Sehen

Ehebruch und Auftragsmord

1984 lief »Blood Simple« in den Kinos. Seitdem haben die Coen-Brüder das große Versprechen ihres ersten Films regelmäßig eingelöst. Foto: pr

Sehen

Ehebruch und Auftragsmord

Der Debütfilm »Blood Simple« der Coen-Brüder erscheint erstmals im restaurierten Director’s Cut

von Sophie Albers Ben Chamo  13.11.2017 19:49 Uhr

Ja, es gibt Filme, die einfach alles richtig machen. George Clooneys neuer Film Suburbicon, der auf einem Drehbuch der Coen-Brüder basiert und seit vergangener Woche im Kino läuft, gehört leider nicht dazu. Zu verspielt, zu ironisch und zu konstruiert wirken sowohl das Drehbuch als auch die Regie. Absolut sehenswert dagegen ist das Kinodebüt Blood Simple von Ethan und Joel Coen, das nun, 30 Jahre nach seinem Erscheinen, neu auf DVD erscheint.

Angelehnt an den Film noir der 40er- und 50er-Jahre erklärten Kritiker diesen blutrünstigen Thriller über Ehebruch, Auftragsmord und jede Menge Missverständnisse zum Neo-Noir. Die Filmwelt war hingerissen von diesem ganz besonderen Licht, dieser ganz besonderen Sprache, dem ganz eigenen Humor und dieser abstrusen Geschichte, die trotz aller Ecken und Kanten von vorn bis hinten Sinn machte.

Klassiker Seitdem haben die Coen-Brüder das große Versprechen ihres ersten Films regelmäßig eingelöst. Joel und Ethan, die in der jüdischen Community eines Vororts von Minneapolis groß wurden und einst in der Nachbarschaft Rasen mähten, um sich ihre erste Super-8-Kamera kaufen zu können, servieren großes Kino im Akkord. Mit absoluter Treffsicherheit veredeln sie jedes Genre – vom Western bis zum Musical – und haben Filme geschaffen, die man nicht vergisst wie Fargo, The Big Lebowski, No Country for Old Men, A Serious Man oder True Grit, um nur einige zu nennen.

Nach den Quellen ihrer Inspiration befragt, weichen die beiden allerdings meist aus: »Wer weiß, was da für Einflüsse zusammenkommen«, verteidigen sie ihre Deutungsfreiheit. »Wir denken nicht darüber nach.« Im Gespräch mit Haaretz stellte Joel einst immerhin fest, dass sie »amerikanische Geschichten« erzählen. Allerdings beeinflusse ihr Judentum ihre Sicht auf die Welt.

30 Jahre nach ihrem internationalen Durchbruch und zig Film- und Festivalpreise später gehören die Coen-Brüder noch immer zu den spannendsten, stilprägendsten Regisseuren. Das soll erst einmal einer nachmachen. Und 33 Jahre später wirkt ihr Erstling noch immer er- staunlich frisch. Deshalb gibt es Blood Simple jetzt auch in einer extrascharfen HD-Neuauflage. Natürlich im Director’s Cut, und der ist, weil die Coens eben cooler sind als andere Regisseure, vier Minuten kürzer als die Kinoversion von damals.

»Paul-Spiegel-Filmfestival«

Sieben gute Filme

In Düsseldorf beginnen das Festival unter dem Motto »Jüdische Welten« mit einem besonderen Gast vor jedem Film

 16.04.2026

TV-Tipp

Der Elvis der Violine

Ivri Gitlis ist ein Phantom. Er bespielte mit seiner Geige die großen Bühnen und musizierte mit den Stars der Musikbranche. Seinen Namen kennen heute aber nur die wenigsten. Eine Arte-Doku begibt sich auf Spurensuche

von Manfred Riepe  16.04.2026

Paris

Einen Picasso für 100 Euro gewonnen

Das Auktionshaus Christie’s hat ein Gemälde des berühmten Malers für einen wohltätigen Zweck verlost. Gewonnen hat ein 59-Jähriger aus Paris

von Nicole Dreyfus  16.04.2026

»Scrubs«

Die Rückkehr der Anfänger

Nach 16 Jahren Pause geht es weiter mit der amerikanischen Krankenhaus-Serie. Aber funktioniert das Konzept noch?

von Ralf Balke  16.04.2026

Kulturkolumne

Wenn der Moderator nur sich selbst hört

Armin Laschet und die Absicht, ein Interview zu geben: Über Ambiguitätstoleranz im Deutschlandfunk

von Maria Ossowksi  16.04.2026

Thriller

Israelische Serie »Unconditional« startet auf Apple TV

Orna reist mit ihrer 23-jährigen Tochter Gali nach Moskau. Kurz vor einem Flug wird Gali festgenommen. Damit beginnt Ornas Kampf für Gerechtigkeit

 16.04.2026

New York

Mehrere Juden auf neuer »Time«-Liste der einflussreichsten Menschen

Zwei jüdische Regierungschefs, drei Unternehmer und neun Künstler genießen nach Ansicht der Magazin-Autoren einen hohen Einfluss

von Imanuel Marcus  16.04.2026

London/Los Angeles

Unerwarteter Ticket-Boom: Royal Ballet bedankt sich bei Timothée Chalamet

Nach kritischen Bemerkungen des Hollywood-Stars steigen Reichweite und Ticketverkäufe in der Oper- und Ballett-Welt deutlich

 15.04.2026

London

Boy George unterstützt Israel online und erntet dafür Hass-Kommentare

»Es ist gerade sehr trendy, Israel zu hassen. Aber ich habe immer gesagt: ›Mode ist für die Zerbrechlichen, Stil für die Mutigen‹«, schreibt das Multitalent. Die Antworten lassen nicht lange auf sich warten

 14.04.2026