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»Der Meister und Margarita«

Woland (August Diehl) lädt zum Fest. Foto: capelight pictures

Michail Bulgakows Roman Der Meister und Margarita, geschrieben in den 30er-Jahren, wurde erst Mitte der 60er-Jahre publiziert und erlangte in der Sowjetunion augenblicklich Kultstatus. Die facettenreiche Form des Romans, der Satire, fantastisch-spirituelle Elemente, Philosophie-Traktat und politischen Kommentar miteinander verbindet, lässt vielerlei, auch widersprüchliche Interpretationen zu.

Die neueste Verfilmung stammt aus dem Jahr 2021. Der 1981 geborene Regisseur Michael Lockshin mit russisch-jüdisch-amerikanischen Vorfahren war nach Drehschluss in die USA zurückgekehrt. Von dort aus äußerte er sich lautstark gegen den Überfall Russlands auf die Ukraine. In Russland konnte der Film unter Anfeindungen erst im Januar 2024 ins Kino kommen – und entpuppte sich als Publikumshit.

Wie der Roman spielt auch der Film im Moskau der 30er-Jahre: Das Theaterstück des »Meisters« (Evgeniy Tsyganov) über Pontius Pilatus wurde gerade abgesetzt, er selbst wird aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen, begegnet aber Margarita (Yuliya Snigir), die ihn als Geliebte und Muse zur Arbeit an einem Roman anstiftet, in dem er einen Teufel namens Woland (August Diehl) samt Entourage in Moskau sein Unwesen treiben lässt. Oder ist Letzteres die eigentliche Realität?

Opportunismus, Korruption und Feigheit der Intellektuellen

Und den eloquenten Herrn Woland, der eines Tages am Ufer des Patriarchenteichs auftaucht und dem kläglichen Vorsitzenden des Schriftstellerverbands MASSOLIT seine baldige Enthauptung vorhersagt, weil »Annuschka das Öl schon verschüttet hat« – gibt es ihn wirklich? Mit teuflischer Häme und bösen Tricks führen er und seine Gefolgschaft, darunter ein sprechender Kater namens Behemoth, den Opportunismus, die Korruption und vor allem die Feigheit der Intellektuellen dieser Zeit vor Augen.

Der Film wechselt die Zeitebenen – eine davon zeigt den Meister in einer Irrenanstalt, eine andere den von Claes Bang gespielten Pontius Pilatus – und berührt Themen wie Zensur, die Natur von Gut und Böse, die Macht der Liebe und der Kunst. Wie schon im Roman ist das alles ein bisschen viel. Und wie es dem Roman entspricht, entzieht sich auch Lockshins Adaption den einfachen Erklärungen. Auch das passt in unsere Zeit.

Der Film läuft am 1. Mai in den Kinos an.

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