Fernsehen

Bullen, Gangster, Juden

Dominik Graf (l.) mit den Hauptdarstellern Max Riemelt und Marie Bäumer bei Dreharbeiten auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee Foto: arte

Marek Gorsky ist Berliner Polizist. Und Jude. Was in amerikanischen Krimis eine Selbstverständlichkeit ist, kommt im deutschen TV einer kleinen Sensation gleich. Nur dass Dominik Graf in der Serie »Im Angesicht des Verbrechens« keine daraus macht. Gorsky ist ein normaler Bulle, das Judentum gehört zu seinem Leben, definiert es aber nicht – genauso wie auf der Gegenseite die jüdischen Angehörigen der Russenmafia in erster Linie Kriminelle sind. Im Krieg zwischen Gangstern und Gesetz spielt die Herkunft keine Rolle.

Kampfszenen aus diesem Krieg zeigt die zehnteilige Serie, die ab dem 27. April jeweils dienstags und samstags abends auf arte läuft. (Im Herbst wird sie dann in der ARD ausgestrahlt.) Gorsky jagt mit seinen Kollegen einen führenden Berliner Russen-Mafioso. Ein Job, der dadurch zusätzlich kompliziert wird, dass der Ermittler persönlich involviert ist. Sein Schwager gehört selbst zum Umfeld der organisierten Kriminalität, so wie einst Gorskys Bruder Grischa, der vor zehn Jahren auf offener Straße erschossen wurde.

nüchtern Auf Gangsterromantik à la Der Pate verzichtet die Serie ebenso wie auf putzige Mätzchen in »Tatort«-Manier. Dominik Graf zeigt das Milieu des Mädchenhandels und Zigarettenschmuggels, der Raubüberfälle und Korruption als gewöhnlichen Teil des Alltags der Hauptstadt, jenseits der »be Berlin«-Imagekampagnen. Gewalt ist hier allgegenwärtig, nicht nur, wenn gelegentlich geschossen oder geprügelt wird, sondern vor allem in den genau gezeichneten Alltagssituationen. Gerade aus dieser schnörkellosen Nüchternheit gewinnt die Serie ihre Durchschlagskraft. »Im Angesicht des Verbrechens« ist keine leichte Krimikost, sondern »hardboiled« in bester amerikanischer und französischer Thrillertradition. Die Geschichten gehen unter die Haut. Nach jeder der zweimal 50 Minuten lang ausgestrahlten Doppelfolgen braucht der Zuschauer Zeit, sich seelisch zu erholen – das Zeichen eines wirklich gelungenen Thrillers. »Eine Serie, wie man sie noch nie in der ARD gesehen hat«, sagt deren Marketingdirektor. Der Mann hat leider recht.

»Im Angesicht des Verbrechens«. Ab 27. April jeweils Dienstag und Samstag um 22 Uhr auf arte

Philologie

Mehr als Dolmetscher

Jüdische Übersetzer haben nicht nur zwischen den Sprachen vermittelt, sondern dabei auch eigene Denkformen geprägt

von Katharina Hillmann  27.10.2026

Bucerius Kunst Forum

Verstreute Meisterwerke

Eine Ausstellung in Hamburg vereint rund 100 Gemälde, Grafiken und Skulpturen aus 15 jüdischen Sammlungen und erinnert an den Kunstraub der Nationalsozialisten

von Edgar S. Hasse  27.10.2026

Kino

Wiener Blut

Ulrike Ottinger lädt in der Horrorkomödie »Die Blutgräfin« zum morbiden Vampirvergnügen und schwelgt in opulenten Bildern. Isabelle Huppert geht perfekt gestylt auf Beutezug

von Anna Maria Pahlke und Sophie Albers Ben Chamo  27.10.2026

Jerusalem

Cohen interpretiert Cohen

Der israelische Jazz-Musiker Avishai Cohen hat sich für sein neues Album ein Buch des legendären Singer-Songwriters Leonard Cohen vorgenommen

von Imanuel Marcus  27.10.2026

Nachruf

»Star Trek«-Star Walter Koenig ist tot

Seine Rolle als Pavel Chekov hatte eine humoristische Funktion. Der Charakter sollte jüngere Zuschauer ansprechen

 27.10.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Rote Bänke, erschöpfte Katzen – ein Nachmittag in Amsterdam

von Margalit Edelstein  26.10.2026

Düsseldorf

50 Jahre Kiss in Deutschland: Doro Pesch feiert ihre Helden

Wegen Kiss fing Doro Pesch mit der Musik an. Später wurde der jüdische Bassist, Sänger und Bandleader Gene Simmons ihr Mentor. Seither ist ein halbes Jahrhundert vergangen

von Philip Dethlefs  26.10.2026

Entgleisung

Kein Skandal ist der Skandal

Milo Rau macht aus Wagners »Fliegendem Holländer« an der Deutschen Oper Berlin eine groteske Abrechnung mit Israel – und erntet dafür kaum einen Buh­ruf

von Maria Ossowski  26.10.2026

Brüssel/Gütersloh

Lucky Luke wird in Jubiläums-Comic zum Heiligen

Ein Cowboy kann nach acht Jahrzehnten noch viel erleben. Zwischen Saloon und Prärie warten in dem lange von einem jüdischen Texter dominierten Comic häufig Gegenwartsthemen

von Shireen Broszies  26.10.2026