Mallorca

Wiedergefundene Identität

Die Chuetas von Mallorca sind von einem Rabbinatsgericht in Israel offiziell als Juden anerkannt worden. Der ultraorthodoxe Rabbiner Nissim Karelitz, Vorsitzender des Beit Din der israelischen Stadt B’nei B’rak, begründete sein Urteil damit, dass die Abstammung von den jüdischen Einwohnern der Baleareninsel, die im 15. Jahrhundert zur christlichen Konversion gezwungen wurden und jahrhundertelange Verfolgungen erlitten, aufgrund der erzwungenen Endogamie einfach nachzuweisen sei. Die Chuetas sind direkte Nachfahren der 15 jüdischen Zwangskonvertiten, die 1691 in Palma einem Autodafé der Inquisition zum Opfer fielen.

Die Organisation Shavei Israel, die sich für die Rückkehr der »verlorenen Stämme Israels« einsetzt, veröffentlichte den Rabbinatsspruch in Palma. »Das Urteil öffnet den Nachfahren derjenigen, denen die Religion geraubt wurde, neue Wege«, erklärte der Vorsitzende der Organisation, Michael Freund.

Der Rabbiner von Shavei Israel, Eliyahu Birnbaum, zeigte aber gleichzeitig die Grenzen des Urteils auf: »Es geht nicht darum, dass wir morgen jedem eine Kippa aufsetzen, der einen der 15 verfluchten Namen hat«, sagte er. Es sei vielmehr eine halachische Bestimmung ergangen, die nur für diejenigen Chuetas bindend sei, die zum Glauben ihrer Vorfahren zurückkehren wollten.

Indentität Doch mit einer massiven Rückkehr der Chuetas zum jüdischen Glauben ist nach Ansicht des mallorquinischen Journalisten und Chueta-Aktivisten Miquel Segura kaum zu rechnen. »Das Rabinatsurteil bestätigt die Identität der Chuetas, aber jeder Einzelne leitet daraus seine persönlichen Schritte ab«, sagt er.

Nur ein sehr kleiner Teil der rund 20.000 Chuetas von Palma, nach Seguras Informationen zehn bis 15, wolle zum jüdischen Glauben zurückkehren. Miquel Segura hat als erster Chueta vor zwei Jahren dies mit Hilfe der sefardischen Gemeinde von Manhattan umgesetzt. »Als Nachfahren der Marranos kannten sie die Problematik aus eigener Erfahrung.« Sechs Jahre hatte das Verfahren gedauert.

Durchweg positiv sieht die jüdische Gemeinde von Mallorca das Urteil aus Israel. »Es ist eine historische Entscheidung und eine gerechte Sache«, meint deren Präsident David Kaissin. »Nach der erstmaligen Verurteilung der Geschehnisse von 1691 durch die Balearen-Regierung im Mai dieses Jahres kommt jetzt auch die Anerkennung durch ein Rabbinatsgericht in Israel, das ist wirklich eine freudige Nachricht.«

Schon jetzt nehmen rund zehn Chuetas regelmäßig am Gemeindeleben teil. »Zur Rückkehr zum jüdischen Glauben wollen wir sie aber nicht überzeugen, das ist ihre persönliche Sache«, so Kaissin. Über Fragen der Religionszugehörigkeit habe letztlich der Rabbinatsrat in Madrid zu entscheiden. Dort ist Spaniens Oberrabbiner Moshe Bendahán zuständig. »Die Entscheidung aus Israel eröffnet den Chuetas die Möglichkeit, die israelische Staatsangehörigkeit zu erlangen«, meint dieser. Das letzte Wort habe allerdings die Knesset.

