Finale

Der Rest der Welt

Like me on Facebook Foto: Getty Images/iStockphoto

Finale

Der Rest der Welt

Sozial-mediales Resümee oder Russischer Reichtum

von Eugen El  24.12.2020 10:58 Uhr

Eigentlich müsste ich als reich gelten. Denn im Russischen gibt es ein Sprichwort, das besagt, man solle nicht 100 Rubel, sondern 100 Freunde haben. Auf Facebook habe ich inzwischen mehr als 1000 Freunde. Dabei kenne ich bei Weitem nicht alle persönlich. Denn so viel komme ich als schon von jeher im Homeoffice arbeitender Journalist nicht herum. Daher war 2020 in dieser Hinsicht nichts wirklich Neues für mich.

Taglit Angefangen aber hatte alles im Dezember 2007, als ich mich auf eine »Taglit«-Israelreise vorbereitete. Voraussetzung dafür war die Anmeldung in dem damals noch recht unbekannten sozialen Netzwerk. Ich bin also ein Facebook-Pionier! Die »Timeline« war damals wirklich noch sehr überschaubar. Erinnern Sie sich? 2007 waren die meisten noch auf StudiVZ oder diskutierten eifrig in Foren. Hach, die Nullerjahre!

Heute wiederum gilt Facebook als Netzwerk für ältere Semester. Wo ist aber die Jugend? Vielleicht auf TikTok, wo ich ganz sicher nicht zu finden bin.

Dafür aber auf Instagram! Das manchmal etwas despektierlich als »Fotoplattform« bezeichnete Netzwerk ist zum »place to be« für Mittdreißiger wie mich avanciert. Sämtliche Künstlerfreunde sind dorthin abgewandert. Auch ich versuche mich auf Instagram als Künstler und beglücke die knapp 600 Abonnenten mit meinen eigenartigen Porträtzeichnungen. Denn ich finde, nichts ist unattraktiver als unscharf abfotografierte Zeitungsartikel oder der ominöse »Link in Bio«. Oder haben Sie je diesen gut versteckten Link angeklickt? Ich bezweifle es.

Twitter Mehr Klickpotenzial gibt es dagegen auf Twitter. Dort präsentiere ich mich so seriös, als würde ich bei einem Jörg-Schönenborn-Lookalike-Contest mitmachen. An die großen Meister des Gezwitschers komme ich mit meinen 225 Followern aber nicht heran. Vielleicht sollte ich öfter wütende nächtliche Tweets in Großbuchstaben absetzen.

Aber auch dieser Trend ist, wie man munkelt, sehr bald vorbei. Noch seriöser trete ich nur noch auf LinkedIn auf. Denn dort scheinen alle auf ihre unmittelbar bevorstehende Entdeckung durch einen Headhunter zu warten. Und dafür wirft man sich schon mal in Schale!

Ansonsten aber empfiehlt sich LinkedIn als Facebook minus Katzenvideos und Polit-Agitation. Bald will ich dort die 400-Follower-Marke knacken. Spätestens dann bin ich wirklich superreich.

Programm

Vernissagen, Workshops und eine Zeitreise ins Berlin von »Babylon Berlin«: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 17. September bis zum 30. September

 16.09.2026

Gaza-Krieg

Der falsche Genozidvorwurf

Der US-Historiker Jeffrey Herf widerspricht seinem viel zitierten israelischen Kollegen Omer Bartov. Eine Klarstellung

von Jeffrey Herf  16.09.2026

Gegen Vorurteile

Über Tattoos, Sport und die Frage, was eigentlich koscher ist - Neuauflage eines Projekts zu jüdischem Leben

Vorne Fotos, hinten Erklärtexte und QR-Codes: Eine neue Box mit Material zu jüdischem Leben in Deutschland ist erschienen. Gedacht ist sie für Schule oder Erwachsenenbildung - und als Beitrag gegen Antisemitismus

von Leticia Witte  16.09.2026

New York

Jetzt äußert sich Ed Sheeran zum Macklemore-Aus

Wegen israelfeindlichen Aussagen wurde US-Rapper Macklemore von Sheerans Tour ausgeschlossen. Nun schildert der Popstar seine Sicht der Dinge

 16.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  16.09.2026

Kino

»David« - Familienfreundliches Musical nach Motiven aus der Bibel

Ein kleiner Junge besiegt einen furchteinflößenden Riesen mit der Steinschleuder. Die Geschichte von David und Goliath kennen auch viele, die sonst nicht so bibelfest sind. Und sie bietet viel Stoff für eine Verfilmung

von Martin Ostermann  15.09.2026

Israel

Wie Quentin Tarantino Israelis den Kinobesuch vermiest

Berichte über Quentin Tarantinos Kinobesuche gehen in Israel viral. Eine Frau hätte ihn beinahe angebrüllt

von Sophie Albers Ben Chamo  15.09.2026

Dearborn

Henry Fords antisemitische Vergangenheit in Ausstellung behandelt

Im nächsten Jahr öffnet Fair Lane, das frühere Anwesen von Henry Ford, wieder für Besucher. Die Einrichtung stellt sich nun einer Vergangenheit, die in der Region lange nur unzureichend thematisiert wurde

 15.09.2026

Tel Aviv

IDF-Chef prüft rechtliche Schritte gegen Film »Naza«

Generalstabschef Eyal Zamir bezeichnet bisher bekannt gewordene Teile der Doku als »Ritualmordlegenden, bewusste Verzerrungen der Realität und falsche Anschuldigungen gegen IDF-Soldaten«

 15.09.2026