Urteil

DHM muss Sachs-Sammlung zurückgeben

Peter Sachs, Erbe des Kunstsammlers Foto: dpa

Der Bundesgerichtshof hat erstmals ein Museum zur Rückgabe von NS-Raubkunst verurteilt. Wie die Karlsruher Richter am Freitag entschieden, muss das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin die mehr als 4.200 Plakate umfassende Sammlung Sachs dem in den USA lebenden Erben des jüdischen Vorbesitzers überlassen. Experten schätzen deren Wert auf vier Millionen Euro.

In einer ersten Reaktion kündigte das Museum an, zeitnah das Gespräch mit dem Erben zu suchen. »Wir akzeptieren natürlich das verkündete Urteil«, sagte DHM-Sprecher Rudolf Trabold. Nun gehe es darum, eine »einvernehmliche« Regelung zu finden. Angesprochen auf die Frage, ob dies Verhandlungen über einen Ankauf oder eine Dauerleihgabe bedeute, fügte er hinzu: »Das ist ein weites Feld.«

Keller Der jüdische Kunstliebhaber Hans Sachs aus Berlin hatte während des Kaiserreiches und der Weimarer Republik die Plakatsammlung aufgebaut. In der NS-Zeit musste Sachs ins Exil fliehen, die Sammlung wurde von den Behörden beschlagnahmt. Nach Kriegsende tauchte sie in einem Ost-Berliner Keller wieder auf und wurde dem DDR-Museum für Deutsche Geschichte übergeben, das nach der Wende im DHM aufging. Der ursprüngliche Eigentümer erhielt 1961 von der Bundesrepublik eine Entschädigung in Höhe von 225.000 Mark.

2005 hatte der Sohn des 1974 verstorbenen Sammlers – nach eigenem Bekunden – erstmals von der Existenz der Plakate seines Vaters im DHM erfahren und über Anwälte die Restitution gefordert. Das Museum hatte dies abgelehnt, unter anderem mit dem Hinweis auf die Verjährung der Ansprüche nach dem Rückerstattungsgesetz und die bereits gezahlte Entschädigungssumme.

Die Anwälte des in Florida lebenden Erben Peter Sachs argumentierten hingegen, Hans Sachs habe mitten im Kalten Krieg keine realistische Möglichkeit auf eine Rückgabe seiner Plakate aus der DDR sehen können.

Im Gegensatz zur Vorinstanz, dem Berliner Kammergericht, kamen die Karlsruher Richter zur Auffassung, dass bei verschollenen Kunstgütern der Fristablauf keine nachträglichen Rückgabeansprüche zunichtemacht. Ansonsten »würde das nationalsozialistische Unrecht perpetuiert«, entschied der Bundesgerichtshof. epd

Kino

Spielbergs »Disclosure Day« feiert Kinostart

Als Inspiration für dieses Projekt nennt der jüdische Regisseur einen »New York Times«-Artikel über geheime UFO-Programme des Pentagon

 08.06.2026

Berliner Revue

»Berlin, Du coole Sau!«: Sharon Brauner auf Tour

Es handelt sich um eine der aufwändigsten Bühnenproduktionen ihrer Karriere. Im Herbst beginnt die Deutschlandtournee

 08.06.2026

Kommentar

Der Hass trägt heute Palästinaflaggen

Wie der kulturelle Boykott Israels die Ausgrenzung von Juden normalisiert

von Sarah Maria Sander  07.06.2026

Berlin

Ein Engelskuss

Der Künstler Charles Abecassis präsentiert seine Arbeiten in einer Verkaufsausstellung, deren Reinerlös an das Projekt »The Way Shalom« geht

 07.06.2026

»documenta«

Kulturrat: Antisemitismus letztlich nicht zu verhindern

Olaf Zimmermann will mit einem »Code of Conduct« Antisemitismus, Rassismus »und jedweder anderen Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aktiventgegentreten«

von Susanne Rochholz  07.06.2026 Aktualisiert

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 07.06.2026

Berlin

»Tänzerinnen Brunnen« gehört nun zu US-Privatsammlung

Das Kunstwerk wurde als Highlight der Sommerauktion bei Auktionshaus Grisebach versteigert – für vier Millionen Euro

 07.06.2026

Zeitgeschichte

Wie ein grausames Märchen

In ihrem aktuellen Buch schreibt die Historikerin Irina Scherbakowa über die verlorene Freiheit in Russland. Nun ist »Der Schlüssel würde noch passen« für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert

von Ralf Balke  07.06.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Zeitraffer und Geschichte oder Warum alte Fotos mehr erzählen

von Nicole Dreyfus  07.06.2026