Musik

»Auf den inneren Klang hören«

Idan Raichel Foto: Eldad Rafaeli

Herr Raichel, am 22. Januar erscheint Ihr neues Album »Ha Jad Ha Chama«. Was verbirgt sich hinter dem Titel?
Die Übersetzung ist etwas kompliziert. Sie entspricht in etwa einer warmen Berührung durch eine Hand oder Zuneigung. Diese Berührungen zeigen einem, dass man nicht länger allein ist. Vor diesem Album hatte ich das Gefühl, dass ich allein bin, auch wenn ich es nicht war. Trotzdem war es, als käme ich immer zurück in ein leeres Haus. Aber seitdem meine Tochter auf der Welt ist, ist das alles anders. Und genau diese Berührungen durch eine Hand haben mich zu diesem Album inspiriert.

Ihre Songs wirken wärmer, erwachsener als sonst. Was ist passiert?
Sie sind in meinen eigenen vier Wänden entstanden – mit meiner Familie. Ich fühlte mich viel selbstsicherer und auch gesicherter. Das war das erste Mal, dass es keine Eile gab, auf der ganzen Welt nach Sängern und Klängen zu suchen. Ich wollte die innere Stimme und den inneren Klang erforschen. Der Sound ist reifer, gesetzter und von größerer innerer Stärke.

Wie entstehen die Texte?

Ich habe eigentlich keine festen Zeiten, zu denen ich meine Texte schreibe. Alles begann mit der Geburt meiner ersten Tochter: Ich fühlte, dass dies ein guter Zeitpunkt zum Schreiben sei.

2015 war ein Jahr großer Konflikte. 2016 begann mit einem Attentat in Tel Aviv. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?
Ich bin in diesem Umfeld aufgewachsen, und wir haben uns alle irgendwie daran gewöhnt. Es macht uns keine Angst mehr. Natürlich ist es immer tragisch, von traurigen Ereignissen zu erfahren, aber die halten uns nicht auf. Wir lassen uns nicht ängstigen.

Vor einem Ihrer Konzerte in New York haben BDS-Anhänger (Boycott, Divestment and Sanctions) demonstriert. Was antworten Sie denen, die Künstler boykottieren?
Die BDS-Anhänger, die versuchen, Israel und israelische Kunst zu boykottieren, wählen den falschen Weg. Künstler sollten sich niemals, niemals einschüchtern lassen. Kreative aus allen Sparten sollten helfen, Brücken zwischen den verschiedenen Kulturen zu bauen. Auch wenn man mit irgendetwas nicht einverstanden ist: Künstlerstimmen dürfen nicht zum Schweigen gebracht werden. Und außerdem glaube ich generell nicht an Boykotte. Man sollte Frieden mit seinem Nachbarn schließen, denn wenn man ihn ignoriert, wie kann man einen Dialog schaffen?

Was wünschen Sie sich für dieses Jahr?
Ich möchte ein besserer Vater, ein besserer Partner, ein besserer Mensch sein. Und ich wünsche mir, dass mein neues Album viele Herzen und Menschen erreichen wird, dass es sie tröstet und nachdenklich macht.

Die Fragen an den Musiker stellte Katrin Richter.

www.idanraichelproject.com

TV-Tipp

»Robert Lembke - Wer bin ich?« -Doku-Drama über die TV-Legende

»Robert Lembke - Wer bin ich« ist ein kluger Film über Verdrängung, Volksbildung und das Schweigen einer TV-Legende über die eigene Vergangenheit

von Jan Lehr  02.06.2026

Programm

Klang, Gang und Streisand: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 3. Juni bis zum 10. Juni

 02.06.2026

Film

Die Entwirrung der UNRWA

Eine neue Dokumentation beleuchtet Geschichte, Auftrag und politische Rolle des Palästinenserhilfswerks

von Maria Ossowksi  02.06.2026

Punta Cana

Gal Gadot und Mila Kunis zeigen sich entspannt im Karibikurlaub

Die jüdischen Schauspielerinnen gehen in Puerto Rico ganz besonderen Freizeitaktivitäten nach

 02.06.2026

Leipzig

Jennifer Rush lernte mit dem Sandmännchen Deutsch

Die Sängerin mit jüdischem Familienhintergrund kam als Kind nach Deutschland. Warum das für sie ein Schock war und wie ihr das Fernsehen beim Ankommen geholfen hat

 01.06.2026

Jubiläum

Dichter und Bürgerschreck: Allen Ginsberg vor 100 Jahren geboren

Er lehnte sich gegen eine spießige und militarisierte Gesellschaft auf und propagierte ein ökologisches Bewusstsein: Der US-Dichter Allen Ginsberg war ein Pionier der »Beat-Generation«. Seine Visionen sind heute wieder aktuell

von Holger Spierig  01.06.2026

Reggio Emilia

Konzert von Kanye West in Italien abgesagt

Hintergrund sind Kanye Wests antisemitische Aussagen und die damit verbundene Sorge, große Proteste könnten die Sicherheit gefährden

 01.06.2026

TV-Tipp

Kultfilm »Harry und Sally« - immer wieder was fürs Herz

Die Komödie des vor Kurzem ermordeten Regisseurs Rob Reiner avancierte zum Kultfilm

von Jan Lehr  01.06.2026

München/Jerusalem

Rabbinerkonferenz weist Kritik an deutschen Yad-Vashem-Standorten zurück

Die geplanten Außenstellen von Yad Vashem in Deutschland stoßen auch auf Skepsis. Doch die Orthodoxe Rabbinerkonferenz warnt davor, die Arbeit der Gedenkstätte zum Gegenstand politischer Abrechnungen zu machen

 31.05.2026