Finale

Der Rest der Welt

Es muss nicht immer Nasi Goreng sein. Foto: Getty Images / istock

Finale

Der Rest der Welt

Nasi Goreng in New York oder Wer ist schuld am Coronavirus?

von Ayala Goldmann  19.03.2020 16:44 Uhr

Das Jahr 1942, New York, im China-Restaurant: Ein Jude bestellt Nasi Goreng. Er wirft dem Kellner seinen vollen Teller ins Gesicht und schreit: »Für euren Angriff auf Pearl Harbour!«

Der Chinese ist außer sich: »Das waren die Japaner!« »Chinesen, Japaner, ihr seht doch alle gleich aus!«, ruft der Jude. Der Kellner wischt sich den Reis aus den Augen. Dann knallt er seinem Gast eine volle Teetasse an den Kopf. »Für die Titanic!«, ruft er. Der Jude wütet: »Was kann ich dafür? Das war ein Eisberg!« »Eisberg, Goldberg, Grünberg … Wo ist der Unterschied?«, fragt der Kellner.

verschwörungstheorien Man könnte den beiden zugutehalten, dass in schweren Zeiten Verschwörungstheorien blühen. Leben wir schon in schweren Zeiten? Anfang März wurden japanische Fußballfans beim Spiel von RB Leipzig gegen Bayer Leverkusen des Stadions verwiesen, weil man sie für Chinesen hielt.

Japanische Fußballfans wurden beim Spiel von RB Leipzig gegen Bayer Leverkusen des Stadions verwiesen, weil man sie für Chinesen hielt.

Der Taxifahrer, mit dem ich neulich unterwegs war, war noch besser informiert. »Hinter Corona steckt Benjamin Netanjahu«, behauptete er. »Der ist schlau. Jetzt ist sein Prozess abgesagt. Die Zionisten haben das Virus im Labor entwickelt und nach Japan eingeschleust. Und dann verkaufen sie ihren Impfstoff teuer an die ganze Welt ...«

»Und was haben die Japaner damit zu tun?«, unterbrach ich ihn. »Japaner, Chinesen, die sehen doch alle gleich aus«, sagte der Taxifahrer. Meinen Einwand, dass die israelische Börse zurzeit starke Einbrüche verzeichnet, ließ er nicht gelten. »Das haben die Rothschilds mit eingerechnet«, behauptete er.

Ich vermute, er kennt Rabbiner Rothschild nicht, bei dem ich an Purim einen (wohl auf absehbare Zeit letzten) fröhlichen Abend in Gesellschaft verbracht habe. Sonst wüsste der Taxifahrer, dass nicht jeder Rothschild steinreich ist. Aber Rabbiner sehen für ihn wohl auch alle gleich aus.

Ayatollah Manche Geistliche, von denen ich es nicht erwartet hätte, werden übrigens in Zeiten von Corona sehr vernünftig. Der iranische Großayatollah Naser Makarem Shirazi sagte laut einem Zeitungsbericht, falls die Israelis ein Serum gegen Corona entwickelten, hätte er nichts dagegen, wenn der Iran es kaufen würde.

Zwar sei es prinzipiell verboten, mit Zionisten Geschäfte zu machen. »Wenn aber die Behandlung einzigartig ist und es keine Alternative dazu gibt, dann ist das kein Hindernis«, befand der Geistliche. Ich finde, die israelische Regierung sollte sofort ein Telegramm nach Teheran schicken. Serum gegen Frieden!

Manche Geistliche, von denen ich es nicht erwartet hätte, werden in Zeiten von Corona sehr vernünftig.

Albert Camus Unterdessen habe ich letzte Woche ein Buch ergattert, das fast so alt ist wie der Witz mit dem Eisberg. Zurzeit nicht lieferbar, sagte meine Buchhändlerin. Trotzdem kam ich an Die Pest von Albert Camus, und das ganz ohne Hilfe zionistischer Strippenzieher: Ein Exemplar war noch zum D-Mark-Preis gelistet.

Seitdem erzähle ich jedem, der es hören will oder auch nicht, dass das Coronavirus nicht wie ein Pestbakterium aussieht. Aber der Taxifahrer sagte nur: »Wer hat die Brunnen vergiftet? Die Rothschilds!« Oder die Grünbergs. Wer sonst?

Punk

»Gefilte Fuck« und andere Provokationen

Ein neuer Sammelband beleuchtet jüdische Identitäten, Antisemitismus und den Kampf dagegen in der Szene

von Pascal Beck  19.10.2026

Elfriede Jelinek

Virtuose Sprachkomponistin

Eine Würdigung der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin zu ihrem 80. Geburtstag

von Christa Gürtler  19.10.2026

New York

Mike Tyson droht Supreme wegen verschwundener Israel-Flagge auf Hoodie

Bei dem Streit geht es um ein Hoodie, das neben dem Boxer mehrere Nationalflaggen zeigt. Plötzlich war nicht mehr die des jüdischen Staates darunter, sondern die Palästina-Fahne

 19.10.2026

Rezension

Wie wurden wir, was wir wurden?

Der Judaist Peter Schäfer erzählt in seinem neuen Buch die Geschichte des aschkenasischen Judentums – faktengesättigt, klar gegliedert und mit einer provokanten These zu Mutterland und Diaspora

von Michael Wolffsohn  18.10.2026

Aufgegabelt

Salat mit gerösteten grünen Bohnen

Rezept der Woche

von Yotam Ottolenghi  18.10.2026

Ausstellung

Hinweise auf Hamas-Symbol - Museum Friedland verschiebt Schau

Bundespräsident Steinmeier war schon angekündigt, um die erweiterte Ausstellung des Museums Friedland bei Göttingen neu zu eröffnen. Nun verschiebt sich der Termin. Hintergrund ist ein antisemitisches Symbol

 18.10.2026

Großbritannien

Wegen Unterstützung von Palestine Action: Britischer Verlag nimmt Sally Rooneys Bücher vom Markt

Die irische Bestsellerautorin ist für ihre Unterstützung der in Großbritannien als Terrorgruppe eingestuften Organisation bekannt. Sie sei bereit, die Konsequenzen zu tragen, sagt Rooney

 16.10.2026

Wolf Biermann

»Israel ist mir näher als alle übrigen Länder dieser Welt«

Der Liedermacher wird 90 Jahre alt. Ein Gespräch über den Krieg gegen Unterdrückung, seine Eltern, den 7. Oktober und über neuen Faschismus

von Tobias Kühn  16.10.2026

Boca Raton (Florida)

Billy Joel kann derzeit weder Auto fahren noch auftreten

Der jüdische Sänger, Pianist und Komponist leidet unter einer Gehirnerkrankung

 16.10.2026