Medien

»Ein wichtiges Zeichen«

Ein Ballonschwein steigt bei einem Konzert von Roger Waters im Oktober 2016 in Indio, Kalifornien, auf. Foto: dpa

Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßt die Entscheidung mehrerer öffentlich-rechtlicher Sender, die Zusammenarbeit mit dem Musiker Roger Waters zu beenden. Zentralratspräsident Josef Schuster erklärte dazu: »Die schnelle und entschiedene Reaktion der Sender auf die massive öffentliche Kritik ist ein wichtiges Zeichen, dass der grassierende Israel-bezogene Antisemitismus in Deutschland keinen Platz hat.«

Wer auf Konzerten Ballons in Schweineform samt Davidstern aufsteigen lässt, müsse sich den Vorwurf des Antisemitismus gefallen lassen. »Es ist höchste Zeit, dass Antisemitismus, der sich unter dem Deckmäntelchen der Kritik an Israel tarnt, endlich als das bezeichnet wird, was er ist.«

Petition Im Zusammenhang mit dem am 11. Juni 2018 in Köln geplanten Konzert von Roger Waters hatte die Kölnerin Malca Goldstein-Wolf eine Petition an den WDR-Intendanten Tom Buhrow gerichtet, in der sie dem WDR vorwarf, mit der Kooperation einen Judenhasser mit dem Geld von Gebührenzahlern zu unterstützen.

In einer am Montagmittag von der Pressestelle versandten Meldung des Senders hieß es dann: »Der WDR hat die Präsentation des Kölner Konzerts von Roger Waters beendet. Zu dieser Zusammenarbeit hatten den WDR in den vergangenen Tagen kritische Stimmen, vor allem jüdischer Mitbürger, erreicht. Der Musiker trat in der Vergangenheit mit anti-israelischen Aktionen in die Öffentlichkeit. WDR-Intendant Tom Buhrow sieht in der Absage ein Signal des Verstehens an die jüdischen Gemeinden.«

Nach dem WDR erklärten inzwischen auch BR, SWR und NDR ihre Zusammenarbeit im kommenden Jahr in Deutschland mit dem 74-jährigen Musiker für beendet. SWR1 BW teilte am Montag über Twitter mit, der SWR sei aus der Präsentation der Tournee des Sängers ausgestiegen. »Damit reagiert der SWR auf Antisemitismus-Vorwürfe gegen das Pink-Floyd-Gründungsmitglied«, hieß es zur Begründung.

kooperation Eine BR-Sprecherin sagte, die Rundfunkanstalt habe »sich nach dem Ausstieg des WDR aus der Kooperation mit Roger Waters entschieden, aufgrund von dessen umstrittener Haltung gegenüber Israel die Medienpartnerschaft mit sofortiger Wirkung ebenfalls zu beenden«.

Ursprünglich wollte Bayern2 das Konzert des Künstlers in München präsentieren. »Wir merken aber, dass nun ein klares Signal gefragt ist. Den Auftritt von Roger Waters wird Bayern2 natürlich dennoch wie geplant journalistisch und kritisch im Programm begleiten«, erklärte die Sprecherin.

NDR 90,3 und das »Hamburg Journal« nehmen nach Angaben des Senders vom Montag ebenfalls Abstand von der geplanten Präsentation eines Konzerts des britischen Sängers und Komponisten. Waters sei wegen der Unterstützung einer Boykott-Kampagne gegen Israel in die Schlagzeilen geraten, hieß es. Daher werde der vorgesehene Vertrag mit dem umstrittenen Musiker nicht unterzeichnet.

Unterdessen hat der Konzertveranstalter von Pink-Floyd-Legende Roger Waters den Sänger gegen Antisemitismus-Vorwürfe verteidigt und zugleich die ARD mit deutlichen Worten angegriffen.

Live Nation Die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit dem 74-jährigen Musikstar durch mehrere Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunkverbundes sei »absolut lächerlich«, sagte der Geschäftsführer von Live Nation Deutschland, Marek Lieberberg, dem »Mannheimer Morgen« (Dienstag). Waters habe zwar eine bedenkliche private Meinung zu Israel. »Aber ich kann und will ihm sein Recht auf Meinungsfreiheit nicht bestreiten«, erklärte der Musikmanager.

»Wenn die Öffentlich-Rechtlichen einen Beitrag leisten möchten, fände ich es beispielhaft, wenn vor allen Beiträgen über Luther oder Wagner-Aufführungen auf die teilweise blutrünstigen antisemitischen Theorien dieser Herrn hingewiesen würde. Da gäbe es wirklich Nachholbedarf«, ergänzte Lieberberg. Demgegenüber sei das künstlerische Werk von Roger Waters weder antisemitisch oder anti-jüdisch. »Der Kanon von Roger Waters und Pink Floyd ist und bleibt genial.«

Roger Waters ist prominenter Unterstützer der Boykott-Kampagne gegen Israel (BDS). Auf mehreren Konzerten ließ er Ballons in Schweineform samt Davidstern aufsteigen. (mit epd)

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