Finale

Der Rest der Welt

Alle paar Wochen verlassen wir den Antwerpener Wahnsinn für einen Sonntag und besuchen unsere Normalo-Freunde in Brüssel. Das muss sein, sonst lande ich irgendwann noch in der glatt koscheren Klapsmühle: Außerdem hatte ich die geniale Idee, unsere Purim-Schlachmones schon eine Woche früher an den Mann zu bringen. Und so ist das Auto bis unters Dach vollgestopft mit schillernden Zellophantütchen mit Bonbons, Keksen und Gummibärchen, strategisch verteilt auf mich und die drei Kinder auf dem Rücksitz.

Wir sitzen also gemütlich im Auto, zuckeln über den sechsspurigen Brüsseler Boulevard General Jacques und halten schließlich an einer roten Ampel. Als jedoch das Licht auf Grün wechselt, weigert sich unser Auto anzuspringen. Im ersten Gang ertönt nur ein leises Fiepsen, und im zweiten Gang beginnt die Kiste zu röhren wie ein liebeskrankes Hirschrudel. »Tu doch was!«, kreische ich in Richtung meines Mannes. Hinter uns hupen bereits Kolonnen von wütenden Autofahrern: Mit dem letzten bisschen Saft bugsiert Alain den Wagen in eine Parklücke.

Appetit Stehenden Fußes rufen wir den ADAC an, der uns verspricht, in einer Stunde jemanden vorbeizuschicken. Nach einer halben Stunde bekommen wir Hunger und beschließen, ein Schlachmones-Tütchen zu öffnen. Nach einer Stunde bekomme ich wahnsinnigen Appetit auf ein paar Rugelach und beginne, mittels einer Haarnadel vorsichtig ein paar Tütchen zu öffnen, um die kleinen Teile herauszufischen. Sind ja ohnehin viel zu voll. Nach zwei Stunden hat sich das Tütenregiment auf ein paar schlaffe Zellophanrekruten dezimiert. Und als der gelbe ADAC-Wagen endlich um die Ecke biegt, ist uns allen speiübel, und ich bedauere, kein Rizinusöl eingepackt zu haben.

Der ADAC-Fuzzi sieht sich die trüben Überreste unserer ehemaligen Gangschaltung an und fragt lakonisch, ob mein Mann denn Madame (das bin ich) oft ans Steuer lasse. »Ich fahre so gut wie nie«, sage ich eisig – Klammer auf, mein Mann lässt mich nicht, Klammer zu.

getriebe Ob Monsieur dann ganz alleine das Getriebe bis auf die Grundfesten niedergebrannt habe, fragt der Mechaniker. Und fängt schallend an zu lachen: »Wo haben Sie denn Autofahren gelernt?« »Auf dem Parkplatz von Aldi. Wieso?«, fragt Alain. Wir beide starren ihn verdattert an. Denn erst jetzt, nach 14 gemeinsamen Ehejahren, stellt sich heraus, dass mein Mann eigentlich nur einen Automatik-Führerschein hat und seit ebenso vielen Jahren das Getriebe unseres getreuen fahrbaren Untersatzes systematisch ruiniert.

So kommt es, dass ich nach ebenso vielen Jahren endlich mal ans Steuer der Karre darf und mit stolzgeschwellter Brust unsere diesjährige Schlachmones-Runde absolviere. Zwar habe ich bereits den Kotflügel eingedellt, und der Lack weist schon ein paar Kratzer auf, aber das Getriebe wird es mir danken.

Exklusiv-Interview

Götz Aly: »Anders als Hitler ist die AfD nicht kriegslüstern«

Der Historiker und Bestsellerautor über die Radikalisierung des NS-Regimes, Vergleiche zwischen dem Ende der Weimarer Republik mit der heutigen Zeit und die Sinnhaftigkeit eines AfD-Verbots

von Michael Thaidigsmann  25.08.2026

ESC

Moroccanoil steigt als Hauptsponsor aus

Die israelische Kosmetikmarke hat ihr Sponsoring des Musikwettbewerbs nach sechs Jahren beendet.

von Nicole Dreyfus  25.08.2026

Dresden

Ausstellung würdigt jüdische Sportlerinnen und Sportlern

Deutsch-jüdische Sportlerpersönlichkeiten stehen im Mittelpunkt einer Präsentation. Anlässlich des Jahres der jüdischen Kultur wird sie in Dresden gezeigt

 25.08.2026

Orlando (Florida)

Harrison Ford wird erneut zu Indiana Jones

Diesmal wird der jüdische Darsteller kein Abenteuer auf der Leinwand erleben. Aber worum geht es dann?

 25.08.2026

Schweiz

Das sind die beliebtesten Vornamen für neugeborene Jungen und Mädchen

Eine neue Rangliste des Bundesamts für Statistik gibt Aufschluss

von Nicole Dreyfus  25.08.2026 Aktualisiert

TV-Kritik

»Phoenix« - herausragender Film über eine Holocaust-Überlebende

Christian Petzolds grandiose Parabel auf Deutschland im »Jahre Null«

von Felicitas Kleiner  24.08.2026

Ausstellung

Ein Buchladen als säkulares Bethaus

Rachel Salamander schuf in München einen Ort, an dem jüdische Literatur, Erinnerung und Gegenwart aufeinandertreffen – sie bewahrt ihn in roten Ordnern und auf klapprigen Kassetten

von Katrin Diehl  24.08.2026

Neu

Neue Synagoge Berlin zeigt neue Ausstellungen

Der Blick auf Jüdinnen und Juden und ihre Darstellung wird oft von Vorurteilen begleitet. Eine Ausstellung im Berliner Centrum Judaicum macht dies jetzt zum Thema

 24.08.2026

Berlin

Ruth Moschner positioniert sich gegen die AfD

Die Moderatorin mit jüdischem Hintergrund schreibt, sie persönlich würde von der Politik der Partei profitieren. Dennoch warnt sie vor der selbsternannten Alternative

 24.08.2026