Glosse

Der Rest der Welt

Foto: Getty Images/iStockphoto

Diese Woche durften meine Kinder im Pyjama in die Schule sowie in den Kindergarten gehen. Keine gewöhnliche Pyjamaparty, sondern wegen Purim, weil die Welt dann kopfsteht und man irgendwie alles umgekehrt macht. Raus aus der Normalität, rein in eine andere Rolle – entweder verkleidet oder eben im Pyjama.

Doch die Verkleidung im Pyjama bedeutet irgendwie mehr als der herkömmliche Rollentausch, um für ein paar Stunden eine Prinzessin oder ein Dinosaurier zu sein. Der Pyjama ist doch schon ein sehr privates Kleidungsstück, das auch etwas mehr Überwindung verlangt, sich damit auf die Straße zu begeben. Wobei es die Kinder natürlich lustig finden.

Man stelle sich also vor, ein Herr Trump würde sich für ein paar Stunden den Schlafanzug von letzter Nacht überziehen.

Genau das sollten auch wir! Und mit »uns« meine ich auch die Herren und Damen dieser Welt, die in letzter Zeit dafür verantwortlich sind, dass die Welt erodiert. Man stelle sich also vor, ein Herr Trump würde sich für ein paar Stunden den Schlafanzug von letzter Nacht überziehen – es wäre vielleicht auch ganz interessant zu wissen, ob der dann gestreift, gepunktet, aus Satin oder Seide ist – und sich so an seinen Schreibtisch im Oval Office setzen. Was würde die Welt denken von einem in einen Pyjama (ge)kleideten Staatsoberhaupt, das Verlässlichkeit nur als Empfehlung, Beleidigungen als opportune Kommunikationsform versteht?

Dass die Welt definitiv aus den Fugen geraten ist, hier gar nichts mehr nach allgemeingültigen Konventionen funktioniert und der bisher als normal gedachte Wertekanon völlig ausgeschaltet wurde? Gewiss braucht es keinen Schlafanzug, um dies zu verstehen.

Kollege Putin im Schlafanzug zu sehen, würde vermutlich ebenfalls niemand wollen. Am wenigsten er selbst. Denn Kleider machen bekanntlich Leute. Aber denken wir das Gedankenspiel zu Ende. Würde der Schlafanzug und die damit – wenn auch nur suggerierte – Privatheit nicht nur bei Herrn Trump, sondern auch bei gewissen anderen Herren und Frauen Kollegen auf der internationalen Politbühne dazu führen, Verletzlichkeit, Nahbarkeit, ja sogar etwas Menschlichkeit preiszugeben, um die politischen Geschäfte mit mehr Vernunft und weniger Egoismus zu führen, dann würde die Welt gar nicht mehr so kopfstehen.

Dem Pyjama sei Dank! In diesem Sinne Purim Sameach!

Archäologie

Die Fingerabdrücke von Qumran

Wie Wissenschaftler mithilfe von Künstlicher Intelligenz den Schriftrollen vom Toten Meer ihre letzten Geheimnisse entlocken wollen

von Sabine Brandes  10.08.2026

Campus

Schweigen als Überlebensstrategie

Ein neuer Sammelband beleuchtet die erschütternde Situation jüdischer Studierender und Lehrender an deutschen Hochschulen

von Therese Klein  10.08.2026

Berlin

Bund gibt mehr Geld für Gedenkstätten

Die deutschen Gedenkstätten erhalten von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mehr Fördermittel - für Projekte, aber auch für den Schutz der Orte und Mitarbeiter.

 10.08.2026

Interview

»Woher haben Sie die Noten?«

Kantor Assaf Levitin und der Verleger Christoph Koop über die Edition »Hashivenu« von Kompositionen für die Synagoge – und das Interesse auch von nichtjüdischen Chören an der Musik »Made in Germany«

von Christine Schmitt  10.08.2026

Musik

Wurde Boy George bei einem Konzert in Frankfurt sabotiert?

Techniker sollen seine In-Ear-Monitore immer lauter gedreht haben, bis der britische Pop-Star seinen Auftritt abbrach

von Imanuel Marcus  10.08.2026

Aufgegabelt

Zitronen-Zaatar-Hühnchen

Rezepte und Leckeres

 09.08.2026

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post des Journalisten hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026

Berlin

Einsatz gegen Judenhass: Iris Berben erhält Deutschen Kulturpolitikpreis

Die Schauspielerin steht nicht nur vor der Kamera, sondern engagiert sich auch ehrenamtlich. Der Deutsche Kulturrat würdigt diese Leistung mit einem Preis. Igor Levit ist Laudator

 07.08.2026

Rapper Pashanim während eines Konzertes auf der Bühne

Hiphop

Rapper Pashanim: »Free Palestine« als Verkaufsschlager

Auf seinem neuen Album »Lounge Musik« rappt der Berliner Musiker Pashanim wiederholt über den Israel-Palästina-Konflikt – Kokettieren mit dem palästinensischen Terrorismus inklusive

von Lennart Wilsch  07.08.2026