Finale

Der Rest der Welt

Wenn das jüdische Antwerpen einen Slogan hätte, dann wäre das: »Don’t be a Frayer!« Nach diesem Motto lebt, atmet und arbeitet das ganze Tscholent-Viertel. Lassen Sie es mich Ihnen erklären: Ein »Frayer«, das ist ein irgendwie bedauernswerter, gutgläubiger, total obrigkeitshöriger Trottel. Jemand, der sich stets an die Regeln hält und trotzdem, oder gerade deswegen, von allen übers Ohr gehauen wird.

Tscholent In der englischen Sprache entspricht dem das schöne Wort »Sucker«. Und im Gebiet von 2018 Antwerpen haben die Frayers dieser Welt nichts verloren. Um sich nicht als hinzugezogener »Frayer« zu outen, sollten Neu-Antwerpener, zum Beispiel beim Shoppen auf der Tscholent-Einkaufsmeile, dringend einige Regeln befolgen.

Hier ein Leitfaden für Ihre gelungene Integration:

1. Sie werden bemerken, dass die meisten koscheren Geschäfte in Antwerpen keinen Namen und auch kein Ladenschild haben. Wozu auch? Nur ein totaler Frayer würde sich diese Mühe machen. Ob Sie vor einer Fleischerei oder vor einem Bäcker stehen, sagt Ihnen schließlich ein kurzer Blick durchs Fenster.

2. Wenn Sie den koscheren Supermarkt betreten, tauchen Sie bloß nicht mit einem Shopper oder einem dieser peinlichen Öko-Weidengeflecht-Shoppingkörbchen auf. Es gibt doch hier Plastiktüten – gratis in Hülle und Fülle! Die schmeißen Sie zu Hause einfach weg und bekommen beim nächsten Einkauf neue. Umweltbewusstsein, Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit? Also bitte! Das ist nur was für Frayer.

3. Sparen Sie sich beim Betreten eines Geschäfts unnötige Frayer-Floskeln wie »Bitte«, »Danke« oder »Guten Tag, wie geht’s?«. Alle anderen tun das schließlich auch. Sagen Sie einfach kurz und knapp, was Sie wollen, Cash auf die Theke. Der Nächste bitte.

4. Sollte Ihnen beim Betreten eines Geschäfts ein Schutzwall aus ineinander verkeilten Buggys und Zwillingskinderwagen den Weg versperren, schieben Sie die Wagen samt brüllenden Insassen einfach sanft auseinander und bahnen sich so den Weg. Falls Sie feststecken, können Sie gerne mit Rufen oder Winken auf sich aufmerksam machen. Sie werden verstehen, dass nur ein Frayer den beschwerlichen Weg durchs Geschäft mit Wagen und dazugehörigem Kleinkind auf sich nehmen würde. Und die Geschäftsleitung wäre ja wohl ein totaler Frayer, wenn sie kostbaren Verkaufsraum von Waren freischaufeln würde, um den Kunden einen Buggy-Parkplatz zu bieten.

5. Beim Verlassen des koscheren Supermarktes werden Sie sich wahrscheinlich den Weg hinaus durch ein Labyrinth von stehen gelassenen oder kaputten Einkaufswagen bahnen müssen. Ihren eigenen Einkaufswagen können Sie, dem Beispiel folgend, einfach irgendwo mitten im Weg parken. Zurückstellen? Nur was für Frayer.

Sie sehen, es ist gar nicht so schwierig, kein Frayer zu sein! Überhaupt, dieser Slogan »Don’t be a Frayer!« klingt so gut. Schon bald werde ich ihn patentieren, ihn dann auf T-Shirts, Sticker und Mousepads drucken lassen und ganz groß vermarkten. Bis dahin halte ich diese geniale Idee natürlich streng geheim – ich bin doch kein Frayer!

Aufgegabelt

Schkedei Marak

Rezepte und Leckeres

von Katrin Richter  18.01.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Meine Rache am System oder Wie ich an »weißes Gold« komme

von Ralf Balke  18.01.2026

Wissenschaft

Zellen gegen die Zeit

Israelische Forscher entdecken, wie unser Immunsystem den Alterungsprozess bremsen kann

von Sabine Brandes  18.01.2026

Sachbuch

Ein sehr deutsches Leben

Mit der Biografie über seinen Großvater erzählt Andreas Möller von einem Leben zwischen Mitläufertum und Aufbegehren

von Ralf Balke  18.01.2026

Fernsehen

Dschungelcamp 2026: Gil Ofarim soll Rekord-Gage kassieren

Der 43-jährige Sänger bekommt laut »Schlager.de« für seine Teilnahme an der in Australien gedrehten Show mehr Geld als je ein Teilnehmer zuvor

 17.01.2026

Eurovision Song Contest

Hape Kerkeling für Israels Teilnahme

Der Buchautor sagte in einem Podcast: »Das gehört einfach nicht auf die ESC-Tagesordnung, darüber zu sprechen.«

 17.01.2026

Fußball

Makkabäer-Ehrenpreis für den »Freundeskreis Hersh Goldberg-Polin«

Die Fangruppe wird für ihre Haltung, Zivilcourage und ihr klares Werteverständnis gegen Antisemitismus geehrt

 16.01.2026

ESC 2026

Brugger und Schöneberger moderieren ESC-Vorentscheid mit neun Acts

Die ARD verspricht für den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) eine breite musikalische Palette. Das TV-Publikum kann am Ende der Show am 28. Februar zwischen drei Acts auswählen

 16.01.2026

Dessau-Roßlau

Buch zur jüdischen Geschichte Anhalts vorgestellt

Ein neues Buch informiert über jüdische Orte in Anhalt und soll zum Besuch anregen

 16.01.2026