Fernsehen

Wie ein Rabbiner die Karriere der Torwartlegende Bert Trautmann rettete

Bert Trautmann im Jahr 2009 in Manchester Foto: imago/HJS

»Bernhard ‚Bert‘ Trautmann ist bis heute einer der beliebtesten und bekanntesten Fußballspieler Englands«, so die Einschätzung von Jan-Dirk Bruns und Janos Kereszti von Radio Bremen. Wie es dazu kam und wie der Ex-Wehrmachtssoldat und britische Kriegsgefangene mit Fragen von Schuld und Sühne umging, erzählen Menschen, die ihm nahestanden, sowie seine Biografin Catrine Clay in der Dokumentation »Vom Nazi zum englischen Fußballidol - Die Torwartlegende Bert Trautmann«.

Der halbstündige Beitrag folgt direkt auf den Kinofilm »Trautmann« von 2018. Das Erste strahlt die Dokumentation heute um 22.05 Uhr aus.

Gegen die Entscheidung des Clubs, einen früheren deutschen Fallschirmjäger aufzustellen, demonstrierten anfangs in Manchester über 20.000 Menschen.

Im englischen Pokalfinale von 1956 wurde Bert Trautmann zur Fußballerlegende. Trotz einer schweren Verletzung, die sich später als Genickbruch herausstellte, spielte er das Spiel zu Ende und setzte sich damit ein Denkmal in der Geschichte des Sports. »Man tut, was man tun kann«, sagt Trautmann dazu im Film: »Ich habe im Unterbewusstsein gespielt.« Später im Fernsehen habe er natürlich gesehen, was passiert war.

Die Dokumentarfilmer zeigen auch die Gala zum Kinofilm »Trautmann«, als Macher und Sponsoren über den - in den Vereinsfarben von Manchester City gehaltenen - hellblauen Teppich schritten. Was Trautmann geleistet habe, auch außerhalb des Platzes, das könne kein Mensch in Worte fassen, findet Jürgen Klinsmann, englischer Fußballer des Jahres 1995. »Ich glaube, der englische Fan möchte sehen, dass du alles gibst, was du hast. Er will komplette Aufopferung für seine Mannschaft.« Wenn man dann ein paar Fehler mache, sei das kein Problem.

Erst ein offener Brief des Rabbiners Alexander Altmann beruhigte die Gemüter, erzählen die Dokumentarfilmer.

Bernhard Carl »Bert« Trautmann, 1923 in Bremen geboren und 2013 im spanischen La Llosa gestorben, war dreimal verheiratet und hatte drei Söhne. Der erste, John, kam bei einem tragischen Unfall ums Leben. Bert Trautmann galt als einer der besten Torhüter der Welt. Er war Soldat im Zweiten Weltkrieg im Osten und zuletzt Fallschirmjäger an der Westfront, wo er gegen Kriegsende von britischen Truppen gefangen genommen wurde. Er blieb nach seiner Freilassung 1948 in England und unterschrieb 1949 einen Vertrag mit Manchester City.

Seine Biografin Clay sagt beim Ansehen alter Schwarzweißfilme über ihn: »Was ihn zum perfekten Hitlerjungen machte, machte ihn auch zum perfekten englischen Goalkeeper.« Trautmann vertraute Clay auch an, dass er sich schuldig fühle wegen seiner Nazi-Vergangenheit. Er habe schreckliche Dinge in Russland erlebt und nur mit seinem Ledergürtel festgeschnallt auf Bäumen geschlafen, damit ihn die Partisanen nicht umbringen. Aber natürlich war klar, kommentiert Clay im Film, dass er ähnliche Dinge getan hat.

