Finale

Der Rest der Welt

Flirten zwischen Meisterwerken? Immer! Foto: imago stock&people

Erinnern Sie sich noch an das allererste Date mit Ihrem künftigen Partner oder Ihrer Partnerin? Bestimmt fand es in einem schmucken kleinen Café oder einem schicken Restaurant statt. Meine Vorstellung von Romantik ist da etwas anders. Der Ort unseres ersten Treffens war ein Kunstmuseum. Vor einigen Jahren war es meine Strategie, potenzielle Kandidaten dorthin einzuladen, um sie zu testen. Meine Art Tinder – sozusagen.

Meisterwerk Ich bin nun mal ein leidenschaftlicher Museumsgänger, was soll ich tun? Ich kann nichts daran ändern. Wer mich in eine Ausstellung begleitet, erlebt allerdings ein eigenartiges Verhalten: Vor Meisterwerken der abendländischen Malerei bleibe ich keine 20 Sekunden stehen, verschwurbelte zeitgenössische Kunstinstallationen aber können meine Aufmerksamkeit minutenlang fesseln.

Dabei war ich als Kind eigentlich kein Museumsbesucher. Ich zähle nicht zu den Leuten, die in der Petersburger Eremitage mehr oder weniger aufgewachsen sind. In meiner Heimatstadt Minsk gab es einfach keine nennenswerten Kunsthäuser.

Tel Aviv Meine Leidenschaft für Ausstellungen entdeckte ich erst als Jugendlicher, als meine Liebe zum Automobil abzukühlen begann. Seitdem sind sie ein festes Ziel in jeder Stadt, die ich besuche. Ob Frankfurt oder Berlin, Los Angeles oder San Francisco, Jerusalem oder Tel Aviv: Ich kann Ihnen genau sagen, welches Haus sich lohnt, wo Sie die besten Liebermanns und die schlechtesten Chagalls finden!

Außerdem beobachte ich gern das Aufsichtspersonal. Manche begreifen ihren Job als Gelegenheit zur Meditation. Einige wollen den Besuchern die Kunst erklären. Und wieder andere sind im Nahkampf ausgebildet.

Einmal zum Beispiel sah ich im Rijksmuseum in Amsterdam, wie eine Aufsicht mit roher Gewalt ein ahnungsloses Kind wegzerrte, das einem Rembrandt-Gemälde zu nahe kam. Und noch ein Tipp am Rande: In israelischen Museen können Sie Ihr Russisch aufpolieren. Sämtliche Aufsichtskräfte spre­chen dort die Sprache Dostojewskijs und Tolstojs.

Monologe Meine Leidenschaft ging sogar so weit, dass ich einige Jahre als Kassierer in einem kleinen Frankfurter Ausstellungshaus jobbte. In dieser Zeit habe ich einige interessante Monologe gehört. Denn etliche Besucher kamen einfach nur zum Reden vorbei. Ich musste ihnen zuhören, weil ich meinen Platz ja nicht verlassen durfte.

Wenn Sie sich also endlich aussprechen wollen oder das perfekte Date planen, dann wissen Sie jetzt, wo Sie hingehen sollten!

Hollywood

Zwei große Favoriten für die Oscars - und jede Menge Außenseiter

Zwei Filme, die originell zwischen allen Genres hin- und herspringen, führen das Oscar-Rennen an - und das mit einer neuen Rekordzahl von Nominierungen. Doch in der Nacht zum Montag könnte es auch Überraschungen geben

von Marius Nobach  12.03.2026

Berlin

Wirbel um Weimer: Regierung weist Rücktrittsforderung zurück

Erst gab es Debatten über Antisemitismus auf der Berlinale, jetzt über den Buchhandlungspreis: Die Bundesregierung stellt sich hinter ihren Kulturstaatsminister Wolfram Weimer

von Julia Kilian, Verena Schmitt-Roschmann, Sabrina Szameitat, Silke Sullivan  12.03.2026

Aufgegabelt

Kräuter-Hühnersuppe mit Hawaij

Rezepte und Leckeres

von Katrin Richter  12.03.2026

Der Rest der Welt

Der Rest der Welt

Eine Überdosis an Chatgruppen oder Was das Jüdische daran ist

von Nicole Dreyfus  12.03.2026

Tischtennis

Wer waren Marty Reisman und Alojzy Ehrlich?

Der Oscar-nominierte Film »Marty Supreme« knüpft an wahre Biografien an

von Martin Krauss  12.03.2026

Hollywood

Curtis zu Chalamets Opernspruch: Vermächtnis beschädigt

Oper und Ballett interessierten niemanden mehr: Mit solchen Äußerungen sorgt der Oscar-nominierte Timothée Chalamet weiter für Wirbel. Nun meldete sich auch Oscarpreisträgerin Jamie Lee Curtis zu Wort

 12.03.2026

Kolumne

Die Schließung des HIAS Wien ist das Ende einer Ära

Aus für einen Leuchtturm: Die Hebrew Immigrant Aid Society war die erste Anlaufstelle für sowjetische Juden, die in den Westen oder nach Israel auswandern wollten

von Eugen El  12.03.2026

Kinderfilm

Mit dem Aufzug ins Jahr 1938

»Das geheime Stockwerk« zeigt die Zeitreise eines Jungen als Detektivgeschichte. Ein gelungener und mehrfach ausgezeichneter Kinderfilm

von Gabriele Hermani  12.03.2026

Solingen

100 Porträts jüdischer Künstlerinnen im Zentrum für verfolgte Künste

Die Ausstellung erzählt von künstlerischen Lebenswegen zwischen Krieg, Verfolgung und Neubeginn, wie das Museum ankündigte

 11.03.2026