Podcast

Alles, nur kein Klezmer!

Juna Grossmann Foto: dpa

Der junge Podcast »Anti & Semitisch« – nicht zu verwechseln mit »Fest & Flauschig« – fängt schon mal gut an, wenn die jauchzige Klischee-Klezmermusik gleich zu Beginn durch ein genervtes »Mach das aus, bitte!« abgewürgt wird.

Und dann geht es auch schon los mit Chajm Guski (Autor, Blogger und Betreiber der Webseite talmud.de) und Juna Grossmann (Buchautorin und Bloggerin), die seit Mitte Juni alle zwei Wo­chen über Gott und die Welt plaudern, eine große Portion Meinung und eine kleine Prise Musik dazugeben, um dann schließlich den »wichtigsten und einflussreichsten jüdischen Podcast dieser Zeit« online zu stellen.

MISCHUNG Das Themenangebot ist groß: Mal sprechen sie über die Bedeutung von Feiertagen wie Tischa beAw – dem Gedenken an die Zerstörung des Tempels –, von den Kreuzzügen bis zur Streaming-Serie The Marvelous Mrs. Maisel. Als Nächstes ist die aktuelle Kulturpolitik in Deutschland dran, und ja, das Jüdische Museum Berlin kommt auch vor, genauso wie eine »Woman of the Wall«. Dann wird der Schmock der Woche gekürt. Und schließlich gibt es Buchtipps, die von David Allouches La kippa bleue (bisher leider nur auf Französisch) bis zu Maxim Billers Biografie reichen. Getrennt werden diese Audiohappen durch ein bisschen Pausenjazz. Am besten funktionieren die gut 30 Minuten, wenn die Moderatoren ihre Themen ordentlich mischen, wie es in der aktuellen Ferienausgabe auch der Fall ist. Und vor allem Guskis kurze und knappe, immer wieder auch flapsige Verlautbarungen sorgen für ein unterhaltsames Hörvergnügen.

Bisheriger Höhepunkt war im Juli das Interview mit Michael Wuliger, Kolumnist dieser Zeitung, dem man stundenlang zuhören könnte (und nein, dies ist keine Gefälligkeitsrezension, wenn Wuliger Quatsch geredet hätte, hätten wir über diese Episode einfach höflich geschwiegen), wenn er brutalstmöglich-charmant die Kulturszene vertrimmt, smart und belesen über den Begriff des Kulturjudentums sinniert, keine Angst hat, Namen zu nennen, und wenn er schließlich zu dem Schluss kommt, dass er, wenn er seinem jungen Selbst etwas mit auf den Weg geben könnte, ihm auf keinen Fall dazu raten würde, Journalist zu werden: »Werde Klempner. Die werden immer gebraucht, jüdische Schriftsteller nicht. Und das Schöne an jüdischen Klempnern ist: Wenn sie ihren Job gut machen, ist es egal, ob sie jüdisch sind oder nicht.«

VIELFALT »Anti & Semitisch« hat definitiv noch Luft nach oben, doch angesichts der mangelnden Vielfalt – abgesehen von öffentlich-rechtlichen Rundfunksendungen wie »Jüdische Welt« (HR2), »Aus der jüdischen Welt« (Deutschlandfunk) oder auch dem Podcast des Schweizer Wochenmagazins »Tachles« – ist da reichlich Platz für meinungsstarke, deutschsprachige Varianten von so wunderbaren Audioerlebnissen im Englischen wie »Unorthodox« vom amerikanischen »Tablet Magazine« und »2 Nice Jewish Boys« aus Israel. Also: mehr davon, bitte!

 

Fernsehen

»Du bist ein kranker Lügner«

Ariel attackiert Gil Ofarim und Mirja muss raus: So war die zehnte Folge des Dschungelcamps

von Martin Krauß  01.02.2026

"Dschungelcamp"

Gil Ofarim: »Auch ich will ’ne Antwort - vom deutschen Justizsystem«

Musiker Gil Ofarim steht wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit

von Britta Schultejans  01.02.2026

Musik

»Ich werde alles geben«

Noam Bettan, Israeli mit französischen Wurzeln, vertritt sein Land beim Eurovision Song Contest in Wien

von Sabine Brandes  01.02.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Veränderung oder Die Welt von gestern ist nicht mehr

von Nicole Dreyfus  01.02.2026

TV

Was der Dschungel mit den Primaries zu tun hat

»Ich habe halt seeehr wenig Follower«, sagt Nicole Belstler-Boettcher als sie das Camp verlassen muss. Das Dschungelcamp serviert uns in ungewöhnlichem Rahmen einiges zur Demokratietheorie

von Martin Krauß  01.02.2026

Kino

»EPiC: Elvis Presley In Concert« feiert Kinostart

Laut Regisseur Baz Luhrmann ist das Werk weder eine reine Dokumentation noch ein klassisches Konzertfilm-Format, sondern ein tiefgründiges Porträt des 1977 verstorbenen jüdischen Stars. Die Kritiker sind beeindruckt

 31.01.2026

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  31.01.2026

Aufgegabelt

Früchtebrot

Rezepte und Leckeres

 31.01.2026

Rezension

Israel lieben und an Israel zweifeln

Sarah Levys Buch »Kein anderes Land« ist ein persönliches Zeitdokument – von Sommer 2023 bis zum 7. Oktober und dem Gaza-Krieg

von Eugen El  31.01.2026