Finale

Der Rest der Welt

Mehr als eine Vorspeise: der notorisch-beliebte und in Mayonnaise ertränkte »Salat Olivier« Foto: Getty Images/iStockphoto

Finale

Der Rest der Welt

Wenn »Salat Olivier« auf »Äppler« trifft

von Eugen El  08.07.2021 09:29 Uhr

Es wird mir nachgesagt, dass ich nicht gern koche, aber umso lieber esse. Und das stimmt! Auch wenn man es mir wahrscheinlich nicht ansieht. Essen ist für mich ein Kulturgut, vielleicht sogar der eigentliche Schlüssel zu einer jeden Kultur!

Aufgewachsen bin ich mit einer Mischung aus allgegenwärtig-sowjetischer und regional-belarussischer Küche. An Fest- und Geburtstagen gab es etwa die notorisch-beliebten, in Mayonnaise ertränkten Salate »Olivier« und »Schuba«, hierzulande als »Hering im Pelzmantel« bekannt.

vorspeise Auch wenn Salat eher nach Vorspeise klingen mag: Nach nur einer Portion dieser sehr sowjetischen und sehr sättigenden Kreationen möchten Sie – und können Sie wahrscheinlich auch – die Tischtafel gar nicht mehr verlassen. Den Gastgeber freut es!

Fragen Sie Menschen, die aus einer ehemaligen Sowjetrepublik kommen, Sie werden Ihnen von ihren »Olivier«- und »Schuba«-Erfahrungen berichten.

Fragen Sie Menschen, die aus einer ehemaligen Sowjetrepublik kommen, Sie werden Ihnen von ihren »Olivier«- und »Schuba«-Erfahrungen berichten. Essen verbindet eben. Sehr belarussisch unterdessen sind die »Draniki«, die man eher unzureichend als Kartoffelpuffer übersetzen könnte. Ob mit oder ohne Fleischfüllung – sie sind meine Leibspeise.

Überhaupt schwört die belarussische Küche auf allerlei Kartoffelgerichte, weshalb meine ehemaligen Landsleute hier und dort gehässig – oder doch liebevoll? – als »Bulbaschi« bezeichnet werden. »Bulba« steht im Belarussischen für Kartoffel. Man nennt die Belarussen also Kartoffelmenschen, was wiederum eine wunderbare Überleitung zu meinem nunmehr 24 Jahre währenden Leben in Deutschland sein könnte.

vorlieben Doch kulinarisch ist Deutschland nicht gleich Deutschland, und sogar in Hessen gibt es je nach Region sehr eigene Vorlieben, was Essen und Trinken angeht. In Frankfurt jedenfalls muss jeder Neuankömmling, der es mit der kulinarischen Integration ernst meint, einen Härtetest bestehen.

Vor allem die typische lokale Spezialität »Handkäs’ mit Musik« – Harzer Käse mit Zwiebeln, Kümmel, Essig und Öl – löst bei vielen Neu-Frankfurtern und Besuchern kräftige Skepsis aus. Auch das als »Äppler« bezeichnete Lokalgetränk Apfelwein bereitet manchen Zugezogenen Kopfschmerzen.

Doch wenn man einmal auf den Geschmack gekommen ist, will man nie mehr aus Frankfurt weg! Vom Kartoffelmenschen zum Apfelweingourmet: So ungefähr könnte ich also meine kulinarische Entwicklung der vergangenen Jahre beschreiben.

Giora Feidman

Ton der Seele

Der Klarinettist feierte seinen 90. Geburtstag in der Berliner Philharmonie – eine Doku auf ARTE würdigt sein Lebenswerk

von Maria Ossowski  27.03.2026

TV-Tipp

Arte-Doku über die Komponistin Meredith Monk

Arte zeigt einen Dokumentarfilm über die 1942 geborene New Yorker Komponistin, Choreografin und Regisseurin Meredith Monk. Mit ihren stilisiert naiven Bühnen- und Klangwelten hat sie ein besonderes Werk geschaffen

von Michael Kienzl  27.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

»Sowohlalsauch« oder Wenn das Lieblingscafé schließt

von Katrin Richter  27.03.2026

Schloßbergmuseum

Chemnitz zeigt Fotoausstellung über Mikwen

Ein Fotograf hat die Atmosphäre dieser meist unterirdisch gelegenen jüdischen Orte eingefangen

 26.03.2026

Charles Lewinsky

Melnitz, eine männliche Scheherazade

Der Schweizer Autor legt seinen Protagonisten auf die Couch und lässt ihn das 20. Jahrhundert erzählen

von Ellen Presser  26.03.2026

Dana von Suffrin

Wutgeburt

»Toxibaby« erzählt von einer toxischen deutsch-jüdischen Beziehung

von Katrin Diehl  26.03.2026

Shelly Kupferberg

Die Geschichte von Martha E. aus Schöneberg

In ihrem ersten Roman erzählt die Berliner Autorin von einer Nichtjüdin, die in der NS-Zeit zur stillen Heldin wurde

von Tobias Kühn  26.03.2026

Interview

»Man muss uns nicht gernhaben, aber man soll uns leben lassen«

Die Schoa-Überlebende Eva Erben und der TV-Moderator Günther Jauch sind seit Langem befreundet. Unser Reporter Michael Thaidigsmann hat Erben in Israel besucht und mit beiden gesprochen

von Michael Thaidigsmann  26.03.2026

Programm

Ferienprogramm, Retrospektive und ein Rache-Musical: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 26. März bis zum 2. April

 25.03.2026