Finale

Der Rest der Welt

Kein anderes Land dieser Welt polarisiert mit seinem Wahlkampf so sehr wie die Vereinigten Staaten. Das liegt zum einen daran, dass es jedes Mal wahnsinnig unterhaltsam ist – denn wenn die Amis eins können, dann ist es Entertainment – zum anderen aber auch an der Tatsache, dass die gesamte Weltordnung am Ende des Tages von der richtigen oder falschen Entscheidung der US-Bürger abhängig ist.

So spaltet sich die Menschheit in unzählige Lager: Trump-Anhänger, Clinton-Fans, Rubio-Unterstützer, Weltmacht-Theoretiker, Obama-Kritiker – das Meinungsspielfeld ist so weitläufig wie die Weizenfelder Iowas.

Merkel Nicht so für die Großmutter meiner Freundin. Für sie lässt sich Politik, ob nach innen oder außen gerichtet, ob Gesundheitswesen oder Waffenlieferungen, ob aus Merkels, Putins oder Hollandes Feder, in genau zwei Kategorien einteilen: Ist sie gut für die Juden oder schlecht für die Juden?

Als ich vor wenigen Tagen zu Besuch bei den Großeltern besagter Freundin war, wollten sie – die Fernsehlautstärke der 18-Uhr-Nachrichten im Anschlag – von uns wissen: »Wer ist dieser Rubio?«. »Das ist ein Kandidat der Republikaner, Oma«, entgegnete ihre Enkelin. Mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen ahnungslos und ängstlich schwankte, hakte sie nach, ob er »gut für die Juden oder schlecht für die Juden« sei.

Ellis Island Als stünde sie kurz vor der Überfahrt nach Ellis Island und wäre von seiner Sympathie für osteuropäische Matriarchinnen abhängig. Niemand von uns konnte ihr wirklich antworten, da wir uns bis dato noch nicht mit dem Antisemitismuspotenzial und der Nahost-Expertise Rubios beschäftigten. Viel wichtiger war für uns die Frage, ob es Trump tatsächlich wagen würde, eine Mauer entlang der mexikanischen Grenze zu ziehen.

Historisch bedingt, ist es wohl nachvollziehbar, dass Juden gerne Politik, Showbusiness, den örtlichen Gemüseladen, Fußballvereine, Designer und Automobilhersteller in »gut für die Juden oder schlecht für die Juden« einteilen. Zu oft hing es am Ende, kurz vor zwölf, genau von dieser Einschätzung ab. Doch macht man sich das Leben einfacher, wenn man keine Grauzonen, sondern nur schwarz oder weiß kennt?

Yes, he can? Ich meine, Obama hat, was seine Israel-Politik angeht, aus jüdischer Sicht auf ganzer Linie versagt. Jedoch schmiss er jedes Jahr einen gigantischen Sederabend für seine jüdischen Mitarbeiter. Was jetzt? Yes, he can? Yes he can’t?
»Gut für die Juden, schlecht für die Juden« – ich kenne das natürlich in abgeschwächter Form von zu Hause.

Wenn meine Mutter schrie: »Seid leise! Israel ist in den Nachrichten«, und mein Bruder und ich tatsächlich für fünf Minuten aufhörten, uns die Köpfe einzuschlagen. Für uns fand der eigentliche Nahostkonflikt an der imaginären Pufferzone zwischen meinem und seinem Zimmer statt. Ich habe übrigens nachgeschaut: Rubio findet Obamas Israelpolitik auch beschissen. Also, gut für die Juden!

Giora Feidman

Ton der Seele

Der Klarinettist feierte seinen 90. Geburtstag in der Berliner Philharmonie – eine Doku auf ARTE würdigt sein Lebenswerk

von Maria Ossowski  27.03.2026

TV-Tipp

Arte-Doku über die Komponistin Meredith Monk

Arte zeigt einen Dokumentarfilm über die 1942 geborene New Yorker Komponistin, Choreografin und Regisseurin Meredith Monk. Mit ihren stilisiert naiven Bühnen- und Klangwelten hat sie ein besonderes Werk geschaffen

von Michael Kienzl  27.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

»Sowohlalsauch« oder Wenn das Lieblingscafé schließt

von Katrin Richter  27.03.2026

Schloßbergmuseum

Chemnitz zeigt Fotoausstellung über Mikwen

Ein Fotograf hat die Atmosphäre dieser meist unterirdisch gelegenen jüdischen Orte eingefangen

 26.03.2026

Charles Lewinsky

Melnitz, eine männliche Scheherazade

Der Schweizer Autor legt seinen Protagonisten auf die Couch und lässt ihn das 20. Jahrhundert erzählen

von Ellen Presser  26.03.2026

Dana von Suffrin

Wutgeburt

»Toxibaby« erzählt von einer toxischen deutsch-jüdischen Beziehung

von Katrin Diehl  26.03.2026

Shelly Kupferberg

Die Geschichte von Martha E. aus Schöneberg

In ihrem ersten Roman erzählt die Berliner Autorin von einer Nichtjüdin, die in der NS-Zeit zur stillen Heldin wurde

von Tobias Kühn  26.03.2026

Interview

»Man muss uns nicht gernhaben, aber man soll uns leben lassen«

Die Schoa-Überlebende Eva Erben und der TV-Moderator Günther Jauch sind seit Langem befreundet. Unser Reporter Michael Thaidigsmann hat Erben in Israel besucht und mit beiden gesprochen

von Michael Thaidigsmann  26.03.2026

Programm

Ferienprogramm, Retrospektive und ein Rache-Musical: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 26. März bis zum 2. April

 25.03.2026