Glosse

Benis Welt

Diese Woche rief mich ein Junge an. Es war acht Uhr abends, und ich freute mich schon auf eine neue Folge von »Desperate Housewives« und den großen Eisbecher (mit Schokoladestückchen und Karamellsauce). »Herr Frenkel«, begann er zögerlich, »Störe ich Sie gerade?« Natürlich nicht. Für meine Schüler habe ich immer Zeit. »Es ist so, Herr Frenkel, ich habe heute ein schlimmes Schimpfwort über Sie ausgesprochen. Die anderen Schüler hörten das und meldeten es dem Rabbiner.« Ja, das sei überhaupt nicht schön, sagte ich ihm.

In fünf Minuten beginnt der Film. »Und jetzt, Herr Frenkel, hat der Rabbiner gesagt, müsse ich mich bei Ihnen entschuldigen. Sind Sie mir mojchel (vergeben Sie mir)?« »Was hast du denn über mich gesagt?« Stille. »Ich kann dir erst mojchel sein, wenn du mir sagst, worum es sich handelt.« Stille. »Komm schon, du bekommst auch keine Strafaufgabe.« »Ich kann es Ihnen nicht sagen, es ist ein sehr schlimmes Wort.«

Schimpfwort Der Junge tat mir leid. In zwei Minuten beginnt die neue Folge. Mir ist es ziemlich egal, was man über mich sagt. Und über Lehrer soll man sowieso nicht schweigen. Andererseits bin ich Pädagoge. Der Junge muss etwas aus dem Zwischenfall lernen. »Nun, dann buchstabiere das Schimpfwort, wenn du es nicht nochmal aussprechen kannst.«

Ich war stolz auf mich. Ich bin eben doch ein guter Lehrer. »Herr Frenkel, ich kann es auch nicht buchstabieren. Es ist ein sehr schwieriges Wort!« Mist. Wird das heute nicht mehr aufhören? Ein schlimmes, grammatikalisch schwieriges Wort? Mir fiel Korinthenkacker ein. Ein seltenes Schimpfwort mit drei k, einem th und einem ck. Tatsächlich bin ich manchmal ein Korinthenkacker. Ich nehme die Sachen häufig zu ernst und ereifere mich stets über Kleinigkeiten. »Hast du Korinthenkacker zu mir gesagt?« »Nein, was ist?«

Jetzt begann die Sendung. »Hör zu, Kleiner, dieses Mal verzeihe ich dir noch. Du musst mir aber versprechen, nicht nochmal ein schlimmes und schwieriges Schimpfwort über mich zu verwenden. Haben wir uns verstanden?« »Ja, Herr Frenkel. Danke, dass Sie mir mojchel sind. Ich wünsche Ihnen übrigens ein gesundes Jahr! All Ihre Wünsche und Ziele sollen in Erfüllung gehen und Sie sollen nur Freude an Ihren Kindern haben. Omejn!«

Ich hing auf. So ein intriganter Schleimscheißer! Und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser: Chag Sameach!

Trend

»Spiritually Israeli«: Antisemitismus als Meme

Warum ein Begriffspaar in den sozialen Medien gerade populär ist – und wieso es nichts mit Israel zu tun hat

von Nico Hoppe  15.02.2026

Reaktion

»Medialer Sturm«: Berlinale verteidigt Künstler

Nach Debatten bei den Filmfestspielen veröffentlicht Festivalchefin Tricia Tuttle einen Appell – und nimmt die Jury in Schutz

 15.02.2026

Aufgegabelt

Korkenzieher-Gurken mit Gochujang-Dressing

Rezepte und Leckeres

 14.02.2026

Berlinale

Nachdenken über Siri Hustvedt

Die Regisseurin Sabine Lidl hat eine sehenswerte Dokumentation über die amerikanische Schriftstellerin gedreht – ein Filmtipp

von Katrin Richter  14.02.2026

Berlinale

Arundhati Roy sagt Teilnahme ab

Als Begründung nannte sie die aus ihrer Sicht »unerhörten Aussagen« von Mitgliedern der Jury zum Gaza-Krieg

 14.02.2026

NS-Raubkunst

Wolfram Weimer kündigt Restitutionsgesetz an

»Eine Frage der Moral«: Der Kulturstaatsminister stimmt einem unter anderem vom Zentralrat der Juden geforderten Gesetz zu

 14.02.2026

Berlinale

Eine respektvolle Berlinale scheint möglich

Die 76. Berlinale hat mit Glamour, großen Gefühlen und einem wunderbaren Eröffnungsfilm begonnen. Respekt wurde großgeschrieben am ersten Tag. Nur auf der Pressekonferenz der Jury versuchte der Journalist Tilo Jung vergeblich zu polarisieren

von Sophie Albers Ben Chamo  13.02.2026

Potsdam

Barberini-Museum zeigt deutsche Impressionisten

Drei große Sonderausstellungen präsentiert das Potsdamer Barberini-Museum pro Jahr. 2026 werden zum Auftakt Werke von Max Liebermann und weiteren Künstlern des Impressionismus in Deutschland gezeigt

 13.02.2026

Analyse

Historiker: Dirigent von Karajan kein Hitler-Sympathisant

Opportunist oder Gesinnungsnazi? Das historische Bild des Dirigenten Herbert von Karajan leidet seit Längerem unter seiner NSDAP-Mitgliedschaft. Der Historiker Michael Wolffsohn will ihn nun von mehreren Vorwürfen freisprechen

von Johannes Peter Senk  13.02.2026