80. Filmfestival von Venedig

Woody Allens neuer Film wird bejubelt

Woody Allen Foto: imago

80. Filmfestival von Venedig

Woody Allens neuer Film wird bejubelt

Der 87-jährige Regisseur trifft mit »Coup de chance« den Geschmack des Publikums

von Barbara Schweizerhof  05.09.2023 14:13 Uhr

Wer daran zweifelte, ob Festivaldirektor Alberto Barbera sein Publikum in Venedig richtig einschätzte, als er Woody Allen mit seinem neuen Film »Coup de chance« einlud, fand sich lautstark widerlegt: Der Name des 87-Jährigen, in seiner Heimat USA wegen Jahrzehnte alter Vorwürfe in Ungnade gefallen, wurde am Lido schon zu Beginn in den Credits heftig beklatscht.

Die Ovation im Anschluss an die Premiere unterbrach der Regisseur aus New York selbst vorzeitig, in dem er sichtlich bewegt den Saal verließ. Die Reaktionen auf »Coup de chance«, Allens 50. Kino- und ersten französischsprachigen Film, waren enthusiastisch. »Das ist der Woody Allen, den wir lieben!«, war vielerorts zu hören; es sei sein bester Film seit Jahren.

»Coup de chance« variiert ein Thema, das Allen in »Matchpoint« oder »Verbrechen und andere Kleinigkeiten« schon durchgespielt hat: Was, wenn ein Mann mit Mord davonkäme? Wo in den früheren Filmen die Krisenbewältigung und die Karriere nach der Tat im Vordergrund standen, untersucht Allen diesmal die Rolle des Zufalls.

Zufällig begegnen sich in Paris Fanny (Lou de Laâge) und Alain (Niels Schneider) wieder. Einst haben sie gemeinsam eine französische Schule in New York besucht; nun führt Fanny an der Seite des reichen Geschäftsmanns Jean (Melvil Poupaud) ein luxuriöses Großstadtleben und Alain lebt als Schriftsteller-Bohemien in einer kleinen romantischen Dachwohnung. Absehbar entwickelt sich ihre Affäre stürmisch. Fanny will ihren Mann verlassen. Aber dann verschwindet Alain spurlos. Hat Jean etwas damit zu tun?

In einer der vielen raffinierten Wendungen ist es ausgerechnet Fannys krimi-besessene Mutter Aline, die Verdacht schöpft - wobei der Zufall erneut die Oberhand behält.   

Mit einem Humor, der völlig ohne Klamauk oder Slapstick auskommt und sich ganz aus dem trockenen Rhythmus der Dialoge und Situationen im flotten Erzähltempo ergibt, liefert »Coup de chance« so etwas wie Woody Allen in Essenz. Der Film, in Venedig außerhalb des Wettbewerbs vorgestellt, hinterlässt jedenfalls den Wunsch, er sei doch nicht, wie von Allen angedeutet, sein letzter. 

New York

Die Tiger der Tora

Einst feierten jüdische Fußballclubs in der Bronx das Leben, und sogar Marilyn Monroe kickte den Ball. Schwarz-weiße Erinnerungen zur Einstimmung auf die WM in den USA, Kanada und Mexiko

von Helmut Kuhn  16.04.2026

Ungarn

Wer ist Péter Magyar?

Viktor Orbán hat die Wahl verloren. Sein Nachfolger strebt weitreichende Veränderungen an. Doch bei vielen Themen setzt auch Magyar auf Kontinuität

von Michael Thaidigsmann  15.04.2026

Rom

Auch die »Trump-Flüsterin« Meloni fällt in Ungnade

Eigentlich gilt Italiens Ministerpräsidentin Meloni als Politikerin mit gutem Draht zu US-Präsident Trump. Nun attackiert er sie scharf. Der Schlagabtausch könnte für Meloni jedoch von Nutzen sein

von Robert Messer  15.04.2026

Statistik

Knapp 111.000 Holocaustüberlebende leben in Israel

Sie sind alt und sie werden weniger: Heute leben noch etwa 111.000 Holocaustüberlebende in Israel. Fast ein Drittel von ihnen ist über 90 Jahre alt, fast zwei Drittel von ihnen sind Frauen

 15.04.2026

München/Budapest

Europäische Rabbiner gratulieren Magyar zum Wahlsieg in Ungarn

»Das ungarische Volk hat eine klare Entscheidung für Demokratie, für Erneuerung und für ein zukunftsorientiertes Ungarn getroffen«, sagt Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt

 15.04.2026

Polen

Rechtsradikaler Politiker schockiert mit israelischer Hakenkreuzfahne

Am Holocaustgedenktag warf Konrad Berkowicz Israel im Sejm vor, das neue Dritte Reich zu sein

 14.04.2026

Warschau

Absage an Antisemitismus: Polnische Bischöfe besuchen Synagogen

Vor 40 Jahren umarmte Papst Johannes Paul II. in Roms Hauptsynagoge den dortigen Oberrabbiner. In Polen erinnern nun Bischöfe an diesen Meilenstein in den katholisch-jüdischen Beziehungen. Es gibt aber auch Misstöne

von Oliver Hinz  14.04.2026

Nordmazedonien

Brandanschlag auf Synagoge in Skopje

Zwei bislang unbekannte Täter verschafften sich Zugang zum Eingangsbereich des Gotteshauses und versuchten, ihn in Brand zu setzen

von Nicole Dreyfus  14.04.2026 Aktualisiert

Meinung

Israel, Ungarn und die Abwahl Viktor Orbáns

Mit dem langjährigen Ministerpräsidenten hatte der jüdische Staat einen Verbündeten in der EU. Dennoch könnte dessen Abwahl eine Chance sein, das ungarisch-israelische Verhältnis auf eine nachhaltigere Grundlage zu stellen

von Domokos Szabó  14.04.2026