Berlin

Briefe nach dem Holocaust: Yad Vashem präsentiert Sammelband

Das Buch »Nach so viel Schmerz und Pein - Erste Briefe nach dem Holocaust« wird bei einer Pressekonferenz gezeigt. Foto: picture alliance/dpa

Mehr als 80 Jahre nach Ende des Holocaust erscheint eine Sammlung von Briefen von jüdischen Überlebenden aus der unmittelbaren Nachkriegszeit erstmals auf Deutsch. Die internationale Gedenkstätte Yad Vashem präsentiert den Band »Nach so viel Schmerz und Pein - Erste Briefe nach dem Holocaust« zusammen mit dem Freundeskreis Yad Vashem, der Alfred Landecker Foundation und dem Herder-Verlag.

Überlebende berichten in den Briefen vom Grauen der Konzentrationslager, von der Ermordung ihrer Angehörigen, von Trauer, Identitätssuche und Heimatverlust. »Es ist ein Dokument von unvergleichlicher Authentizität«, sagte Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) am Rande der Vorstellung in Berlin. »Es sind Briefe, die man kaum lesen kann, ohne dass einem wirklich die Tränen kommen.«

Wider das »Gift des Antisemitismus«

Das Buch bündelt auf 352 Seiten Briefe aus den Originalsprachen Russisch, Deutsch, Französisch, Ungarisch, Hebräisch, Jiddisch, Slowakisch, Niederländisch und Polnisch und ordnet sie in biografische, geografische und zeithistorische Zusammenhänge ein. Prien sagte, ein solches Buch sei auch besonders geeignet für den Geschichtsunterricht in einer Zeit, in der Holocaust-Leugnung und die Verzerrung von Fakten zunehme.

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Antisemitismus in Deutschland habe in einem noch vor wenigen Jahren unvorstellbaren Maße zugenommen, sagte die Ministerin, die selbst jüdische Wurzeln hat. »Es scheint so zu sein, als ob das Gift des Antisemitismus, das immer da war, eben auch jetzt wieder fröhliche Urständ feiert. Und das ist eine sehr erschreckende Entwicklung.«

Die Gedenkstätte Yad Vashem hatte das Buch 2016 erstmals auf Englisch veröffentlicht. Viele der enthaltenen Briefe wurden jedoch im Original auf Deutsch verfasst. Gerade jetzt sei es besonders wichtig, eine deutsche Öffentlichkeit zu erreichen, sagte der Vorsitzende des Freundeskreises Yad Vashem, der frühere »Bild«-Chefredakteur Kai Diekmann, der dpa. Es mache ihn fassungslos, wenn er den thüringischen AfD-Vorsitzenden Björn Höcke von einer »Vergangenheitsbewirtschaftung« reden höre.

»Verteufelung des Zionismus«

Einen Zivilisationsbruch wie die Ermordung von sechs Millionen Juden im deutschen Namen habe es in der ganzen Menschheitsgeschichte nicht gegeben. Man müsse alles tun »um zu erkennen: Wie hat es angefangen? Wie hat die Ausgrenzung stattgefunden? Und wohin hat uns das, was damals begonnen worden ist, geführt?«

Auch angesichts der »Verteufelung des Zionismus« müsse man daran erinnern, dass »Israel der einzige Ort war, an den die Holocaust-Überlebenden seinerzeit reisen konnten, um ein neues Leben zu beginnen«, sagte Diekmann. dpa

Berlin

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