Glosse

Der Rest der Welt

Foto: Getty Images/iStockphoto

Glosse

Der Rest der Welt

Kaffee aus dem Bioreaktor? Na, guten Morgen!

von Katrin Richter  09.04.2024 17:49 Uhr

Erinnern Sie sich noch an Ihren Lateinunterricht? Ja? Dann dürfte Ihnen die Redewendung »Cave Canem« etwas sagen. Vorsicht, bissiger Hund, sehr frei übersetzt. Ungefähr so also – so-bissiger-Hund-ähnlich – bin ich vor meinem ersten Kaffee. Natürlich belle ich niemanden an, ich beiße auch nicht, ich bin eher etwas wortkarg und höre eigentlich nur der Höflichkeit halber zu, sollte mich doch einmal jemand ansprechen. Nach dem ersten Kaffee aber sieht die Welt dann schon ganz anders aus.

Allerdings darf es auch nicht irgendeine Plörre sein! Ein klassisch aufgebrühter Kaffee wirkt Wunder und zaubert mir nach einigen wenigen Schlückchen schon ein Lächeln in mein Morgengesicht.

Flat White oder Latte macchiato

Manchmal gönne ich mir sogar einen Flat White oder einen Latte macchiato, aber nur, wirklich nur, aus den beiden Läden, die ich nach langjähriger Suche und nach vielen teuren (wir sind ja in Berlin-Mitte) und vermaledeiten Zubereitungsversuchen (zu dünner Kaffee, zu wenig Milchschaum, zu saurer Espresso, zu lauwarm) zu meinen Lieblingskoffeintankstellen erkoren habe.

Kürzlich hatte ich allerdings bei dem bloßen Gedanken an Kaffee viele Fragezeichen vor meinen noch müden Augen. Und das kam so: Ich las einen Artikel über ein israelisches Start-up, das den Kaffeeanbau revolutionieren möchte. Dieser ist ja bekanntermaßen nicht sehr klimafreundlich und weil aus Fleischzellen Fleisch und aus anderen Zellen andere Lebensmittel gezüchtet werden können, möchte dieses Start-up aus Kaffeebohnenzellen eben Kaffee »züchten«.

Aus den Bohnen und den Blättern der Kaffeepflanze werden Zellen extrahiert. Diese kommen in einen Bioreaktor, der originäre Wachstumsbedingungen simulieren können soll. Alle Biomasse, die die Kaffeepflanzen so zum Wachsen benötigen, erhält sie in diesen Geräten. Und daraus entsteht die Grundlage für den Kaffee, der dann ganz normal geröstet werden kann.

Der Vorteil: Während eine Kaffeepflanze nur wenige Male im Jahr Kirschen wachsen lassen kann, könne der »neue« Kaffee aus dem Bioreaktor theoretisch immer erzeugt werden, heißt es in dem Artikel. Diese Nachricht machte mich erst einmal ziemlich zappelig, so wie nach dem Genuss von vier doppelten Espressi ungefähr.

Die große Frage ist: Wie schmeckt das Ganze?

Die Idee des Start-ups, das übrigens »Pluri« heißt, ist ja ganz clever, aber die große Frage ist: Wie schmeckt das Ganze? So wie dieses grausame flüssige Gebräu, das löslicher Kaffee genannt wird? Oder – noch schlimmer – so wie Kapselkaffee, der geschmacklich so eigenartig ist, dass die Attraktivität von George Clooney diesen Geschmacksmangel optisch ausgleichen muss?

Fleisch essende Freunde erzählen mir ja, dass Fleisch, das aus Zellen hergestellt wurde, erstaunlich ähnlich dem eigentlichen Produkt sein soll. Auch aus Zellen hergestellter Fisch soll gut sein.
Bis ich allerdings den anders hergestellten Kaffee nicht selbst gekostet und mich von seinem freundlich-machenden Effekt überzeugt habe, sage ich: »Dubito, ergo sum«. Sie hatten ja auch mal Latein – und wissen, was das heißt.

Zahl der Woche

2010

Funfacts & Wissenswertes

 21.04.2026

Theater

Eine Party der perfidesten Art

Simone Blattner inszeniert in Weimar den subversiv-doppelbödigen Text »Rechnitz (Der Würgeengel)« von Elfriede Jelinek

von Joachim Lange  21.04.2026

Biografie

Konzertmeister des Stardirigenten

In seinem neuen Buch über Herbert von Karajan bezieht sich der Historiker Michael Wolffsohn auch auf den Schoa-Überlebenden Michel Schwalbé. Ein Auszug

von Michael Wolffsohn  21.04.2026

Literatur

Neue Literatur zur Frage: Was bedeutet es, heute jüdisch zu sein?

Jüdische Gemeinschaften sind gespalten – nach dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 und dem Gazakrieg. Viele Linke sehen sich in ihrem eigenen Umfeld mit Antisemitismus konfrontiert. Zwei neue Bücher liefern Denkanstöße

von Leticia Witte  21.04.2026

Kolumne

»Un-fucking-believable«

Als erste Israelin: Noga Erezʼ fast surrealer Auftritt auf dem Coachella Valley Festival

von Laura Cazés  21.04.2026

New York

»Der Teufel trägt Prada 2« feiert Premiere

Der 2006 erschienene erste Teil gilt als Kult. Die Premiere der Fortsetzung zieht die Prominenz in Scharen an. Wann startet das Werk in Deutschland?

 21.04.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Kamele an der Limmat oder wie Zürich mit Tradition umgeht

von Nicole Dreyfus  20.04.2026

Essay

Darf es mir gut gehen …?

Die Welt brennt an allen Ecken und Enden. Unsere Autorin Barbara Bišický-Ehrlich plädiert für die Hoffnung als Lebensprinzip in dunklen Zeiten

von Barbara Bišický-Ehrlich  20.04.2026

Los Angeles

Natalie Portman erwartet drittes Kind

Zwei Kinder hat sie bereits aus ihrer früheren Ehe

 20.04.2026