Finale

Der Rest der Welt

Hipster-Club oder Jeschiwe-Bocher? Foto: Thinkstock

Fröstelnd ziehe ich meine Jacke fest um mich. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen. Es riecht nach Kanal und nach Müll. Neben mir blubbert es munter aus einigen offenen Abflussrohren. Das bräunliche Wasser treibt Apfelreste und Coladosen vor sich her. In der Ferne heulen Polizeisirenen. Sie kommen näher. Wurde hier um die Ecke gerade jemand abgemurkst? Würde mich nicht wundern.

Hoffentlich kommt der Typ bald wie verabredet und macht mir die Tür auf, sonst bin ich vielleicht als nächstes Opfer dran! Welche Tür und welcher Typ?

Ach ja, ich vergaß zu erwähnen, dass ich mich als Location-Scout betätige – für Emmas Batmizwa! Diese ehemalige Disco habe ich zu einem sensationellen Mietpreis im Internet gefunden. Bemerkenswerterweise hat der Laden in den vergangenen sieben Jahren dreimal Pleite gemacht. Und jetzt weiß ich auch, warum.

Teenager Huch! Ich zucke zusammen. Es raschelt hinter mir. Ratten? Ach nein, nur der Wind, der einige Mülltüten vor sich her treibt. Ich kam mir total edgy und cool vor, als ich diese preiswerte Location im Hafengebiet Antwerpens aufgetan hatte.Disco mit Sound-System, DJ inklusive, Getränke zu einem demokratischen Preis.Und jetzt steh ich da, und niemand öffnet mir die Tür. Sämtliche Ratten der Nachbarschaft kugeln sich wahrscheinlich gerade vor Lachen über mich.

Ah, na endlich! Ein unrasierter Teenager mit einem Schlüsselbund schiebt sich von links in die Bildfläche. »Tach«, nuschelt er und öffnet die quietschende Holztür. Staubige Dunkelheit schlägt mir entgegen. Hier müsste dringend mal gelüftet werden.

Dann geht das Licht an. Wow, der Laden sieht fantastisch aus. Echter Holzboden, rote Backsteinwände, schwarze Ledersitze: Genau sowas habe ich gesucht! Der Besitzer ist inzwischen auf einem der Ledersessel in sich zusammengesunken und beäugt mich trübe aus rotgeränderten Augen. Ich frage nach einem Mietvertrag, nach Versicherung, Mehrwertsteuer, und wo ich unterschreiben muss.

Cash Der Teenager starrt mich verschreckt an, blinzelt einige Male und sagt dann irgendwas von »Bloß nix Schriftliches« und »Cash auf die Hand«, was mich wiederum dazu bringt, irritiert zu blinzeln. Tja, willkommen am unteren Ende der Nahrungskette!

Ich habe also die Wahl zwischen A: dieser einmalig riskanten, aber billigen und schmierigen Schwarzgeld-Operation für Emmas Batmizwa-Party, und meine Family redet nie wieder ein Wort mit mir!

Oder B: dem erschwinglichen Chabad-Saal, inklusive einem Jeschiwe-Bocher, der am Keyboard vor sich hin nudelt. Die kleinen Buchsbäumchen, die sich durch die Saalmitte ziehen, um die Mädels von den Jungs zu trennen, gibt’s gratis dazu, und Emma bringt mich um!

Oder C: Ich mache gar keine Party, und Emma bringt mich um!
Wie es weitergeht mit diesem Batmizwa-Party-Krimi, und ob ich den Abend in den Antwerpener Slums überlebt habe, erfahren Sie in einigen Wochen an dieser Stelle.

Fernsehen

»Du bist ein kranker Lügner«

Ariel attackiert Gil Ofarim und Mirja muss raus: So war die zehnte Folge des Dschungelcamps

von Martin Krauß  01.02.2026

"Dschungelcamp"

Gil Ofarim: »Auch ich will ’ne Antwort - vom deutschen Justizsystem«

Musiker Gil Ofarim steht wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit

von Britta Schultejans  01.02.2026

Musik

»Ich werde alles geben«

Noam Bettan, Israeli mit französischen Wurzeln, vertritt sein Land beim Eurovision Song Contest in Wien

von Sabine Brandes  01.02.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Veränderung oder Die Welt von gestern ist nicht mehr

von Nicole Dreyfus  01.02.2026

TV

Was der Dschungel mit den Primaries zu tun hat

»Ich habe halt seeehr wenig Follower«, sagt Nicole Belstler-Boettcher als sie das Camp verlassen muss. Das Dschungelcamp serviert uns in ungewöhnlichem Rahmen einiges zur Demokratietheorie

von Martin Krauß  01.02.2026

Kino

»EPiC: Elvis Presley In Concert« feiert Kinostart

Laut Regisseur Baz Luhrmann ist das Werk weder eine reine Dokumentation noch ein klassisches Konzertfilm-Format, sondern ein tiefgründiges Porträt des 1977 verstorbenen jüdischen Stars. Die Kritiker sind beeindruckt

 31.01.2026

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  31.01.2026

Aufgegabelt

Früchtebrot

Rezepte und Leckeres

 31.01.2026

Rezension

Israel lieben und an Israel zweifeln

Sarah Levys Buch »Kein anderes Land« ist ein persönliches Zeitdokument – von Sommer 2023 bis zum 7. Oktober und dem Gaza-Krieg

von Eugen El  31.01.2026