Finale

Der Rest der Welt

Niemand liebt Israel so sehr wie wir Diaspora-Juden. Leider werden unsere Gefühle von »echten« Israelis eher zurückhaltend erwidert. Ich zum Beispiel bekomme jedes Mal, wenn ich in der Konsularabteilung der israelischen Botschaft in Berlin vorstellig werde, einen Korb. Vor drei Jahren wurden mein Sohn, mein Mann und ich zusammen dort einbestellt – und dann unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt.

Der Konsul erklärte uns bedauernd, als Sprössling einer in Deutschland geborenen Israelin habe mein Sohn kein Anrecht auf die israelische Staatsbürgerschaft. Und das, nachdem ich mühevoll Apostillen auf unsere Heiratsurkunde und die Geburtsurkunde des Kleinen herangeschafft hatte. In mehreren Telefonaten hatte mich eine Sekretärin der Konsularabteilung aufgefordert, Beglaubigungen der Schriftstücke zu besorgen, damit mein Sohn

Bittsteller Doch als treue Galut-Seele habe ich nicht aufgegeben und den Kinderausweis beim Innenministerium in Israel ausstellen lassen. Ob mir der jüdische Staat dieses Engagement danken wird? Ich fürchte, nein. Wahrscheinlich werden sich noch meine Enkel mit der Konsularabteilung herumärgern. Mein letzter Besuch in der Bittsteller-Halle liegt erst einige Tage zurück. Ich wollte meinen abgelaufenen Pass verlängern. Doch genau in dem Moment, in dem ich den Saal betrat, stürzten die Computer ab. Drei Stunden war ich in dem festungsähnlichen Raum gefangen. Dann allerdings konnte ich die Botschaft mit einem neuen Reisedokument in der Hand wieder verlassen.

Nun bin ich gerüstet für die Neuwahl der Knesset am 22. Januar. Als Diasporajüdin scheue ich selbstverständlich keine Mühe, um meinen Bürgerpflichten in der einzigen Demokratie des Nahen Ostens nachzukommen. Ich würde mich auch nie darüber beschweren, dass El Al meinen Vormittagsflug am 21. Januar gestrichen hat und ich nun um 11 Uhr abends von Schönefeld abheben muss, um rechtzeitig an meine Wahlbenachrichtigung zu kommen. Nein, ich freue mich auf das mitternächtliche Hummus aus der Packung und bin dankbar, dass israelische Stewardessen heute darauf trainiert werden, nett zu lächeln – anstatt ihren Passagieren wie früher das Tablett an den Kopf zu hauen und zu erwarten, dass der Getroffene sich sofort entschuldigt.

Eingeborener Aber um ehrlich zu sein, die Israelis haben es mit den Diaspora-Juden auch nicht immer leicht. Einmal – ich lebte seit fünf Jahren als Studentin in Israel – suchte ich eine Bushaltestelle in Tel Aviv. Ein Eingeborener wollte mir helfen und fragte in abgehacktem Englisch mit hartem hebräischen Sound: »Where do you want to go?«

Sofort war ich auf 180. Jahrelang hatte ich mich an der Hebräischen Universität Jerusalem in die »Geschichte des Jüdischen Volkes« vertieft – und nun wurde ich immer noch als Touristin angesprochen? Wütend herrschte ich den Mann an: »Daber ivrit!« – »Sprich Hebräisch!« Der Israeli tippte sich an die Stirn und suchte das Weite. Wahrscheinlich erzählt er seinen Freunden bis heute, dass Eliezer Ben Yehuda ihm als Dibbuk erschienen ist – in Form einer Frau mit jeckischem Akzent!

New York

Hollywoodgrößen unterstützen literarischen Benefizabend für Kibbuz Be’eri

Künstler sollen bei diesem Event historische Briefe und Archivtexte vor, »von Julius Cesar bis Maimonides, von Winston Churchill bis Golda Meir«

 18.02.2026

Leipzig

Nach Ofarims Dschungel-Triumph: Influencer sammelt Spenden für Markus W.

Der Mann, den der Musiker 2021 fälschlicherweise des Antisemitismus beschuldigt hatte, bedankt sich und plädiert für Transparenz

 17.02.2026

Tom Shoval

»Es ist schwer, den Kreis zu schließen«

Im Rahmen der Berlinale wird die Doku »A Letter to David« gezeigt, dieses Mal als komplette Version. Ein Interview mit dem Regisseur

von Katrin Richter  17.02.2026

Interview

»Diese Initiative kann eine Brücke sein«

Der Dokumentarfilmer Yair Qedar über den Berliner Auftakt zum ersten »Aleph Festival« der hebräischen Sprache und Kultur

von Helmut Kuhn  17.02.2026

Dschungelcamp

Was macht Gil Ofarim mit seinem Geld vom RTL-Dschungelcamp?

Er erhält eine Antrittsgage für seine Teilnahme bei »Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!« - und 100.000 Euro für die Krönung zum Dschungelkönig obendrauf. Das hat der Musiker mit dem Geld geplant

von Anna Eube  16.02.2026

Karneval

Gegen Judenhass in de Bütt gestiegen - diesen Redner muss man lieben

Bei der Mainzer Fastnacht hält »Till« eine bemerkenswerte Rede über den wachsenden Antisemitismus in Deutschland. Eine Wohltat für den sonst so schrecklich unpolitischen Karneval

von Martin Krauß  16.02.2026

Weltraumtechnologie

Wo Sterne und Start-ups funkeln

In der Wüstenstadt Mitzpe Ramon im Süden Israels soll in den nächsten Jahren eine »Space City« samt Mars-Simulation entstehen

von Sabine Brandes  15.02.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  15.02.2026

NS-Zeit

Die gleichen Stationen eines viel zu frühen Todes

Auch sie führte Tagebuch: Margot Frank war die wenig bekannte Schwester von Anne Frank. Doch ihre Erinnerungen gingen verloren

 15.02.2026