einundzwanzig fühle, doch eben mit dem Geist einer 42-Jährigen. Tschakka!

»Die drei Siebe des Sokrates«
Eines Tages kam ein Mann zum weisen Sokrates gelaufen und sagte: »Hey, Sokrates, ich muss dir etwas erzählen!«
»Einen Moment«, unterbrach ihn der Weise, »hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?«
»Drei Siebe?«, fragte der Mann voller Verwunderung.
»Ja, guter Freund! Lass uns sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht: Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du das, was du mir erzählen willst, geprüft? Bist du dir sicher, dass es wahr ist?«
»Nein, ich habe es erzählt bekommen …«
»Na gut. Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft. Das zweite Sieb ist das der Güte. Wenn es nicht sicher wahr ist, was du mir erzählen möchtest, ist es wenigstens gut?« Zögernd sagte der andere Mann: »Nein, ganz im Gegenteil …«
»Dann«, unterbrach ihn der Weise, »lass uns auch noch das dritte Sieb anwenden. Ist es wichtig und notwendig, es mir zu erzählen, was dich so aufregt?«
»Notwendig nun gerade nicht … und wichtig auch nicht.«
»Also«, lächelte Sokrates, »wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr noch gut noch notwendig oder wichtig ist, so lass es lieber sein und belaste dich und mich nicht damit.«

Ich liebe diese Geschichte. Und sie eignet sich auch ganz wunderbar, um unsere Kids mit diesem wichtigen Thema vertraut zu machen. Mittlerweile ist sie bei uns zu Hause ein echter Dauerbrenner. Mein kleiner Sohn ist ein richtiger Geschichtenerzähler, das hat natürlich seine guten Seiten und fördert die Kreativität.

Doch häufig sind eben auch Geschichten dabei, die ihm jemand in der Schule erzählt hat, und er erzählt sie weiter. Wir machen dann immer den Check der drei Siebe und danach entscheiden wir gemeinsam, ob die Geschichte noch weiter in die Welt sollte.

»Die Macht des Umfelds«
Wusstest du, dass unser Umfeld, in dem wir uns täglich bewegen, einen unfassbar großen Einfluss auf uns hat? Nicht umsonst machen wir uns als Eltern häufig Gedanken darüber, ob der Freundeskreis unserer Kinder einen guten Einfluss auf sie hat. Letztlich ist die Lage bei uns selbst nicht anders. Wir glauben nur, dass wir ja nun erwachsen sind und eben deshalb nicht mehr so leicht zu beeinflussen wären. Pustekuchen. Wir spiegeln weiterhin unser Umfeld, weil wir es so gelernt haben – auf diese Weise haben wir als Baby laufen, sprechen, essen gelernt.

Nur weil wir heute einen funktionierenden Verstand besitzen, heißt es nicht, dass unser Unterbewusstsein faul auf der Haut liegt. Nein, es schaut immer noch nach links und rechts. Und wenn die Mehrheit dort eben gerne meckert, sich schlecht ernährt, eher unambitioniert ist oder eine seltsame Weltanschauung vertritt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass du da ganz unbewusst mitziehst.

»Übung: Wer bringt meine Welt zum Strahlen?«
Nimm ein Blatt Papier und mal eine große Sonne in die Mitte. Drum herum, also zwischen die Strahlen, schreibst du die Namen aller Menschen, die in deinem Umfeld sind: deine Freunde, deine Familie, deine Kollegen, deine Nachbarn, deine Bekannten und so weiter.

Die Menschen, die dir kein gutes Gefühl geben, ein leichtes Unbehagen in dir auslösen, deine Energie rauben – kurz: die Miesepeter –, kreist du mit Rot ein. Die Menschen, die dir besonders guttun, dir Energie schenken oder dich inspirieren, die aus dir das Beste herausholen, kreist du gelb ein. Nun schau dir dein Bild an. Vielleicht kannst du verschiedene Arten von Umfeld mit unterschiedlichen Dynamiken erkennen. Vielleicht wird dir klarer, an wen du deine Energie anpasst. Das passiert nämlich ganz automatisch und meist völlig unbewusst.

Ich habe keine Zeit, Menschen
zu hassen, die mich nerven,
ich bin zu sehr damit beschäftigt,
Menschen zu lieben, die mich inspirieren.

Nun kannst du eine neue, klare Entscheidung für dich treffen. Die roten Menschen solltest du künftig (wenn möglich) meiden oder den Kontakt auf ein Minimum reduzieren. Ich weiß, bei Familienmitgliedern und Menschen im engsten Freundeskreis ist das sehr schwierig, aber möglich. Sollte es rote Menschen geben, die dir besonders am Herzen liegen, spricht natürlich nichts dagegen, zu versuchen, deinen Einfluss wirken zu lassen. Das bedeutet aber auch, sie ehrlich zu konfrontieren. Sprich an, was dich stört, ohne Vorwurf, sondern mit Empathie. Sag ihnen, dass ihr Verhalten dich belastet, weil du sie liebst. Das ist eine ganz andere Ausgangslage als ein blanker Vorwurf. Den gelben Menschen solltest du die meiste Zeit schenken. Such ihre Nähe, nimm bewusst wahr, wie sehr die gemeinsame Zeit euch beiden guttut. Häufig finden wir auch über diese Menschen noch mehr gelbe Menschen, die in dein Umfeld passen. Menschen, die deine Gedanken teilen und mit dir den Weg nach oben gehen, anstatt ständig den Blick zurück oder nach unten zu richten.

»Den Spieß einfach umdrehen«
Sollten sich in deinem Umfeld viele rote Menschen tummeln, wird es Zeit, dein Licht noch heller strahlen zu lassen. Dann können zwei Dinge passieren: Entweder du inspirierst deinen Mikrokosmos und die anderen lassen sich von dir anstecken oder du verbreitest so gute Laune, dass die Miesepeter von selbst keine Lust haben, Zeit mit dir zu verbringen
Funktioniert super, und anstatt in einen Konflikt zu gehen und sich von den negativen Vibes anstecken zu lassen, drehst du die ganze Sache einfach um. So gewinnst du das Spiel mit Freude und Leichtigkeit. Schachmatt!

Manchmal ist es auch total spannend zu beobachten, dass einige Menschen es scheinbar wirklich lieben zu leiden. Tagein, tagaus wird sich nur beklagt, über das Wetter, die Politik, unsere Gesellschaft oder den Chef. Und sobald mehrere zusammenstehen, wird es fast schon ein Battle, wer denn nun die schlimmste Arschkarte des Tages gezogen hat. Manchmal muss ich innerlich fast schmunzeln, weil diese Menschen mir das Gefühl geben, ich solle ihnen bloß nicht ihr Problem nehmen.

Geh’ mir weg mit deiner Lösung
Sie wär’ der Tod für mein Problem
Jetzt lass’ mich weiter drüber reden
Es ist schließlich mein Problem
Und nicht dein Problem.

Zeilen aus dem Song »Die Lösung« von Annett Louisan, sehr gut auf den Punkt gebracht. Und wahrscheinlich ist es genau so. Bevor du deine wertvolle Energie damit verschwendest, Menschen zu helfen, die gar keine Hilfe haben wollen, such lieber das Weite.

Susan Sideropoulos: »Das Leben schwer nehmen ist einfach zu anstrengend. Wie du Tag für Tag Freude und Leichtigkeit einlädst«. Mit einem Vorwort von Lars Amend. Gräfe und Unzer, München 2023, 240 S., 19,99 €

Abdruck mit freundlicher Genehmigung

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