»Die Juden hier haben ihn zwar als ehemaligen Soldaten betrachtet, aber nicht als Nazi. Er war ein toller Spieler und ein bescheidener, freundlicher Mann.«

Gegen die Entscheidung des Clubs, einen Ex-Nazi und früheren deutschen Fallschirmjäger aufzustellen, demonstrierten anfangs in Manchester über 20.000 Menschen. Erst ein offener Brief des Rabbiners Alexander Altmann beruhigte die Gemüter, erzählen die Dokumentarfilmer: Leslie Wertheimer, Mitglied der jüdischen Gemeinde in Manchester, schrieb, dass »die Juden hier ihn zwar als ehemaligen Soldaten betrachtet haben, aber nicht als Nazi. Er war ein toller Spieler und ein bescheidener, freundlicher Mann.«

Bruns und Kereszti, Sportreporter des Regionalmagazins »Buten und Binnen« von Radio Bremen, erzählen in ihrer Dokumentation angeregt, wie Trautmann und die Engländer sich über den Sport und die entschiedene Haltung des Torwarts annäherten, und wie es möglich war, dass ein ehemals überzeugter Nazi, als der er im Kriegsgefangenenlager eingestuft worden war, im Land eines ehemaligen Kriegsgegners eine zweite Chance bekam. Eine spannende und bewegende Dokumentation, die zeigt, was der englische Fußball in den 1950er-Jahren einmal war. hmg

»Vom Nazi zum englischen Fußballidol - Die Torwartlegende Bert Trautmann«. Dokumentation von Jan-Dirk Bruns und Janos Kereszti. Das Erste, Mo 05.07., 22.05 - 22.35 Uhr. Mit Untertiteln für Hörgeschädigte.

Österreich

»Die schönste Synagoge der Welt«

Nach aufwendiger Renovierung wurde der Wiener Stadttempel feierlich wiedereröffnet

von Stefan Schocher  08.10.2026

7. Oktober

London: Maskierte Aktivisten protestieren gegen jüdischen Dachverband

Antiisraelische Aktivisten haben den Jahrestag des 7. Oktober 2023 zum Anlass genommen, das Board of Deputies of British Jews verbal anzugreifen. Es gab mehrere Festnahmen

 07.10.2026

Top 50

Die einflussreichsten Juden

Wie in jedem Jahr hat die »Jerusalem Post« ihr Ranking veröffentlicht – mit mehr Frauen und Gruppenplätzen

von Michael Thaidigsmann  07.10.2026

Meinung

Seht her, Berlin und New York: Es geht auch anders

Gerade am 7. Oktober wäre von linker Seite mehr Feingefühl zu erwarten. Zürich zeigt es diesmal vor.

von Nicole Dreyfus  07.10.2026

Fußball

Boykott gegen Israel – schließt sich das Schweizer Frauennationalteam den irischen Männern an?

Der Schweizerische Fußballverband reagierte offen, betonte jedoch, dass der Sport im Zentrum stehen solle

von Nicole Dreyfus  07.10.2026

Schweiz

Leerstellen im Mengele-Dossier

Nicht nur geschwärzte Namen sorgen im Mengele-Dossier des Nachrichtendienstes für Fragen. Auch wichtige Unterlagen fehlen – und niemand kann heute mehr genau erklären, warum.

von Nicole Dreyfus  06.10.2026

Großbritannien

»Die Grünen sind jetzt eine extremistische Partei«

Ein Parteitagsbeschluss der englischen Grünen, in dem der Zionismus als eine Spielart des Rassismus bezeichnet und zur Befreiung Palästinas aufgerufen wird, ist nicht nur in Großbritannien auf heftige Kritik gestoßen

 05.10.2026

Nachruf

Weimer würdigt gestorbene Holocaust-Überlebende Irene Butter

Eine weitere jüdische Zeitzeugin des Holocaust ist tot. Irene Butter starb im Alter von 95 Jahren in den USA. Lange hatte sie nichts von ihren Erlebnissen im KZ erzählt. Dann berichtete sie jahrzehntelang Schülern von ihrem Leben

von Christoph Arens  05.10.2026

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026