Glosse

Der Rest der Welt

Foto: Getty Images/iStockphoto

Frühstück ist ja bekanntlich die wichtigste Mahlzeit des Tages. Wer morgens nichts Nahrhaftes zu sich nimmt, der hat spätestens gegen elf ein Problem. Was man allerdings alsbald nach dem Aufstehen verzehren sollte, darüber gibt es nicht nur Literatur am laufenden Meter, sondern auch sehr viele, sehr gut gemeinte Tipps. Manche schwören ja auf ein Glas Wasser mit frisch geschältem und geschnittenem Ingwer, manch andere auf Toast mit Butter und Honig, na, und ganz andere setzen auf das Lungenbrötchen – nun ja.

Warum ich gerade über die erste Mahlzeit des Tages schreibe? Jerry Seinfeld, ja, der aus Seinfeld, hat einen Film über die Erfindung eines der wohl ekelhaftesten (sorry, aber is’ so!) Frühstücke – nach allem, was mit roher Zwiebel so auf dem Frühstücksteller landen kann – gemacht: die Erfindung der Pop-Tarts.

Kennen Sie die? Falls nicht, gibt es jetzt eine professionelle und gut durchdachte Kurzbewertung: Ichz! Pop-Tarts, das sind zwei mit Backtriebmittel angereicherte Rechtecke mit verschiedenfarbigen Füllungen à la Erdbeere, Blaubeere, Schoko-Fudge und vielen anderen künstlichen Geschmacksrichtungen. Diese viereckigen Toastlinge verhalten sich zum Genuss des Films ungefähr gleich. Beide sind quietschbunt und wirken zunächst etwas kultig.

Is(s)t man zu Beginn noch neugierig, widmet sich geduldig dem Inhalt, wird einem nach kurzer Zeit zuerst langweilig, dann übel, und sogleich sehnt man sich nach richtigem Essen beziehungsweise einem richtigen Film. Irgendwie war es ja auch klar, dass sich Seinfeld den Cerealien widmen musste, war doch sein Charakter der gleichnamigen Serie ein regelrechter Cornflakes-Junkie. Auf wie viele Gags die Sendung hätte verzichten müssen, wenn er anstelle der halbwegs genießbaren Cornflakes Pop-Tarts gegessen hätte. Nicht auszudenken!

Nun ist das Frühstück aber angerichtet, und irgendwer wird es schon essen – äh, ansehen. Viel besser wäre es gewesen, hätte sich Seinfeld mal wirklich leckeren Frühstücks-Must-haves gewidmet: wie dem israelischen Frühstück mit Omelette, Gurke-Tomate-Minze-Salat, Tomatenmarmelade, frischem Brot oder warmem Hummus, Ei und Pita. Oder dem einfachen »Zig Obstsorten gequetscht in einem Becher«-Saft.

Wie viele Menschen wären dann mit einem richtigen gesunden Frühstück bekannt gemacht worden? Mit Eiweißen, langkettigen Kohlehydraten, Vitaminen und allem anderen, was richtig auskennerisch klingt? Aber nein, es müssen Pop-Tarts sein, die das Unternehmen Kelloggʼs produziert. In den USA zählen die überzuckerten und sowieso künstlichen Teile zu einem der beliebtesten Frühstückselemente. Es gibt sogar Rezeptvorschläge à la »Overnight Pop Tarts«. Ich glaube, mir wird schon wieder »langweilig«. Immerhin: Für alle, die es interessiert – koscher sind Pop-Tarts ohnehin nicht. Mahlzeit.

TV-Kritik

Der Ring, der nie gelungen: Arte-Doku über Richard Wagner und sein monumentales Werk

Eine Arte-Dokumentation erzählt die Geschichte von Richard Wagners Gesamtkunstwerk und seiner Vereinnahmung durch die Nazis

von Manfred Riepe  14.08.2026

Gesangswettbewerb

Hat neue ESC-Vorschrift Auswirkungen auf drohenden Israel-Boykott?

Diese Debatte lässt den Eurovision Song Contest nicht los: Einige Länder könnten auch die kommende Ausgabe des ESC aufgrund der Teilnahme des jüdischen Staates boykottieren. Nun gibt es eine neue Regel - sorgt diese nun für Ruhe?

von Daniel Zander  14.08.2026

Exklusiv

Causa Georg Restle: Jetzt meldet sich WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni zu Wort

Felix Schotland, Mitglied im WDR-Rundfunkrat und im Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, beschwerte sich über einen X-Post des Journalisten Georg Restle. Nun bekam er eine Antwort

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026

Leipzig

Ausstellung mit Fotografien von NS-Deportationen

Mehrere Hunderttausend Menschen wurden in der NS-Zeit aus dem Deutschen Reich deportiert. Ein Forschungsprojekt sichert seit Jahren fotografische Dokumente. Einige zeigt jetzt das Leipziger Ariowitsch-Haus

 13.08.2026

Jubiläum

25 Jahre Jüdisches Museum Berlin: Risse in der Geschichte

2001 öffnete das Jüdische Museum seine Türen für die Öffentlichkeit. Der Bau des bekannten Architekten Daniel Libeskind stand da schon. Und spricht bis heute eine eigene Sprache

von Nikolas Ender  13.08.2026

NRW

Antisemitismus: Konzert der Rapper Kneecap in Oberhausen geplant, Absage gefordert

Die Veranstalter sagen, Vorwürfe der Terrorverherrlichung gegen die nordirische Band würden ernst genommen und »intensiv geprüft«. Eine Absage komme aber nicht infrage

 13.08.2026

Comics

Asterix’ Vater

Vor 100 Jahren wurde René Goscinny geboren. Der Erfinder des gallischen Dorfes hat mit seinem jüdischen Humor ein Genre neu erfunden

von Alexander Kluy  13.08.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  13.08.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 12.08.2026