Finale

Der Rest der Welt

Jedem Töpfchen sein Deckelchen, jedem Tierchen sein Pläsierchen. Alles hat seine Bedeutung. Und wenn wir die Erklärung nicht gleich finden, der liebe Gott hat schon einen Plan. Das hat auch König David erfahren müssen. Die Kuh gibt Milch, das Schaf spendet Wolle, und das Huhn legt Eier. Aber was leistet eigentlich die Spinne? Das war Davids Frage an Gott. Erst auf der Flucht vor König Saul erkannte er die Vorzüge der Spinne. Er versteckte sich nämlich in einer Höhle, vor deren Eingang eine Spinne ihr Netz spann. Als die Häscher Sauls schließlich sämtliche Höhlen durchstöberten, machten sie vor der einen halt. Hier lohne sich die Arbeit sicher nicht, da hänge ja ein Spinnennetz.

Gleiches ist auch mir geschehen. Vor allen Berufsgattungen hatte ich Hochachtung. Nur nicht vor den Telefonverkäufern. Warum, so fragte ich Gott häufig, hast du Telefonagenten erschaffen? Mit den Jahren wurde ich natürlich weiser und einsichtiger. Gott hat immer recht. Aber wenn Er in Seiner unermesslichen Güte uns Menschen das Telefon und das Handy schenkte, warum musste als Blinddarm dann noch der Callcenter-Agent nachrutschen?

telefonverkäufer Sie rufen bei mir immer abends an. So zwischen 18 und 21 Uhr. Ich bin zwar passionierter Zeitungsleser, aber manchmal wünschte ich mir schon, das Internet würde alle Zeitungen eliminieren. Dann würde mich auch niemand mehr bei Wetten, dass …? stören. Doch sind es nicht nur Zeitungsverkäufer, die mich abends nerven. In den letzten Monaten habe ich immer wieder Anrufe von jüdischen Telefonverkäufern erhalten. Irgendwie bin ich in so eine Datei gekommen, auf deren Deckel steht: »Gutgläubiger Schweizer (reich, naiv, verwirrt)«.

Die Gespräche beginnen immer so: »Ata medaber Ivrith?« Nein. »You speak English?« Just a little bit. »Du verstehst Jiddisch?« Dann antworte ich immer: »A giten Tog« und hänge auf. Kürzlich aber rief wieder einmal ein gojischer Callcenter-Agent an, der mir die »Schweizer Familie« andrehen wollte, ein Wochenmagazin. Er begann das Gespräch so: »Herr Frenkel, wir möchten uns alle bei Ihnen bedanken.«

profi-väter Ich wurde neugierig. Ja, warum denn? Nun, ich wäre ein so toller Mensch und so weiter. Irgendwie fesselte mich dieser Typ. Ich mag es, wenn man mich lobt. Und so fuhr er fort. Als er mir ein Fünf-Jahres-Abo verkaufen wollte, erwähnte ich meine stressige Familie. »Aber Sie, Herr Frenkel, Sie schaffen das doch mit links, oder?« Na ja, ich bin schon ein guter Vater. »Und im Heft stehen viele Tipps für Profi-Väter wie Sie. Außerdem erhalten Ihre Kinder ein Frottee-Tuch gratis. Sie haben für Ihre Kinder doch sicher immer wieder kleine Geschenke, stimmt doch?«

Ja, schon, das stimmt. Ich bin eben ein Profi-Papi. »Sie sind ein Super-Papi, Herr Frenkel!« Ich legte den Hörer irgendwann dann doch auf. Aber das Gespräch hat mir echt gutgetan. Lieber Gott, langsam verstehe ich deine Wege. Du bist halt – wie ich – ein Super-Typ!

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  23.09.2026

Fernsehen

Adolf und seine »Akte«

Die fünfte Staffel von »Babylon Berlin« spielt 1933 zur Zeit von Hitlers Machtergreifung. Unterhaltung mit politischem Anspruch, aber stimmen die Fakten?

von Ayala Goldmann  23.09.2026

Berlin-Wahl

»Die Linke ist keine antisemitische Partei, aber sie hat ein Problem mit Antisemitismus«

Der Comedian äußerte sich im Interview mit dem Tagesspiegel zur Berliner Wahl und eine progressive linke Haltung zu Israel

 23.09.2026

Theater

Abgrund statt Parabel

In seiner Inszenierung von »Mephisto« spürt Frank Castorf den verborgenen Anziehungskräften des Faschismus nach und verzichtet dabei auf einfache Aktualisierungen

von Leon Stork  23.09.2026

»Imanuels Interpreten« (25)

Pancho Vladigerov: Meister der Klänge

Er studierte in Berlin, kooperierte mit Max Reinhardt und komponierte umwerfende Symphonien. Dennoch ist er fast nur in seinem Heimatland bekannt

von Imanuel Marcus  23.09.2026

Münchner Philharmoniker: Antrittskonzert von Lahav Shani

Musik

Berauschender Auftakt

Lahav Shani startet fulminant als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker

von Michael Schleicher  22.09.2026

UEFA Nations League

»Dummheit und Heuchelei«: Israelische Fußballer weisen Völkermord-Vorwürfe aus Irland zurück

Israels Fußballverband wehrt sich gegen Aussagen des irischen Nationaltrainers Heimir Hallgrimsson, der vor dem anstehenden Länderspiel gesagt hatte, Irland werde »gegen den Genozid« antreten

 22.09.2026

Berlin

Igor Levit kritisiert Merz: Weiter-so in hübscher Verpackung

Merz’ Art der Kommunikation des CDU-Politikers wirke »losgelöst«, so der Pianist

 22.09.2026

Philadelphia

Erstes Konzert nach Macklemore-Aus: Sheeran äußert sich

Wegen israelfeindlichen Äußerungen und einer antisemitischen Vorgeschichte wurde US-Rapper Macklemore aus dem Vorprogramm von Popstar Ed Sheeran gestrichen. Jetzt ist Sheeran erstmals wieder aufgetreten

 20.09.2026