Fotografie

Biermann, Herlich, Reich

»Bend It like Beckham« Foto: Rafael Herlich

Fotografie

Biermann, Herlich, Reich

Das Museum in der Berliner Kulturbrauerei zeigt »Schalom. 3 Fotografen«

von Ralf Balke  06.06.2017 13:04 Uhr

Jude in Deutschland zu sein, ist nicht normal. Oder vielleicht doch? Dieser Frage gehen die drei Fotografen Holger Biermann, Rafael Herlich und Benyamin Reich mit ihren Arbeiten nach, die derzeit im Museum in der Kulturbrauerei im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg zu sehen sind. Ihre Fotos, entstanden zwischen 2000 und 2015, zeigen schlaglichtartig aus ganz unterschiedlichen Perspektiven intime Momente in Alltagssituationen oder des religiösen Lebens

Manches davon mag kurios erscheinen, wie etwa das Foto von Biermann, das orthodoxe Juden zeigt, die anlässlich eines Spiels zwischen Borussia Dortmund und Bayern München in Berlin wohl eher zufällig in eine Gruppe Fußballfans geraten sind. Und anders, als man denken mag, geht von dieser Situation so gar nichts Bedrohliches aus.

Miteinander Auch Herlich betont das Selbstverständliche im Miteinander. Auf einem seiner Bilder sind ein Vater und sein Sohn zu sehen, beide mit Kippa, wie sie Hand in Hand in einer Fußgängerzone unterwegs sind. Alles wirkt harmonisch und ins Umfeld eingebunden. Doch die Ausstellungsmacher von Schalom. 3 Fotografen sehen Deutschland wollen den Besuchern keine »Friede, Freude, Eierkuchen«-Idylle vorgaukeln.

Deshalb finden sich zwischen den Bildern zahlreiche Statements, die immer wieder auf das Problematische einer jüdischen Existenz hierzulande hinweisen. So wie jenes der Religionslehrerin Tamara Guggenheim: »Muslime mit Kopftuch gehören zum normalen Stadtbild. Warum kann die Kippa nicht genauso dazugehören?« Herlich selbst macht das mit einem Foto deutlich, das antisemitische Schmierereien vor der Baumweg-Synagoge in Frankfurt zeigt.

Liebespaar Auch Reich verweist auf das Persönliche im deutsch-jüdischen Umgang, das heute überall zu beobachten ist. Geradezu symbolisch sein Foto von einem jungen deutsch-israelischen Liebespaar irgendwo in einem Park. Was den Fotografen ebenfalls gut gelungen ist, sind die zahlreichen Aufnahmen von orthodoxen Juden in eher untypischen Situationen, so wie das Bild eines Kantors beim Fußballspielen.

Kurzum – Juden sind keine Einhörner oder sonstige exotische Wesen. Nur bei dem etwas beliebig klingenden Titel der Ausstellung, die von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet wird, hätte man sich mehr Kreativität gewünscht.

»Schalom. 3 Fotografen sehen Deutschland«. Museum in der Kulturbrauerei, Knaackstraße 97, 10435 Berlin. Eintritt frei. Noch bis zum 3. September

Kino

Film über einen kreativen Geist

»Biermann« ist ein dokumentarisches Porträt des Liedermachers Wolf Biermann, der auch 50 Jahre nach seiner Ausbürgerung aus der DDR noch immer künstlerisch aktiv ist. Allerdings hat der Film auch Leerstellen

von Reinhard Kleber  22.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  22.10.2026

Berlin

Igor Levit spricht über eigenes Label

Der Starpianist will andere Künstler unterstützen

 22.10.2026

Bildung

»Wir müssen investieren«

Der Präsident der Bar-Ilan-Universität, Arie Zaban, über Wissenschaft in politischen Krisenzeiten und deutsch-israelische Zusammenarbeit

von Gabriele Hermani  22.10.2026

Glosse

Beim »Spiegel« kann man jetzt mit der Nazi-Kartei chatten

Das Hamburger Nachrichtenmagazin hat nachgelegt: Nun gibt es einen Chatbot, mit dessen Hilfe der Leser mit der NSDAP-Mitgliederkartei interagieren kann. Dafür verdient der »Spiegel« Lob, Grimme-Preis und Dank, findet unser Autor

von Michael Thaidigsmann  21.10.2026

Programm

BALAGAN, KUKURÍKU und Jazzy Diaspora: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 22. Oktober bis zum 28. Oktober

 21.10.2026

Mirjam Zadoff

Leiterin verlässt NS-Dokuzentrum München

Die Innsbruckerin geht zum 1. März 2027 ans Haus der Geschichte Österreich in Wien

 21.10.2026

Funfacts & Wissenswertes

10 Jahre

Zahl der Woche

 20.10.2026

Punk

»Gefilte Fuck« und andere Provokationen

Ein neuer Sammelband beleuchtet jüdische Identitäten, Antisemitismus und den Kampf dagegen in der Szene

von Pascal Beck  19.10.2026