München

Barrie Kosky: »Angst ist keine Antwort auf den Terror«

Barrie Kosky bei der Premiere des Musicals ‚Chicago‘ in der Komischen Oper im Berliner Schillertheater, Ende Oktober 2023 Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Der Theater- und Opernregisseur Barrie Kosky lässt sich von harten Zeiten und Krieg nicht einschüchtern: »Angst ist keine Antwort auf den Terror«, sagte er der Deutschen Presse-Agentur im Vorfeld einer Neuinszenierung der Operette »Die Fledermaus« an der Bayerischen Staatsoper in München.

Kosky, Enkel jüdischer Einwanderer, reflektiert, dass viele Menschen in Deutschland im Moment Angst haben. »Ich fühle mich in der Mitte dieses Sturms. Ich pendle jeden Tag zwischen verschiedenen Emotionen hin und her«, sagte der Berliner mit Blick auf die Situation in Nahost seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober.

Der gebürtige Australier sieht sich stets in der problematischen Situation, als Jude in Deutschland immer eine Seite einnehmen zu müssen. »Meine Hauptemotion ist es, an alle Opfer des Hamas-Angriffs, dieses Pogroms, dieses Massakers zu denken. Das ist meine Hauptpflicht als Jude. Aber wenn ich das getan habe, dann habe ich auch die Pflicht als Bürger, als Mensch, an die unschuldigen Opfer in Gaza zu denken«, betonte er.

Nach zehn Jahren als Opern-Intendant kehrt Kosky nun zu seinen Wurzeln zurück. »Ich bin Künstler - das ist meine Hauptidentität. Ich war der Intendant der Komischen Oper Berlin, aber ich bin kein Intendant von Beruf. Mein nächstes Kapitel geht zurück zum freischaffenden Künstler.« Sein Kalender bleibe aber so voll wie immer, gerade bereitete er »Die Fledermaus« an der bayerischen Staatsoper vor. »Ich möchte München einen kleinen Vorgeschmack auf diesen Kosky-Operettenrausch geben«, sagte er lachend. dpa

Interview

»Musik ist meine Heimat«

Die Sängerin Anna Margolina über Jazz, jiddische Lyrik und ihr Judentum

von Alicia Rust  14.07.2026

Medien

Wechsel im ARD-Studio Tel Aviv: Sophie von der Tann wird abgelöst

Während der BR seine Korrespondentin in höchsten Tönen lobt, wurde extern immer wieder heftige Kritik geübt. Von der Tanns Nachfolgerin in Israel ist Pia-Marie Steckelbach

 14.07.2026

Kommentar

Wenn Studenten wieder anfangen, Juden auszugrenzen

Es sind Beschlüsse wie der Boykott-Beschluss des Studierendenparlaments der Humboldt-Uni, bei denen man sich unwillkürlich fragt, ob die zukünftige sogenannte deutsche Bildungselite noch zu retten ist

von Leeor Engländer  14.07.2026

München

Bayerns 180-Grad-Restitutionswende

Der Freistaat hat sich entschieden, eine Bronze von Picasso zurückzugeben und dabei gleich seinen Umgang mit NS-Raubkunst zu reformieren

von Michael Thaidigsmann  14.07.2026

David Baddiel

»Inzwischen kann man Messi in den Griff bekommen«

Der britische Autor über das Halbfinale England vs Argentinien, seinen legendären Fußball-Song »Three Lions« und warum er immer noch glaubt, dass England gegen Argentinien gewinnen wird

von Katrin Richter  14.07.2026

London

Sacha Baron Cohen als »Ali G« in Wimbledon

Der britische Komiker und Schauspieler hat viele Gesichter. Eine Kunstfigur erscheint plötzlich beim Tennis

 14.07.2026

Sehen!

»In the Hand of Dante«

Die Handlung springt zwischen den Jahrhunderten hin und her. Trotzdem ist der Film mit Gal Gadot und Oscar Isaac ein gelungenes Werk

von Katrin Richter  13.07.2026 Aktualisiert

Paris

»Die Isolation Israels ist ein historisches moralisches Versagen«

»Es ist ein dunkler Moment für Juden auf der ganzen Welt«, sagt der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy. »Wir müssen stolz, stark und weise sein.«

 13.07.2026

Frauenfußball

Der Ball war nicht nur rund, sondern auch weiblich

Wie die österreichische Jüdin Ella Zirner-Zwieback zur Pionierin in einer von Männern dominierten Sportdisziplin wurde

von Martin Krauß  13.07.2026