Auszeichnung

»Echo« wird abgeschafft

Foto: dpa

Den Musikpreis »Echo« wird es nicht mehr geben. Die Marke Echo sei durch den Eklat um die Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang so stark beschädigt worden, dass ein vollständiger Neuanfang notwendig sei, teilte der Bundesverband Musikindustrie am Mittwoch in Berlin mit. Der Vorstand des Bundesverbandes habe deswegen in einer außerordentlichen Sitzung am Dienstag das Ende des Preises beschlossen.

Antisemitismus Der Echo sei viele Jahre ein »großartiger Preis« und zugleich zentrales Branchenevent gewesen. Der Vorstand wolle jedoch keinesfalls, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen werde. »Für eine Konkretisierung der Änderungen wird sich der Vorstand die erforderliche Zeit nehmen«, hieß es.

Der Pianist Igor Levit, der seinen Echo in der vergangenen Woche aus Protest zurückgegeben hatte, twitterte am Mittwochnachmittag: »Die Feigheit einer Institution, sich selbst lieber abzuschaffen, als sich den wahren Problemen und Ursachen dieser Probleme zu stellen, empfinde ich als ohrenbetäubend.«

Bei der Echo-Gala vor zwei Wochen waren Farid Bang und Kollegah trotz massiver Kritik bereits an ihrer Nominierung ausgezeichnet worden. Die Rapper werden unter anderem wegen judenfeindlicher Liedzeilen scharf kritisiert. In ihrem mit dem Echo ausgezeichneten Album Jung, brutal, gut aussehend 3 finden sich unter anderem die Textzeilen »Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen« und »Mache wieder mal nen Holocaust, komm an mit dem Molotow«. ag (mit epd)

www.echopop.de/neuanfang

Gesellschaft

»Jetzt fühle ich mich jünger als mit 15«

Die iranisch-amerikanische Autorin Roya Hakakian über ihr neues Buch, ihre Kindheit im Iran und Immigration als jüdische Zwangslage

von Till Schmidt  13.06.2021

Literatur

Auf Freuds Spuren

Mit Büchern wie »Und Nietzsche weinte« erschrieb sich Irvin D. Yalom eine Millionenleserschaft. Nun wird der Psychiater 90 Jahre alt

von Amir Wechsler  13.06.2021

Soziologie

Markt für Emotionen

Natan Sznaider zeigt, wie Demokratie und Kapitalismus eine »Politik des Mitgefühls« hervorbringen

von Katrin Diehl  13.06.2021

Noëmi Waysfeld

»Honig auf das Jiddische«

Die französische Sängerin über ihr neues Album, wiederentdeckte Lyrik von Rivka Kopé und starke Frauen als Vorbilder

von Katrin Richter  13.06.2021

Zeitzeugen

»Extrem große Motivation«

Leon Goretzka nach Begegnung mit der Schoa-Überlebenden Margot Friedländer: »Ich schäme mich für unsere Geschichte«

 11.06.2021

Jüdisches Museum Berlin

Die Erlöserin spricht Hebräisch

Yael Bartanas Werkschau ebnet dem Haus nach den vielen Kontroversen in der Vergangenheit den Weg für einen Neuanfang

von Johannes Becke  10.06.2021

Netflix

Old Jews Telling Jokes

Die wunderbar gegen den Strich gebürstete Serie »The Kominsky Method« verabschiedet sich. Und das erstaunlich versöhnlich

von Sophie Albers Ben Chamo  10.06.2021

Rechtsgeschichte

Die Verrechtlichung der Welt

Eine prominente Gesprächsrunde beleuchtet die Biografie von Benjamin Ferencz, des letzten noch lebenden Nürnberger Chefanklägers

von Ralf Balke  10.06.2021

Medien

»Mein Herz blutet«

Unser Autor hat bei der Wächterpreis-Verleihung der deutschen Tagespresse scharfe Kritik geübt. Sein Vorwurf: Immer öfter werde bei Journalisten der Wunsch zum Vater der Fakten

von Michael Wolffsohn  10.06.2021