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Finale

Der Rest der Welt

Mit Ernährungsfanatikern hatte ich schon immer Probleme – vor allem, wenn es sich um Eltern handelt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich mich als Kind öfters mit maximalen Schuldgefühlen zu McDonald’s geschlichen habe, um heimlich einen Hamburger zu kaufen. (Oder zwei.)

Ich war nämlich fest davon überzeugt, dass nicht nur meine Eltern, sondern auch meine Freunde die Unterstützung einer amerikanischen Fastfoodkette auf das Schärfste verurteilten würden. Dann würde ich mich auf keiner Demo mehr sehen lassen können – weswegen ich das in weißes Papier verpackte Produkt sofort in meiner Schultasche verschwinden ließ und es erst in einer unbeobachteten Ecke verschlang.

Wahrscheinlich rührt sie also aus den 80er-Jahren: meine Abneigung gegen Mütter, die auf Leute wie mich herabsehen – das bilde ich mir jedenfalls ein –, weil ich meinem Sohn gelegentlich ein Tütchen »Capri-Sonne« spendiere. Perfekte Mütter dagegen bringen auf Spielplätze nie etwas anderes mit als frisches Wasser aus der Recycling-Flasche. Zuckerhaltige Getränke für ihre Sprösslinge? Niemals!

Tupperware Aber vielleicht habe ich auch nur Komplexe, weil ich meinen Sohn mit Krümelmonster-Keksen füttere, anstatt ihm nach dem Abholen aus der Kita geschälte Möhren und Kohlrabi aus einer Tupperware-Dose vorzusetzen – so wie es jede biodeutsche Mama tut, die ihr Kind wirklich liebt.

Doch wie ich mittlerweile feststellen musste, ist das Leben unter jüdischen Eltern auch nicht einfach – obwohl ich mir größte Mühe gebe. Längst sind die Gummibärchen bei Kindergeburtstagen durch die »Halal«-Variante von Haribo ersetzt. Doch Rücksicht schützt nicht vor Rückschlägen: Ein kleines Mädchen, das uns schon oft besucht hat, lehnte eine erneute Einladung vor Kurzem ab. Die Begründung der Dreijährigen: Sie wolle keinen Schinken essen!

Nach einem Lachanfall und meiner Beteuerung, niemals unkoschere Produkte an koscher essende Gäste zu verfüttern, habe ich die Eltern gebeten, ihrer Tochter klarzumachen: Auf der Welt gibt es eine Menge Juden, die Schinken mögen.

Wer keinen von ihnen mehr besuchen will, könnte mehr verpassen als ein Schweineschnitzel. Sogar der Staat Israel wurde von Schinkenessern gegründet – auch wenn manche unserer Weisen finden, säkulare Juden seien für den Fortbestand unseres Volkes wertlos: degenerierte Typen, die auf den rechten Weg des Schinkenverzichts zurückgebracht werden müssen.

Aber ich will nicht verzichten! Weder auf SerranoSchinken noch auf Kekse! Apropos: Wussten Sie, dass das Krümelmonster in der US-Sesamstraße statt Keksen nun Kohlrabi isst, um dicken amerikanischen Kindern mit gutem Beispiel voranzugehen? Ich finde das grauenvoll. Ich will keinen Kohlrabi. Ich will Salami! Und Softeis! Und wer uns deshalb nicht besuchen mag, dem kann ich auch nicht helfen!

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