Lesen!

»Der Transitmann«

Lew Kopelew (1912–1997) Foto: picture alliance / Horst Galuschka

Lesen!

»Der Transitmann«

Dmitrij Belkin hat ein aufschlussreiches Buch über den bedeutenden Germanisten, Schriftsteller und Humanisten Lew Kopelew geschrieben

von Katrin Richter  19.03.2023 07:56 Uhr

Dieser Bart! Weiß, mächtig. Der Bart ist vielleicht die optische Komponente, die auch Nichtkennern von Lew Kopelew in Erinnerung bleibt, wenn sie zum ersten Mal ein Bild des bedeutenden Intellektuellen sehen. Und dieser Bart ist es auch, dem im Buch Lew Kopelew. Der Transitmann ein ganzes Kapitel gewidmet ist. Wer hier eine Stilkritik erwartet, liegt komplett falsch.

Vielmehr, als sich nur auf das Optische zu reduzieren, hat sich der Historiker Dmitrij Belkin ernsthaft auf die Suche nach dem Mann begeben, der Zeit seines Lebens immer unterwegs war, unterwegs sein musste. Räumlich wie politisch. Der aus einer assimilierten jüdischen Familie kam, ausgebürgert wurde und im Exil lebte.

Der am 27. März 1912 an einem Ort zur Welt kam, der im April 2022 im russischen Angriffskrieg fast komplett zerstört wurde: Borodjanka, ungefähr 60 Kilometer nordwestlich von Kiew gelegen. Vor dem Studium der Philosophie, Geschichte und Germanistik an der Uni Charkow und in Moskau war Kopelew Metalldreher-Lehrling und Werksjournalist.

GERMANIST Später promovierte er über »Schillers Dramatik und die Probleme der Französischen Revolution«. Er war Germanist und sprach akzentfrei Deutsch, wovon sich jeder, der Kopelew nicht nur ansehen und lesen möchte, auf der Website des »Friedenspreises des Deutschen Buchhandels« überzeugen kann. Den, übrigens, erhielt er 1981 für die Erkenntnis, »daß vorbehaltlose Wahrheit, bereitwilligste Toleranz und Menschenliebe, die alle Arten von Haß und Feindseligkeit überwindet, unerläßlich sind, soll die Menschheit in Freiheit und Frieden am Leben bleiben«.

Dass diese »Jüdische Miniatur« – so heißt auch die Reihe, in der Dmitrij Belkins Buch über den bedeutenden Intellektuellen Lew Kopelew erschienen ist –, so klein von Format und so dünn im Umfang erscheint, sollte nicht täuschen: Es ist ein gewichtiges Buch über einen wichtigen Denker, der von seinen Kölner Kollegen »Lew Vulkanowitsch« genannt wurde. Warum? Lesen Sie selbst!

Dmitrij Belkin: »Lew Kopelew. Der Transitmann«. Hentrich & Hentrich, Leipzig 2022, 98 S., 9,90 €. Der Autor stellt das Buch am 30. März um 19.30 Uhr im Kölner Lew Kopelew Forum vor.

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der Jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  05.03.2026

Thüringen

Doppelkonzert eröffnet Jüdisch-Israelische Kulturtage

Nach stornierten Flügen gelingt dem israelischen Sharon-Mansur-Trio aus Haifa doch noch die Anreise nach Deutschland. Jetzt starten die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen gemeinsam mit israelischen und iranischen Künstlern

 04.03.2026

Berlin

Tricia Tuttle bleibt Berlinale-Chefin

Die Amerikanerin muss sich allerdings an Auflagen halten

 04.03.2026

Shkoyach!

Eine Begegnung vor dem Krieg Oder Frieden. Schalom. Saleh.

Die Mullahs mit ihrem rasenden Hass auf Israel als Staatsdoktrin haben bei vielen Iranern genau das Gegenteil bewirkt. Eine Begegnung vor dem Krieg

von Sophie Albers Ben Chamo  04.03.2026

Lebende Legende

Wolf Biermann feiert 90. Geburtstag mit drei Festkonzerten

Vor 50 Jahren wurde der Liedermacher aus der DDR ausgebürgert. Zudem feiert er seinen 90. Geburtstag. Mit Konzerten blickt er auf ein bewegtes Leben voller Musik und politischer Haltung zurück

 04.03.2026

Berlin

Nächste Krisensitzung: Wie geht es weiter bei der Berlinale?

Lebhaft wurde in den vergangenen Tagen über die Zukunft des Filmfestivals und Intendantin Tricia Tuttle diskutiert. Nun trifft sich der Aufsichtsrat erneut

 04.03.2026

Programm

Kleine Großstadtdektive, ein musikalischer Golem und Gespräche: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 5. bis zum 12. März

 03.03.2026

Kult-Comics

80 Jahre Lucky Luke: Der Cowboy mit dem smarten Pferd

Zwar trägt Lucky Luke keinen Davidstern. Der jüdische Autor René Goscinny trug aber entscheidend zum Witz und dem großen Erfolg der Serie bei

 03.03.2026

Berlin

Tuttle will bei Berlinale bleiben - ist der Streit vorbei?

Die US-Amerikanerin Tricia Tuttle leitet das renommierte Filmfestival seit 2024. Nach Vorwürfen und Kontroversen legt sie sich fest: Sie will weitermachen. Aber längst nicht alle Fragen sind geklärt

von Verena Schmitt-Roschmann, Sabrina Szameitat  03.03.2026