Gerhard Richter

Birkenau-Zyklus erhält dauerhafte Bleibe in Oswiecim

Gerhard Richters »Birkenau-Zyklus« Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Der Birkenau-Zyklus des Künstlers Gerhard Richter erhält in Oswiecim (Polen) einen dauerhaften Ausstellungsort. Dort sei mit dem Bau eines Ausstellungshauses begonnen worden, teilte das Internationale Auschwitz Komitee am Freitag in Berlin mit. Die Ausstellung werde ab dem kommenden Jahr für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Der 91-jährige Künstler hatte dem Auschwitz-Komitee 2021 eine autorisierte Kopie des Werks übereignet.

Durch eine Spende der Volkswagen AG sei der Bau des Gebäudes nach Richters eigenen Plänen ermöglicht worden, hieß es. Das Gebäude auf dem Gelände der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oswiecim unweit des ehemaligen NS-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau soll noch in diesem Jahr fertig werden.

»gesamtkunstwerk« Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass Richter selbst den Entwurf für das Gebäude übernommen habe, sei in dessen Oeuvre einmalig. Die Entwicklung eines solchen »Gesamtkunstwerkes« gebe es ausgesprochen selten.

Dass dieses Gesamtensemble nun seinen Platz an dem Ort seiner Vorgeschichte finde, nur wenige Kilometer von den Krematorien und Aschefeldern Birkenaus entfernt, sei für Überlebende von Auschwitz-Birkenau »ein dauerhaftes und machtvolles Signal gegen das Vergessen und ein Zeichen des Mitgefühls und der Solidarität«, das der Künstler ihnen und ihren ermordeten Familien entgegenbringe, betonte Heubner.

Der Zyklus »Birkenau« gilt als eine der bedeutendsten Werkgruppen des in Köln ansässigen Künstlers.

Der Zyklus »Birkenau« gilt als eine der bedeutendsten Werkgruppen des in Köln ansässigen Künstlers. Ausgehend von Fotografien, die im Jahre 1944 im Vernichtungslager Birkenau heimlich aufgenommen wurden, hat er im Jahr 2014 deren Motive als Vorlage übernommen, sie in mehreren Arbeitsgängen immer wieder übermalt und verändert. Die vier Gemälde sind in den Farben Schwarz, Grau, Rot und Grün gehalten und mit einem für den Künstler typischen Rakel bearbeitet. Anschließend wurden von den monumentalen Gemälden gleich große Fotografien angefertigt und hinter Acrylglas versiegelt.

originalfotografien Die vier Originalfotografien wurden nach Angaben des Komitees 1944 unter Lebensgefahr von Häftlingen des Sonderkommandos nahe Gaskammer und Krematorium Nummer 5 im Lager Birkenau gemacht. Sie gelten als die einzigen fotografischen Dokumente des Holocaust, in denen die Ermordung und Verbrennung jüdischer Menschen in Auschwitz festgehalten ist. Publiziert wurden sie erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Diejenigen, die die Aufnahmen damals machten und aus dem Lager schmuggelten, kamen im KZ ums Leben.

Reproduktionen der vier Fotografien werden ebenso zum Ausstellungsensemble gehören, wie auch der vierteilige graue Spiegel, der seit 2014 an verschiedenen Orten der Welt mit den Birkenau-Bildern gezeigt worden sei.

Gerhard Richter erklärte 2021 aus Anlass der Schenkung, für ihn sei die dauerhafte Ausstellung in Oswiecim »eine Auszeichnung, ein Trost und auch das Gefühl einer erledigten Aufgabe«. Es gebe noch viele andere Orte dieses Grauens, aber Auschwitz sei als Name zum Symbol für sie alle geworden und müsse daran erinnern.

Der Original-Zyklus wird seit Jahren in unterschiedlichen Museen ausgestellt, zuletzt etwa in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf. Bislang existieren vier vom Künstler autorisierte Editionen, eine davon war 2021 im Reichstag zu sehen. epd

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