Konvertieren Bendahán vergleicht das mit der Forderung der Sefarden, als spanische Staatsbürger anerkannt zu werden. Der Urteilsspruch habe dagegen keine Auswirkung auf die Religionszugehörigkeit, eine Anerkennung durch das Oberrabbinat in Israel sei daher nicht erforderlich. Chuetas, die den jüdischen Glauben annehmen wollten, müssten wie bisher zum Judentum konvertieren, was derzeit nur in Israel möglich sei. »Der Aufnahmeprozess wird nun einfacher sein«, meint Spaniens Oberrabbiner.

Bleibt also alles beim Alten, wie auch David Kaissin in Mallorca meint? »Chuetas müssen nicht konvertieren, die Rückkehr zum Glauben der Vorfahren wird in Zukunft schneller gehen«, ist sich dagegen Miquel Segura sicher. Im Herbst will Shavei Israel mit Hebräischunterricht und Kursen in jüdischer Geschichte, Kultur und Religion die Identität stärken.

Was passiert aber mit den Bnei Anusim, den Nachfahren der jüdischen Zwangskonvertiten auf dem spanischen Festland? »Für die Chuetas war es wesentlich einfacher, ihre jüdische Abstammung nachzuweisen als für uns«, sagt José Manuel Laureiro aus Madrid, der sich seit vielen Jahren für deren Anerkennung einsetzt. Die meisten sehen sich mehr den kulturellen als den religiösen Aspekten des Judentums verbunden. »Wir fühlen uns so jüdisch wie die Juden in Israel«, versichert Laureiro.

Schweiz

Den eigenen Weg gehen

Kollektive Begeisterung macht blind und dumm, ganz gleich, ob sie von rechts oder links kommt, findet Berns Botschafter in Israel. Und liefert literarische und filmische Quellen als Inspiration für das Schwimmen gegen den Strom

von Simon Geissbühler  11.08.2026

Frankreich

Schrecken der Milliardäre

Der jüdische Ökonom Gabriel Zucman fordert eine stärkere Besteuerung der Superreichen. Beim Geldadel stoßen seine Ideen jedoch auf heftigen Widerstand

von Christine Longin  11.08.2026

Österreich

Zwei Israelinnen in Wien vermisst

Die israelische Botschaft vor Ort bittet die Öffentlichkeit um Hilfe

 11.08.2026 Aktualisiert

Österreich

Drei orthodoxe Familien mit Hubschrauber gerettet

Ein hochalpiner Ausflug von drei jüdischen Großfamilien in Tirol endete mit einer Helikopterbergung. Auf über 2300 Metern waren sie auf Hilfe angewiesen.

von Nicole Dreyfus  11.08.2026

Flüge

US-Airline nimmt Route Tel-Aviv-New York wieder auf

Pünktlich zu Rosch Haschana gibt es wieder Direktflüge zwischen New York und Tel Aviv von anderen Anbietern als El Al

 09.08.2026

Großbritannien

Verdacht: Britische Hilfsorganisation könnte Hamas unterstützt haben

Die Anti-Terror-Polizei Londons untersucht, ob eine muslimische Hilfsorganisation von der Terrorfinanzierung mit ihren Spenden wusste oder nicht

 09.08.2026

Griechenland

Warnung an Israelis in Griechenland

Weil »propalästinensische« Organisationen zu einem »Tag des Zorns« aufgerufen hätten, sollen sich Israelis bedeckt halten, warnt das israelische Außenministerium

 09.08.2026

Jerusalem

Großeltern umgebettet: Theodor Herzls letzter Wille ist erfüllt

Die Überreste von Schimon und Rikva Herzl, Vorfahren väterlicherseits des Zionismus-Begründers und prägende Gestalten in Theodor Herzls Jugend, wurden von Serbien nach Israel überführt und auf dem Herzlberg beigesetzt

 06.08.2026

Palma

Michael Douglas ist Ehrenbotschafter Mallorcas

Der Hollywood-Star mit jüdischem Familienhintergrund wird für seine enge Verbindung zu der spanischen Insel und sein Engagement für deren kulturelles Erbe geehrt

 06.08.2026