Mond

Aufgeben gilt nicht

Selfie mit Mond Foto: picture alliance/AP Photo

Eigentlich sah alles ganz gut aus. Die am 22. Februar vom US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral gestartete Raumsonde »Beresheet« hatte nach rund sechs Wochen die Umlaufbahn des Mondes erreicht und sollte nach weiteren sieben Tagen endlich auf dem Erdtrabanten aufsetzen. Hinter ihr lagen bereits schwierige Manöver – vor allem der Übergang in den Anziehungsbereich des Mondes gilt unter Experten als äußerst riskante Angelegenheit. Doch auch dies sollte Beresheet mit Bravour meistern.

Umso größer die Enttäuschung, als am vergangenen Donnerstagabend ausgerechnet beim Landeanflug auf das »Meer der Heiterkeit« die Technik versagte. Beresheet hatte zwar noch einige Fotos von der immer näher kommenden Mondoberfläche senden können, was bei den Wissenschaftlern im Kontrollzentrum im israelischen Yehud die Spannung erhöhte.

Dann aber brach die Verbindung ab, die Raumsonde verlor dramatisch schnell an Höhe und zerschellte. Entsprechend groß das Entsetzen und die Enttäuschung bei den Verantwortlichen von der israelischen Nonprofit-Organisation SpaceIL und Israel Aerospace Industries (IAI), die das Projekt erst möglich gemacht hatten.

Umlaufbahn »Wir sind nicht erfolgreich gelandet, aber wir haben zumindest den Versuch unternommen«, erklärte SpaceIL-Direktor Morris Kahn noch am Donnerstagabend. Immerhin zählt Israel nun zu den sieben Nationen, die ein solches Objekt erfolgreich in die Umlaufbahn des Mondes bringen konnten. Das waren bis dato die Sowjetunion (1966), die Vereinigten Staaten (1966), Japan (1992), die Europäische Union (2004), China (2007) und Indien (2019).

Nun zählt auch der jüdische Staat zu diesem exklusiven Klub – nur der Plan, als vierte Nation auf dem Mond zu landen, ging leider schief. Als Ursache vermuten die Wissenschaftler das technische Versagen einer Komponente des Höhenmessers, wodurch eine Art Kettenreaktion ausgelöst wurde: Weil die Entfernung zur Mondoberfläche nicht mehr korrekt erfasst werden konnte, schaltete sich das Haupttriebwerk ab. Dadurch gab es keinerlei Möglichkeiten mehr, beim Landeanflug die Geschwindigkeit von rund 1700 Kilometern pro Stunde rechtzeitig zu drosseln.

Zwar gelang es den Verantwortlichen noch einmal, das Haupttriebwerk in Gang zu bringen, aber Beresheet war einfach zu schnell, um ausreichend abgebremst zu werden. Die Probleme hatten bereits in einer Höhe von 14 Kilometern begonnen. Und bei gerade einmal 150 Metern über der Mondoberfläche war die Raumsonde immer noch mit 500 Stundenkilometern unterwegs, was jegliche weiche Landung unmöglich machte. Der zerstörerische Aufprall war damit »unvermeidlich«, wie eine Sprecherin des Bere­sheet-Teams sagte.

Beim Landeanflug konnte die Geschwindigkeit nicht mehr rechtzeitig gedrosselt werden.

»Soweit ich es überblicken kann, waren wir dem Erfolg wirklich sehr nahe«, brachte es in Yehud auch Alex Friedman, Kontrolldirektor der Mission, auf den Punkt. »Jetzt sind wir auf dem Mond, aber leider nicht so, wie wir es eigentlich wollten.«Bedauernde und aufmunternde Worte gab es anlässlich des Crashs vom Astronauten-Urgestein Buzz Aldrin, der 1969 bei der Mondmission Apollo 11 dabei war. Er kommentierte in einem Tweet die missglückte Landung, sprach den Machern von Beresheet aber Mut zu und zollte ihren Leistungen Respekt. »Verliert nicht eure Hoffnung! Eure harte Arbeit, euer Teamgeist und eure Innovationen sind für uns alle eine Inspiration!«

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Beresheet 2.0 Und auch der israelische Milliardär Morris Kahn, der mit seinem Geld – der Großteil der 84 Millionen Euro, die die Raumsonde gekostet hat, stammt von ihm – das Projekt überhaupt erst möglich gemacht hat, denkt nicht ans Aufgeben. »Wir haben es begonnen, und ich hoffe, dass wir es auch zu Ende führen werden«, erklärte der in Südafrika geborene Unternehmer. »Wir werden unsere Flagge auf dem Mond hissen.«

Konkret heißt das: Es wird wohl einen zweiten Versuch geben. »Die Resonanz, die wir mit unserem Projekt hatten, war einfach überwältigend«, sagte Kahn dem Kanal 12 des israelischen Fernsehens. »Ich bin deshalb zu der Überzeugung gelangt, dass es eine Schande wäre, so aufzuhören. Deswegen bin ich hier, um ein neues Projekt anzukündigen: Beresheet 2.« Mit von der Partie ist erneut Israel Aerospace Industries.

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Nachfolger Und wie bei Beresheet 1 soll auch der Nachfolger vollständig aus privaten Mitteln finanziert werden. »Wir bauen nicht auf die Unterstützung der Regierung«, so Kahn weiter. »Wenn sie helfen wollen – gerne. Aber wir setzen auf die Öffentlichkeit.« Offensichtlich herrscht bei Israels Weltraum-Enthusiasten trotz der Pleite von vergangener Woche eine Art »Can do«-Geist vor. »Wir haben bis zum Moment des Aufpralls so viele große Erfolge vorzuweisen«, betont Ehud Hayun, ein IAI-Ingenieur. »Wir wussten von Anfang an, dass die Mission nicht ohne Risiken war – auch deshalb, weil wir mit geringen finanziellen Ressourcen und wenig Zeit arbeiteten. Aber wir haben es immerhin versucht.« Deshalb plädiert auch er für ein Weitermachen.

SpaceIL-Mitgründer Yariv Bash, dessen Großvater übrigens, wie die »Bild«-Zeitung berichtete, als Häftling im KZ Mittelbau-Dora an Hitlers Wunderwaffe V1 arbeiten musste, geht von zwei bis drei Jahren aus, bis eine neue Raumsonde fertig ist. Und sein Kollege Yonatan Winetraub ergänzt: »Wir haben den Mond nicht heil erreicht, das ist Pech. Aber Wissenschaft funktioniert nun mal nicht ohne Misserfolge. Manchmal klappt es eben nicht beim ersten Mal, manchmal auch nicht beim zweiten oder dritten Mal. Aber irgendwann schon.«

Joshua Sobol

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