Hören!

David Broza

Der israelische Sänger David Broza Foto: Flash 90

Seit dem 7. Oktober vergeht kein Tag, an dem David Broza nicht seine Hymne der Hoffnung singt, »Jihieh Tow«, alles wird gut werden. Einer der berühmtesten Singer-Songwriter spielt vor Überlebenden und Soldaten, vor Evakuierten und ihren Helfern, vor Kindern und Erwachsenen, in Hotellobbys und auf Kibbuzwiesen, auf Armee-Stützpunkten oder auch im Flugzeug.

Seine raue, warme Stimme, die irgendwo zwischen Bob Dylan und Bruce Springsteen ihre eigene Geschichte erzählt, bringt die Menschen zusammen, erinnert an ein anderes Israel und lässt, wenigstens für kurze Zeit, den Horror und die Angst vergessen.

Seit fünf Jahrzehnten singt David Broza für den so bitter nötigen Frieden in seinem Land. Und wenn mal wieder der Krieg kommt, singt er umso lauter. Gerade hat der 68-Jährige bis zu sechs Auftritte pro Tag. Auch in der Diaspora kann man ihm zuhören. In kleinen Videoclips auf Social Media, die ihn mal auf großen Bühnen und mal auf einem Stein sitzend vor einem Checkpoint zeigen.

Die Soldatinnen, die das Tor bewachen, konnten sein kleines Konzert nicht hören, also ist er danach einfach zu ihnen gekommen. Und als eine der beiden sagt, dass sie ein bisschen singen könne, stimmen sie ein Duett an. Wer den kurzen Clip gesehen hat, ist von Osher Benisos Stimme wohl genauso überwältigt wie Broza selbst. Kurzzeitig war die 19-jährige Soldatin ein kleiner Social-Media-Star. Viel wichtiger aber ist ihr entspanntes Lächeln in diesem Augenblick des Friedens mitten im Krieg.

»Wir leben im Notfallmodus, das haben wir schon so oft. Aber diesmal ist es anders. Es ist eine Katastrophe«, sagt Broza im »Israel Story«-Podcast »Wartime Diaries«. »Tausende Menschen sind traumatisiert, und um die muss das Land sich jetzt kümmern.« »Ich warte nicht, dass mich jemand anruft, ich rufe alle an und sage, dass ich komme«, so der Sänger. »Ich spiele vor jedem, der kommt, egal wo und wie viele.«

Es gehe darum, die Gedanken woanders hinzulenken. »Du tankst Energie, und die Endorphine fließen. Es ist das Gegenteil von all dem Negativen und der Depression, woraus der Großteil des Tages gerade besteht.«
Und Broza singt: »Wir werden noch lernen zusammenzuleben/zwischen den Olivenhainen/Kinder werden ohne Angst sein/ohne Grenzen, ohne Luftschutzbunker/auf Gräbern wird Gras wachsen/für Frieden und Liebe/einhundert Jahre Krieg/aber wir haben die Hoffnung nicht verloren«. Denn »Jihieh Tow«, natürlich werde alles gut, keine Frage, sagt Broza, »was machen wir sonst hier?!«

Broza ist in Israel, Spanien und England aufgewachsen. Während des Militärdienstes unterzeichnete er seinen ersten Plattenvertrag. 1977 schrieben er und Yehonatan Geffen den Hit »Jihieh Tow«. Broza teilte auch schon mit Bob Dylan, Paul Simon und Van Morrison die Bühne.

Prag

Spätes Debüt

Der Schriftsteller Eli Beneš gilt als bekannteste literarische Stimme der Juden in Tschechien. Sein Roman über einen Schoa-Überlebenden machte ihn zum preisgekrönten Autor. Eine Begegnung

von Kilian Kirchgeßner  08.10.2026

Literatur

»Es gibt zwei Seiten«

Zur Frankfurter Buchmesse ruft die israelische Autorin Orna Landau gegen den Boykott von Büchern auf: »Entscheidet euch für Wissen«

von Ayala Goldmann  08.10.2026

Literatur

Geistige Freiheit

Tschechien ist Ehrengast der Buchmesse. Unser Autor erinnert an die Zeit nach dem Prager Frühling, als Bücher in seiner Heimat als »Samisdat« im Untergrund erschienen

von Jan Faktor  08.10.2026

Nahost

Die Geschichte eines Krieges

Shahrzad Eden Osterer und Richard C. Schneider analysieren den Konflikt zwischen Israel und Iran – und die Rolle der involvierten Proxy-Armeen

von Eva M. Grünewald  08.10.2026

7. Oktober

Maxim Biller und die Barbaren

In »Schwarze Samstage« kämpft der Schriftsteller mit den Folgen des Massakers in Israel – und zieht eine harte Linie zwischen Juden und »Gojim«

von Tobias Kühn  07.10.2026

TV-Tipp

»Phoenix« - herausragender Film über eine Holocaust-Überlebende

Christian Petzolds grandiose Parabel auf Deutschland im »Jahre Null«

von Felicitas Kleiner  07.10.2026

Programm

Musikalische Crossovers, Kontroverse, Krimi und Krav Maga: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 8. Oktober bis zum 14. Oktober

 07.10.2026

Deutscher Buchpreis

Hermeskeil ist stolz auf Shida Bazyar

Die Auszeichnung würdigt den Roman einer Autorin aus dem Hunsrück. Das gibt der Stadt neuen Anlass, sich mit den verdrängten Kapiteln seiner Geschichte auseinanderzusetzen.

von Ira Schaible, Sandra Trauner  07.10.2026

TV-Tipp

Zwischen Terror und Trauma

Eine Reportage von Jan Philipp Burgard auf WELT TV zeigt Israel und seine Menschen drei Jahre nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023

von Detlef David Kauschke  07.10.2026