Glosse

Der Rest der Welt

Foto: picture alliance / Everett Collection

Glosse

Der Rest der Welt

Sommerloch: Was Wolverine und Deadpool bei Madonna wollten

von Katrin Richter  28.07.2024 10:33 Uhr

Das wird eine Sommerloch-Glosse. Es wird um nicht so viel gehen. Nicht um Tiere, die Wettbewerbe voraussagen, nicht um Menschen, die in Wäldern Löwen sehen, die sich später als Wildschweine entpuppen, nicht um irgendwelche Challenges in sozialen Medien. In den Klatschmeldungen ist auch nicht so richtig was los.

Ah, doch: Hugh Jackman, lese ich in einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur, soll in der Vorbereitungsphase für seinen neuen Film Deadpool & Wolverine, der in dieser Woche in den Kinos anläuft, täglich 6000 Kalorien zu sich genommen haben. 6000!

Gut, das klingt wie ein ganz normales Schabbat-Dinner. Nur mit dem Unterschied, dass Jackman dazu noch über viele Monate ein krasses Work-out absolviert hat. Neben kleinen Gewichten und sehr riesigen Gewichten verbrachte der aus­tralische Schauspieler viele Stunden auf dem Ruder-Ergometer und postete seine Erfolge regelmäßig auf Instagram. Wer ein Superheld sein will, muss halt leiden. Es hat sich aber gelohnt. Hugh Jackman als Wolverine sieht sehr gut aus.

Sein Co-Star Ryan Reynolds, der als anderer Marvel-Held namens Deadpool aus seiner eigenen Geschichte heraus ja einen Ganzkörperanzug trägt, wirkt dagegen fast wie ein Spargeltarzan, aber okay. Regisseur Shawn Levy, der wie Reynolds Kanadier ist, sagte vor wenigen Tagen in der Sendung Good Morning America, dass die nordamerikanischen Männer eher wie »Jungen in Männerkörpern« seien. Die Australier dagegen seien die richtigen Männer. Hätten wir das auch geklärt.

Vielleicht gehe ich ja doch in den neuen Marvel-Film: Im Kino ist es wenigstens schön kühl.

Shawn Levy muss sich aber gar keinem Männlichkeitswettbewerb aussetzen, denn er ist ein richtig bekannter Regisseur, unter anderem einer großen Netflix-Serie mit Indie-Touch namens Stranger Things. Levy gelang es, in einer der von ihm gedrehten Folgen einen Hit von Kate Bush so zu platzieren, dass der wieder in die Charts ging. »Running Up That Hill« aus dem Jahr 1985 sorgte 2022 bei Kate Bush sicherlich noch einmal für ein bisschen Urlaubsgeld.

Auch der neue Levy-Film bedient sich aus der 80er-Jahre-Hitkiste. Diesmal trafen sich Levy und Reynolds – die beiden kanadischen Jungs im Männerkörper, wir erinnern uns – mit keiner Geringeren als Madonna. Pause für ehrfürchtiges Schweigen. Reynolds, beschrieb in der Talkshow Live! Kelly & Mark, dass er so aufgeregt war, dass er einen Mitarbeiter aus dem Team Madonna gefragt haben soll: »Sagt man einfach Madonna?«

Madonna, die in ihrer Kabbala-Phase mal Rachel hieß, gab die Erlaubnis, ihren Hit »Like a Prayer« aus dem Jahr 1989 für eine Szene in Deadpool & Wolverine zu verwenden. Sie gab auch selbstredend noch viele Tipps mit, welche Note wo und wann benutzt werden sollte. Nicht umsonst ist sie die Königin des Pop.

Die Szene ist dann auch wirklich ganz gut geworden, wenn man sich den Trailer ansieht. Aber ansonsten sind die Dialoge nicht ansatzweise so tief wie der Baggersee, in dem im Sommerloch von 1994 der Kaiman Sammy verschwand. Aber vielleicht gehe ich ja doch in den neuen Marvel-Film: Im Kino ist es wenigstens schön kühl.

Leipzig

Hotelmitarbeiter: Gil Ofarim inszeniert sich wie ein Opfer

Vor vier Jahren warf der Musiker dem Hotelmitarbeiter Markus W. vor, ihn aus antisemitischen Gründen nicht einchecken lassen zu haben. Die Vorwürfe waren erfunden. Nun äußert sich der Mitarbeiter erstmals

 10.02.2026

Naturschutz

Ein Zuhause für Meeresschildkröten

Aus einer Notfallklinik in Containern wird ein nationales Zentrum mit weltweit einzigartiger Zuchtstation

von Sabine Brandes  09.02.2026

Literatur

Als nichts mehr normal schien

Ein Auszug aus dem neuen Roman »Balagan« von Mirna Funk, der im Jahr 2024 in Berlin und Tel Aviv spielt

von Mirna Funk  09.02.2026

Restitution

Uni Frankfurt übergibt erstmals NS-Raubgut an Jüdische Gemeinde

Seit gut fünf Jahren durchforstet die Universitätsbibliothek in Frankfurt ihre Bestände systematisch nach Raubgut aus der NS-Zeit. Das Projekt trägt nun Früchte - und ist noch lange nicht abgeschlossen

 09.02.2026

Geburtstag

Seiner Zeit voraus: Vor 100 Jahren wurde John Schlesinger geboren

Regisseur John Schlesinger lebte seine Homosexualität offen und rührte mit seinen Filmen früh an gesellschaftliche Tabus, etwa mit dem Oscar-prämierten »Asphalt Cowboy«. An die atmosphärische Dichte seiner Werke knüpfen Filmemacher noch heute an

von Barbara Schweizerhof  09.02.2026

Fernsehen

Gil Ofarim: »Der Dschungel hat mich wieder zurückgeholt, zurück ins Leben«

»Wenn Gil gewinnt, verliere ich den Glauben an Reality-Shows«, sagte Simone Ballack. Dieser Fall ist nun eingetreten

von Jonas-Erik Schmidt  08.02.2026

Fernsehen

Gil Ofarim gewinnt das RTL-Dschungelcamp. Und nun?

Unser Kolumnist ist nach 17 Folgen ausgebrannt - und zieht ein letztes Mal Bilanz

von Martin Krauß  08.02.2026

Meinung

Warum ich mich für meine Teilnahme am Dschungelcamp nie schämen würde

Die »Lindenstraßen«-Darstellerin Rebecca Siemoneit-Barum war 2015 bei der berühmt-berüchtigten RTL-Sendung in Australien dabei. Hier erzählt sie, was die Zeit im Dschungel bis heute für sie bedeutet

von Rebecca Siemoneit-Barum  09.02.2026 Aktualisiert

Medien

Holger Friedrich, die Juden und ihre offenen Rechnungen nach dem Fall der Mauer

Der Verleger der »Berliner Zeitung« gibt im Gespräch mit Jakob Augstein einmal mehr Einblicke in sein krudes Geschichtsverständnis

von Ralf Balke  08.02.2026