Kolumne

Der Rest der Welt

Nicht zu Unrecht gelten die Juden als eines der streitsüchtigsten Völker auf Erden. Oder kennen Sie irgendeine jüdische Gemeinde, in der es keine verfeindeten Rabbiner und sich bekriegende Vorstandsmitglieder gibt? Ich nicht.

Manche Gemeiden haben sogar zwei Antisemitismusbeauftragte, deren Anhänger sich gegenseitig die Fähigkeit absprechen, wirksam Antisemiten zu bekämpfen! Solche Geschichten fallen mir ein, wenn ich Reden über blühendes jüdisches Leben in Deutschland höre – oder das israelische Volkslied Lechajei Ha-Am HaZe. Zu Deutsch: »Trinken wir auf das Leben dieses Volkes, und es ist gut so, wie es ist!« Darüber könnte man streiten. Oder lieber gleich die Wodkaflasche öffnen und »Sto Gramm« kippen.

Schön ist es, Journalistin zu sein und das jüdische Leben zu preisen. Schwieriger ist es, im Alltag mit Juden zu leben, ohne dass die Begeisterung für unser Volk eine gewisse Realitätsüberprüfung erfährt. Lange hat mein Sohn den Kindergarten der Berliner Jüdischen Gemeinde besucht. Dann haben wir die Kita gewechselt. Dabei war gegen die Einrichtung nichts einzuwenden. Im Gegenteil. Mein Sohn wurde liebevoll betreut und hat neben guten Esssitten nicht zuletzt gelernt, wie man Schabbatkerzen zündet und den Segen über Wein und Brot spricht.

Kindergarten Nur hatte ich keine Lust mehr, wegen der Kita durch die halbe Stadt zu fahren und mich vor dem Eingang durch den Parcours der Geländewagen zu quälen. Aber mich störten auch noch andere Dinge. Zum Beispiel die riesigen Plakate von charismatischen Rabbinern, die seit einigen Monaten vermehrt in der Garderobe der Krippe auftauchten. Oder dass E-Mail-Adressen der Eltern auf mysteriöse Weise an Wahlbündnisse weitergeleitet wurden. Und ohne selbst streitsüchtig zu wirken (was ich natürlich nicht bin!): Mich nervte der in die Kita schwappende Gemeindestreit.

Nun treibt mich die Frage um: Wie kann ich das Rentenalter erreichen und Mitglied der Jüdischen Gemeinde bleiben, ohne mir ein Magengeschwür zuzuziehen? Neulich habe ich das Seniorenzentrum unserer Gemeinde besucht. Es war ein Kita-Déja-vu-Erlebnis. Ich sah die Polizei vor dem Eingang, das vergitterte Tor und dachte: »Juden – von der Wiege bis zum Altersheim! Kann das gesund sein?« Doch die Seniorinnen waren trotz des Gemeindestreits – der nun auch ihre Einrichtung erreicht hat – so lebenslustig, dass ich mir wehleidig vorkam. Taxifahrern, die sie sich für einen Ausflug bestellen, erzählen die alten Damen fröhlich, sie hätten »Freigang aus dem Knast«!

Wahrscheinlich sollte ich mir an solchen jüdischen Großmüttern ein Beispiel nehmen. Oder ich halte meinen Sohn bis zum Abitur von allen Institutionen der Jüdischen Gemeinde fern und steige selbst erst in Weißensee wieder ein.

Aber am Ende kommt dann irgendein Jude auf den Friedhof und verlangt, meine Gebeine müssten wieder ausgegraben werden, weil neben mir ein Weiser liegt, mit dessen geistiger Größe ich mich nicht messen könne. Alles schon passiert bei uns Juden! Mein einziger Trost: Ich werde es nicht mehr mitbekommen!

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post des Journalisten hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026

Berlin

Einsatz gegen Judenhass: Iris Berben erhält Deutschen Kulturpolitikpreis

Die Schauspielerin steht nicht nur vor der Kamera, sondern engagiert sich auch ehrenamtlich. Der Deutsche Kulturrat würdigt diese Leistung mit einem Preis. Igor Levit ist Laudator

 07.08.2026

Rapper Pashanim während eines Konzertes auf der Bühne

Hiphop

Rapper Pashanim: »Free Palestine« als Verkaufsschlager

Auf seinem neuen Album »Lounge Musik« rappt der Berliner Musiker Pashanim wiederholt über den Israel-Palästina-Konflikt – Kokettieren mit dem palästinensischen Terrorismus inklusive

von Lennart Wilsch  07.08.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  06.08.2026

London

Schwinden die Chancen auf einen jüdischen James Bond?

Seit Jahren wird darüber spekuliert, wer der neue 007 wird. Wenn es nach Produzentin Amy Pascal geht, fällt die Entscheidung bald. Stehen die Chancen für Aaron Taylor-Johnson weiterhin gut?

 06.08.2026

Kulturkolumne

Abschied von einer Gerechten

Laura Cazés erinnert an die Journalistin Marija (Mia) Latković

von Laura Cazés  06.08.2026

Theater

Abschied vom Ich

Jossi Wieler bringt Peter Handkes Stück »Schnee von gestern, Schnee von morgen« bei den Salzburger Festspielen zur Uraufführung

von Nicole Golombek  06.08.2026

Zahl der Woche

4 Etagen

Fun Facts und Wissenswertes

 05.08.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 6. August bis zum 13. August

 05.08.2026