Frankfurt am Main

Archäologische Ausstellung im Jüdischen Museum

Juden spielten in den römischen Nordprovinzen offenbar eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Foto: Rafael Herlich

Die Geschichte der Juden in Deutschland beginnt nicht erst im Mittelalter, sondern bereits einige Hundert Jahre früher im Norden des Römischen Reiches. Dies belegen eine Reihe neuerer archäologischer Funde, die seit Donnerstag im Jüdischen Museum Frankfurt am Main zu sehen sind.

Die ausgestellten Grabdenkmäler, Schmuckstücke und Alltagsgegenstände aus dem 1. und 2. Jahrhundert ließen darauf schließen, dass Juden in den Nordprovinzen am politischen, wirtschaftlichen und religiösen Leben teilgenommen hätten und »gut integriert waren«, sagte der Direktor des Museums, Raphael Gross, am Mittwoch.

Die Ausstellung »Im Licht der Menora. Jüdisches Leben in der römischen Provinz« ist die erste archäologische Ausstellung überhaupt im Jüdischen Museum und wurde gemeinsam mit der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt entwickelt.

Leitsymbol Ausgehend von dem Leitsymbol des spätantiken Judentums, der Menora, versammelt die Schau Objekte aus der heutigen Schweiz, aus Österreich, Ungarn und Deutschland.

Die systematische Forschung in den Nordprovinzen des Römischen Reiches habe erst 2001 mit dem Fund eines bronzenen Ringes mit einer Menora-Darstellung begonnen, sagte der Archäologe und Ausstellungskurator Svend Hansen.

Nur wenig später, 2002, wurde im österreichischen Halbturn ein goldenes Amulett in einem Kindergrab des 3. Jahrhunderts entdeckt. Auf dem Goldblech ist in griechischen Buchstaben die jüdische Gebetsformel aus dem fünften Buch Mose eingeritzt: »Höre Israel: Jahwe ist unser Gott, und es ist ein Jahwe.«

Verkehrssprache »Griechisch war in den jüdischen Gemeinden in römischer Zeit die Verkehrssprache«, erläuterte Hansen. Dies belegten auch zahlreiche Grabsteine aus den jüdischen Katakomben in Rom und aus Aquincum in Pannonien, dem heutigen Ungarn.

Der Bronzering, das Amulett aus dem Kindergrab und die Grabsteine aus Aquincum stünden im Mittelpunkt der Frankfurter Ausstellung, »weil sie direkt mit Individuen verbunden waren und nicht wie Öllampen oder Münzen als bloßes Handelsgut oder Souvenirs in den Norden gekommen sein können.«

Ehrenämter Juden spielten in den römischen Nordprovinzen offenbar eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Dafür spricht ein Dekret Kaiser Konstantins aus dem Jahr 321, das ebenfalls im Jüdischen Museum ausgestellt ist.

Es bestimmte, dass Juden städtische Ehrenämter annehmen mussten. Das Gesetz galt für das ganze Reich, ist aber nur in der an die Ratsherren von Köln adressierten Form erhalten. »Wir nehmen an, dass schon lange vor 321 in Köln, aber auch in Trier und Mainz, eine jüdische Gemeinde existiert haben muss«, sagte Hansen. epd

Die Ausstellung »Im Licht der Menora. Jüdisches Leben in der römischen Provinz« ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und mittwochs von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Die Schau wird durch ein Vortragsprogramm vertieft und ergänzt.

www.juedischesmuseum.de

Archäologie

Rätsel um antikes Baby-Massengrab

Wissenschaftler der Universität Tel Aviv haben Knochenreste aus der Perserzeit gefunden, die in Tel Aseka bestattet wurden. Etwa 70 Prozent stammen von Kindern unter zwei Jahren

von Sabine Brandes  05.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  05.05.2026 Aktualisiert

Auszeichnung

Marion-Samuel-Preis geht an Susanne Siegert für NS-Aufklärung

Die Augsburger Stiftung Erinnerung fördert Menschen, die sich gegen das Vergessen, Verdrängen und Relativieren der Nazi-Verbrechen wenden. Sie verleiht einen Preis, der mit viel Geld dotiert ist

von Christopher Beschnitt  05.05.2026

Potsdam

Jüdisches Filmfestival zeigt Vielfalt Israels

Vereinfachte Narrative werden hinterfragt und unterschiedliche palästinensische und israelische Realitäten in den Blick genommen

 05.05.2026

New York

Zoë Kravitz sorgt mit Spitzenkleid für Aufsehen

Die frisch Verlobte Darstellerin erscheint in einem schwarzen, transparenten Spitzenkleid aus dem Haus Saint Laurent, über das alle US-Modeblätter schreiben. Aber wo ist der Verlobte?

 05.05.2026

Berlin/New York

»Der Teufel trägt Prada 2« startet mit starkem Kinoerfolg

Rund 625.000 Besucher am Startwochenende: Die Fortsetzung der Modewelt-Satire begeistert das Kinopublikum in Deutschland und sorgt für einen der besten Filmstarts des Jahres

 05.05.2026

Wien

Glanzauftritt mit »Diamant«: Noam Bettan überzeugt bei erster ESC-Probe

Zum Auftakt der Performance erscheint Bettan gemeinsam mit einer Tänzerin aus dem Inneren des Bühnenelements, das einem Edelstein nachempfunden ist

 05.05.2026 Aktualisiert

»Imanuels Interpreten« (20)

Progressive Rock-Pioniere: Die Shulman-Brüder und ihre Band Gentle Giant

Mit einer Überdosis Kreativität betrieben die drei schottischen Juden Phil, Derek und Ray Shulman eine Formation, die herausstach

von Imanuel Marcus  04.05.2026

Kunst

Iran nimmt nicht an Biennale in Venedig teil

Die wichtige Kunstveranstaltung Biennale in der Lagunenstadt Venedig hat mit heftigen Kontroversen zu tun. Nun scheidet ein Teilnehmerland aus

 04.05.2026