Glosse

Der Rest der Welt

Foto: Getty Images/iStockphoto

Hamantaschen mit rosa Streuseln, Hamantaschen aus Blätterteig mit Balsamico-Erdbeer-Reduktion, Hamantaschen mit Pudding – Purim ist zwar erst Ende März, aber seit gefühlt 24 Stunden nach dem letzten Chanukka-Tag quillt mein Instagram-Feed über mit Vorschlägen, wie man nicht nur die allerbesten, sondern auch die allerausgefallensten Hamantaschen backen kann.

Zugegeben, ich folge ziemlich vielen Foodie-Accounts, aber jetzt einmal ehrlich: Ein bisschen Zeit ist doch noch, bis man sich über die zu heiß gebackenen Mürbeteig- und die zu buttrigen und damit geschmolzenen Oznei Haman ärgern kann. Oder finden Sie nicht? Warum muss, sobald die Kartoffelreibe abgewaschen und die leeren Ölflaschen weggeworfen sind, die Küche eigentlich schon für den nächsten Feiertag fertig gemacht werden? Die Antwort gebe ich mir direkt selbst: weil auch in der Kaufhalle nach Weihnachten sofort Ostern beginnt und danach irgendwas mit Kürbissen.

Wobei wir direkt beim Thema wären. Hamantaschen mit Kürbisfüllung habe ich erst kürzlich in meinem Feed gesehen. Irgendwie klingt es gut, irgendwie seltsam, irgendwie frage ich mich: warum? Egal: Für ein Foto zumindest wäre das orangene Püree toll. Noch ein paar Nigella-Samen auf die blassgoldenen Taschen geben, dann die richtige Stelle auf dem Dielenboden – die, auf die die Hinterhofsonne zehn Minuten so schön scheint – suchen, den auf alt gemachten Teller mit den leidlich gebackenen Teilen darauf stellen, und den Rest erledigt die Bildbearbeitung.

Man nehme: drei Striche nach links, um die Helligkeit zu reduzieren, zehn nach rechts, um die Wärme zu erhöhen, einen Hauch Sättigung, Vignette nach Geschmack, und wer es besonders mag: Tilt-Shift. Nach 20 Minuten (inklusive ein wenig herumexperimentieren) sollten die Kürbis-Nigella-Samen-Hamantaschen fertig sein. Sie sehen toll aus. Wie sie schmecken? Keine Ahnung! Und es interessiert ja sowieso niemanden, oder doch?

Ich ärgere mich jedenfalls in diesem Jahr nicht über mein schwieriges Verhältnis zum richtigen Mürbeteig. Ich nehme fertigen Teig aus dem Kühlregal. Die Kollegen im Büro essen sowieso alles, und zu Hause würden sich alle eher Pastrami-Hamantaschen mit Wurstfüllung (oh, vielleicht sollte ich danach direkt einmal suchen …) als süße Taschen wünschen.

Der fertige Teig enttäuscht nicht. Er zerläuft nicht, er verbrennt (theoretisch) nicht, er ist praktisch aufgerollt – und mal abgesehen von den vielen E-Stoffen sind auch nur Butter, Ei und Mehl drin. Ach so, und Palmfett und Stabilisatoren. Und was? Kann Spuren wovon enthalten? Auweia … ja, aber er ist aufgerollt, schmeckt und basta! Noch habe ich außerdem gute drei Wochen Zeit, um den perfekten Mürbeteig zu üben. Die Füllung, die mache ich allerdings selbst – und natürlich ganz unklassisch: süße Aprikosenmarmelade mit Kokosraspeln und fein gehackten Mandeln. Meine Hamantaschen sehen vielleicht nicht so fancy aus wie die Nigella-Samen-Teile, aber: Sie schmecken! Fragen Sie meine Kollegen.

TV-Kritik

Der Ring, der nie gelungen: Arte-Doku über Richard Wagner und sein monumentales Werk

Eine Arte-Dokumentation erzählt die Geschichte von Richard Wagners Gesamtkunstwerk und seiner Vereinnahmung durch die Nazis. Bei einigen zentralen Aspekten bleibt der Film aber oberflächlich

von Manfred Riepe  13.08.2026

Exklusiv

Causa Georg Restle: Jetzt meldet sich WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni zu Wort

Felix Schotland, Mitglied im WDR-Rundfunkrat und im Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, beschwerte sich über einen X-Post des Journalisten Georg Restle. Nun bekam er eine Antwort

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026

Leipzig

Ausstellung mit Fotografien von NS-Deportationen

Mehrere Hunderttausend Menschen wurden in der NS-Zeit aus dem Deutschen Reich deportiert. Ein Forschungsprojekt sichert seit Jahren fotografische Dokumente. Einige zeigt jetzt das Leipziger Ariowitsch-Haus

 13.08.2026

Jubiläum

25 Jahre Jüdisches Museum Berlin: Risse in der Geschichte

2001 öffnete das Jüdische Museum seine Türen für die Öffentlichkeit. Der Bau des bekannten Architekten Daniel Libeskind stand da schon. Und spricht bis heute eine eigene Sprache

von Nikolas Ender  13.08.2026

NRW

Antisemitismus: Konzert der Rapper Kneecap in Oberhausen geplant, Absage gefordert

Die Veranstalter sagen, Vorwürfe der Terrorverherrlichung gegen die nordirische Band würden ernst genommen und »intensiv geprüft«. Eine Absage komme aber nicht infrage

 13.08.2026

Comics

Asterix’ Vater

Vor 100 Jahren wurde René Goscinny geboren. Der Erfinder des gallischen Dorfes hat mit seinem jüdischen Humor ein Genre neu erfunden

von Alexander Kluy  13.08.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  13.08.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 12.08.2026

Rapper Pashanim während eines Konzertes auf der Bühne

Hiphop

Rapper Pashanim: »Free Palestine« als Verkaufsschlager

Auf seinem neuen Album »Lounge Musik« rappt der Berliner Musiker Pashanim wiederholt über den Israel-Palästina-Konflikt – Kokettieren mit dem palästinensischen Terrorismus inklusive

von Lennart Wilsch  12.08.2026