Finale

Der Rest der Welt

Was für eine Meldung: 57 Prozent der amerikanischen Juden essen regelmäßig Schweinefleisch! Diese Info habe ich einer Studie des Pew Institute über die amerikanisch-jüdische Diaspora entnommen – und mich darüber mit einem Freund unterhalten. »Echt, nur 57 Prozent?«, fragte der: »Ich dachte, es wären 80 Prozent!«

Offenbar geht mein Freund davon aus, dass sich amerikanische Juden in ihren Essgewohnheiten nicht von deutschen oder russischen Juden unterscheiden – also von Leuten, die nicht auf Currywurst, Kotleti oder Lyoner verzichten wollen.

Ich verzichte auch nicht gerne. Allerdings esse ich mein Lyonerbrötchen erst nach Sonnenuntergang – als Zeichen der Solidarität mit syrischen Flüchtlingen. Wieso? Neulich hat ein TV-Moderator im RBB berichtet, was ihm ein Politiker zugetragen hatte: In dessen Heimatstadt wurde ein Willkommensfest für Flüchtlinge veranstaltet.

Halal-Büffet
Für die Syrer gab es ein Halal-Buffet, für Einheimische einen Tisch, der unter anderem mit Lyonerwurst bestückt war. Zunächst lief alles wie geplant: Die Flüchtlinge bedienten sich brav bei den Halal-Speisen, die Einheimischen frönten ihren Essgewohnheiten.

Doch nach Sonnenuntergang wechselten zahlreiche Syrer die Seite und erklärten offenherzig: »Jetzt ist es dunkel. Allah sieht uns nicht. Dürfen wir auch mal von eurer leckeren Wurst probieren?« Ist das nicht wunderbar? Juden und Muslime haben viel mehr gemeinsam, als man denkt!

Mich beruhigt das ungemein. Im Sommer, als die große Flüchtlingswelle begann, hatte ich nämlich einen Schreckmoment: Auf den Listen für Lebensmittel- und Kleiderspenden, die freiwillige Helfer im Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales sammelten, waren nicht nur Kopftücher und Gebetsteppiche, sondern auch »Halal-Mineralwasser aus islamischen Läden« aufgeführt.

Gerne wollte ich Kinderkleidung, aber auf keinen Fall ein Kopftuch oder einen Teppich spenden. Außerdem fragte ich mich: Wie kann Wasser überhaupt »halal« sein? Schließlich gibt es auch kein koscheres Trinkwasser – abgesehen von Leitungswasser, das in Israel für »kascher le-Pessach« erklärt wird, also für brotkrümelfrei. Na gut, es gibt Rabbiner, die ein Koschersiegel für Mineralwasser erfunden haben. Dabei könnte es aber, vermute ich, nicht nur um die Flaschen gehen, sondern auch um den Geldbeutel der Rabbis.

Imame Was mich auf eine einleuchtende Erklärung für das »Halal-Wasser« brachte: Das haben bestimmt Imame oder muslimische Supermarktbesitzer erfunden, die mit dem Mehrwert ihr Gehalt aufbessern! Warum sollten denn Flüchtlinge, die in der sengenden Sommerhitze in Berlin-Moabit stundenlang auf ihre Abfertigung warten mussten, gezielt nach islamischem Mineralwasser verlangen?

Ich bin sicher, die Leute haben ganz andere Sorgen. Vielleicht lade ich demnächst mal ein paar Syrer zu einem halal-koscheren Buffet ein. Aber nur nach Sonnenuntergang.

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