Kultur

Antisemitischer Brief im Angebot

Richard Wagner (Porträtaufnahme um 1880, nachträglich digital koloriert) Foto: dpa

Das Auktionshaus Kedem in Jerusalem versteigert an (diesem) Dienstag einen Brief des deutschen Komponisten Richard Wagner (1813–1883) aus dem Jahr 1869. Darin beklagt sich der für seine antisemitische Haltung bekannte Musiker laut den Anmerkungen des Auktionshauses in Anlehnung an seinen Aufsatz »Das Judentum und die Musik« über den angeblich zerstörerischen Einfluss von Juden auf die Kultur.

Anfangspreis Der Anfangspreis für den Brief, der an den französischen Schriftsteller und Musikologen Édouard Schuré adressiert ist, liegt bei 5000 Dollar. Zuletzt wurden 8500 Dollar für den Brief geboten.

Richard Wagners Werke waren in Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus sehr beliebt. Bis heute lehnen viele Israelis das öffentliche Aufführen seiner Kompositionen ab. Der Vorgänger der israelischen Philharmoniker hatte sich nach der Reichspogromnacht 1938 spontan entschlossen, Adolf Hitlers Lieblingskomponisten nicht mehr zu spielen. Seitdem galt in Israel ein inoffizieller Boykott gegen Wagner. Versuche, seine Werke zu spielen, lösen heftige Debatten aus.

Barenboim
Dennoch wurden Wagner-Kompositionen auch in Israel schon mehrmals aufgeführt, allerdings zum Teil begleitet von öffentlichen Protesten. 2001 dirigierte Daniel Barenboim in Jerusalem Wagners Ouvertüre aus Tristan und Isolde als Zugabe und löste damit eine Kontroverse aus. In einem Interview mit dem »Spiegel« sagte er danach zur Begründung: »Wagner war antisemitisch, aber seine Musik nicht.«

2012 war ein von der israelischen Wagner-Gesellschaft geplantes Konzert in Tel Aviv abgesagt worden. Bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth inszenierte 2017 Barrie Kosky als erster jüdischer Regisseur. ag

Zahl der Woche

13 Sommer- und Winter-Machanot

Fun Facts und Wissenswertes

 27.01.2026

Kairo/Berlin

Ägypten verbietet Buch zu Gaza-Krieg - Autoren: Das Interesse ist riesig

Ihr Streitgespräch über den Nahostkonflikt sorgte in Deutschland für viel Aufmerksamkeit - doch Ägyptens Zensur verbietet das Buch von Philipp Peyman Engel und Hamed Abdel-Samad. Die Autoren nehmen es eher gelassen

 27.01.2026

USA

Kanye West entschuldigt sich erneut für Antisemitismus

In einer ganzseitigen Anzeige im Wall Street Journal schreibt der Rapper: »Ich bin kein Nazi und kein Antisemit. Ich liebe jüdische Menschen.«

 27.01.2026

Meinung

Ein Schmock kommt selten allein

Im »Dschungelcamp« scheint Gil Ofarim in bester Gesellschaft. Doch was hat er aus seiner Lüge in der »Davidstern-Affäre« gelernt?

von Ayala Goldmann  27.01.2026

Meinung

»Zeit Geschichte« stellt sich in eine unsägliche Tradition

Das Titelbild der neuen Ausgabe des Hefts reduziert den Nahostkonflikt auf ein simples Gut-gegen-Böse-Schema. Immer wieder nutzen renommierte Medien problematische Bildsprache, wenn es um Israel geht

von Nikolas Lelle  27.01.2026

Oscar-Nominierungen

Natalie Portman: Frauen kommen zu kurz

Man sehe die Hürden für Regisseurinnen auf jeder Ebene, so die Schauspielerin

 27.01.2026

Fernsehen

Und dann sagt Gil Ofarim: »Jetzt habe ich ein bisschen was kapiert«

Am 4. Tag im Dschungelcamp spielte sich alles ab, wofür der Begriff »Fremdschämen« erfunden wurde

von Martin Krauß  26.01.2026

Serie

»Holocaust«-Serie: Wendepunkt der deutschen Erinnerungskultur

Vor 47 Jahren wurde im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die US-Serie »Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss« ausgestrahlt. Der damals verantwortliche Leiter der Hauptabteilung Fernsehspiel erinnert sich an Widerstände und weinende Anrufer

von Jonas Grimm  26.01.2026

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  26.01.2026