Simbabwe

Was kommt nach Robert Mugabe?

Nach dem Militärputsch: Die Menschen in Harare fordern den Rücktritt von Simbabwes Präsident Robert Mugabe. Foto: dpa

Auch Tage nach dem Putsch des Militärs in Simbabwe gibt es wenig konkrete Informationen über die neuen Machthaber und ihre politischen Ziele. »Wir sind besorgt, weil wir nicht genau wissen, wer nun eigentlich das Sagen hat.« Mit diesen Worten brachte Arnold Joffe, Vorsitzender der Harare Hebrew Congregation, die Stimmung der kleinen jüdischen Gemeinschaft in dem Land im südlichen Afrika auf den Punkt.

Dennoch dürfte auch unter ihnen eher Erleichterung darüber herrschen, dass die jahrzehntelange Herrschaft des Staatspräsidenten Robert Mugabe sich nun dem Ende zuneigt.

diktator Zum einen war der mittlerweile 93-Jährige schon vor langer Zeit vom Freiheitskämpfer zum rachsüchtigen Diktator mutiert, zum anderen hatte Mugabe das an Rohstoffen so reiche Land mit seiner chaotischen Wirtschaftspolitik von der Kornkammer Afrikas in ein Armenhaus mit Rekordinflation verwandelt.

»Nationales Demokratisches Projekt« – unter dieser blumigen Bezeichnung etablierten die Militärs ihre neue Herrschaft. Obwohl es einige dramatische Situationen gab, blieb das große Blutvergießen aus. Experten sprechen deshalb bereits von einem »soften Putsch«. Und nachdem einige Tage lang das Zentrum der Hauptstadt Harare gesperrt war, scheint sich nun – den Aussagen von Joffe zufolge – das Leben langsam wieder zu normalisieren, auch wenn die Schulen sowie viele Geschäfte noch geschlossen bleiben. Zudem wurde allen Juden geraten, das Haus besser nicht zu verlassen.

Viele Juden gibt es nicht mehr in Simbabwe. Offiziell leben in Harare noch 108 und in der Provinzstadt Bulawayo 64. Dazu kommen rund 50 im Lande lebende Israelis. Die Mehrheit von ihnen gehört der älteren Generation an. Zwar gibt es offiziell in Harare eine jüdische Schule, jedoch zählt sie nur drei jüdische Schüler. Auch sie hatte aus Sicherheitsgründen den Unterricht erst einmal eingestellt.

gottesdienste Rabbi Moshe Silberhaft vom African Jewish Congress, der sich mit Gemeindevorsteher Joffe beraten hatte, erklärte, dass im Hinblick auf die Lage derzeit alle Gottesdienste ausfallen würden. Zudem riet der »reisende Rabbiner«, wie der Südafrikaner auch genannt wird, weil er eine Vielzahl von Gemeinden in der Region betreut, allen Juden, die sich unsicher fühlten, Simbabwe zu verlassen. Die jüdische Gemeinde im benachbarten Südafrika würde ihnen in einer Notsituation zur Seite stehen.

Auch Lior Keinan, Israels Botschafter in Johannesburg, sagte, dass er mit der Gemeinde in Harare in Kontakt stehe, und berichtete, dass es seinen Kenntnissen zufolge allen Juden in Simbabwe den Umständen entsprechend gut gehe.

Dennoch zeigen sich Joffe und Silberhaft optimistisch und sehen noch keinen Grund zur Flucht. »Die Menschen in Simbabwe zeichnen sich durch Ruhe und Gelassenheit aus«, so der Rabbi. »Deshalb verlief die Entmachtung Mugabes auch vergleichsweise friedlich.« Zudem sei in Simbabwe jede Form des Antisemitismus so gut wie unbekannt.

Karin Prien

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