Eurovision Song Contest

Bereit für großes Spektakel

Vorfreude in Tel Aviv: Plakate mit israelischen ESC-Gewinnern am Dizengoff Center Foto: Flash 90

Als Partymetropole ist Tel Aviv schon lange ebenso bekannt wie beliebt. Jetzt will Tel Aviv neben Traumwetter, langen Stränden, guter Mittelmeerküche und wildem Nachtleben auch als ESC-Gastgeber glänzen. »Dare to Dream« (zu träumen wagen) lautet nicht umsonst das Motto des Eurovision Song Contest 2019.

»Die Eurovision ist eine Gelegenheit für eine unglaubliche weltweite Präsentation«, sagte Bürgermeister Ron Chuldai im Vorfeld. Alle seien so aufgeregt, »wie wenn man ein Baby erwartet«.

Auch internationale Stars wie Madonna und Gal Gadot sollen in diesem Jahr auftreten.

RAKETEN Überschattet wird die Party jedoch vom Dauerbeschuss durch radikale Palästinenser aus dem Gazastreifen. Mehr als 700 Raketen feuerten terroristische Palästinenser am Wochenende auf israelische Ortschaften, vier Israelis wurden getötet. Bei israelischen Gegenangriffen kamen seit Samstag mehr als 20 Palästinenser ums Leben. Die Hoffnung ist nun, dass eine Waffenruhe beider Seiten Bestand hat, auch mit Blick auf die bevorstehende ESC-Woche.

Der Wettbewerb wird vom 14. bis 18. Mai in der Veranstaltungshalle Expo im Norden Tel Avivs ausgetragen. Israel ist schon zum dritten Mal ESC-Gastgeber, erstmals findet der Wettbewerb aber in Tel Aviv und nicht in Jerusalem statt. Die Popsängerin Netta Barzilai hatte 2018 in Portugal gesiegt und damit den Wettbewerb in ihr Land gebracht. Auch internationale Stars wie Madonna und Gal Gadot sollen in diesem Jahr auftreten.

Künstler aus 41 Ländern singen diesmal beim ESC um die Wette. Zu den Favoriten zählen der niederländische Sänger Duncan Laurence (»Arcade«) und der Russe Sergey Lazarev (»Scream«), der es mit Platz drei beim ESC 2016 in Stockholm schon einmal auf das Siegertreppchen geschafft hat. Das deutsche Duo S!sters, das mit seinem Song »Sister« für mehr Solidarität unter Frauen werben will, wird dagegen bei Wetten eher im unteren Mittelfeld gesehen. Dies gilt auch für den israelischen Kandidaten Kobi Marimi (»Home«).

DEUTSCHLAND Kandidatin Carlotta Truman aus Hannover tritt mit der 26-jährigen Laurita Spinelli aus Wiesbaden an. Das Duo singt erst am 18. Mai, weil Deutschland als einer der großen Geldgeber der Eurovision automatisch für das Finale gesetzt ist.

Im Vorfeld der Eurovision in Tel Aviv gab es Boykottaufrufe der antisemitischen BDS-Bewegung.

Mit ihren 19 Jahren gehört die blonde Truman zu den jüngsten Teilnehmern des Wettbewerbs. Noch gut einen Monat jünger ist der französische Kandidat Bilal Hassani. Der schwule Sänger, Sohn marokkanischer Eltern, musste sich nach seiner Qualifizierung gegen rassistische und homophobe Angriffe wehren.

Im Vorfeld der Eurovision in Tel Aviv gab es auch Boykottaufrufe der antisemitischen BDS-Bewegung. Dutzende Kulturschaffende wie Roger Waters hatten sich im vergangenen Jahr gegen die Ausrichtung des ESC in Israel ausgesprochen.

UNTERSTÜTZUNG Im April drückten dann aber mehr als 100 Künstler, darunter Marina Abramovic, Stephen Fry und Sharon Osbourne, ihre Unterstützung des Events in Tel Aviv aus. »Wir sind der Überzeugung, dass verbindende Veranstaltungen wie Gesangswettbewerbe ein wichtiger Faktor in der Überbrückung kultureller Differenzen sind und Menschen verschiedenster Herkunft aufgrund ihrer Liebe zur Musik zueinander finden lassen«, hieß es in ihrer gemeinsamen Erklärung.

Der Wettbewerb ist zwar betont unpolitisch. Während der Proben lud das isländische Team den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu jedoch zu einem traditionellen Ringkampf ein – um politische Meinungsverschiedenheiten auszutragen.

Zur Sicherung der Veranstaltungen in Tel Aviv setzt Israel rund 8000 zusätzliche Polizisten ein.

Der Ausbau des Veranstaltungszentrums Expo hat rund zwei Millionen Euro gekostet. Tel Aviv bietet parallel zum ESC an verschiedenen Orten Veranstaltungen an. In einem ESC-Dorf am Meer wird es etwa Shows israelischer Künstler geben. Auch frühere ESC-Gewinnerin werden auftreten, darunter der österreichische Künstler Tom Neuwirth, bekannt als Conchita Wurst, und die Israelin Dana International. Dort werden auch die Halbfinalshows sowie das Finale auf Leinwänden übertragen.

MUSEEN Im Hafen von Tel Aviv im Norden der Stadt steigen Partys im »Euro Club«. Zudem findet das Tel Aviv Eat Festival mit zahlreichen, verschiedenen Gerichten statt und die Tel Aviv White Night, bei der sich stets Kleinkünstler präsentieren und Museen für besondere Shows abends länger öffnen.

Zur Sicherung der Veranstaltungen in Tel Aviv setzt Israel rund 8000 zusätzliche Polizisten ein, wie Sprecher Micky Rosenfeld erklärt. »Tausende Polizisten werden kommen und wir sind bereit, jeglichen Vorfall in Tel Aviv zu verhindern.« Die Polizisten sollten unter anderem am Strand patrouillieren. »Es gibt keine konkrete Warnung, aber wir kennen die Dynamik in dieser Region, und wissen, dass Dinge sich schnell entwickeln können.«

Debatte

»Sie war mehr als froh, als alles zu Ende war«: Berlinale-Kreise: Tuttle überfordert und resigniert

Wie geht es nach Debatten um die Berlinale weiter? Eine Krisensitzung bringt nach Angaben des Kulturstaatsministers keine Entscheidung - zumindest vorerst

 26.02.2026

Thüringen

Jüdisch-israelische Kulturtage fordern Verantwortung ein

16 Musiker und andere Vertreter der Kultur aus Israel sind dieses Mal dabei

 26.02.2026

Interview

»Lachen statt verzweifeln«

Ein Gespräch mit der Meme-Künstlerin ruth__lol über jüdischen Humor, die komische Seite des Antisemitismus und eine Leerstelle in den sozialen Medien

von Joshua Schultheis  26.02.2026

Reaktionen

»Plattform für antisemitische Hetze«: Das sagen Künstler und Politiker zur geplanten Tuttle-Absetzung

Wolfram Weimer will die Berlinale-Chefin nach dem jüngsten Antisemitismus-Skandal absetzen. Das sorgt – so wie die Rede von Abdallah Alkhatib – für kontroverse Diskussionen. Ein Überblick

 26.02.2026

Berlinale

Tom Shoval unterstützt Tricia Tuttle

Der israelische Regisseur schreibt in einem Instagram Post Tuttle sei »eine Person von beispielloser Integrität.«

von Katrin Richter  26.02.2026

Programm

Berliner Rebellin, Kafkas Schwester und ein junger Detektiv: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 26. Februar bis zum 4. März

 26.02.2026

Aufgegabelt

Tomato tonnato mit Kapern

Rezepte und Leckeres

von Alice Zaslavsky  25.02.2026

Rezension

Erfolg und Versagen

Konstantin Richter beschreibt deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1871 – und das Schicksal des jüdischen Bankiers Hermann Wallich

von Maria Ossowski  25.02.2026

Debatte

Streit um die Deutungshoheit

Die harten Auseinandersetzungen um die Studie des Historikers Grzegorz Rossoliński-Liebe über die Rolle polnischer Bürgermeister in der Schoa sind ein Lehrstück über den Umgang mit der Freiheit der Wissenschaft

von Julien Reitzenstein  26.02.2026 Aktualisiert