Ukraine

Was bleibt

Chassidische Pilgerstätte: Synagoge in Bratzlaw, Podolien Foto: Christian Herrmann / Lukas Verlag

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Was bleibt

Der Fotograf Christian Herrmann dokumentiert Spuren jüdischen Lebens

von Adam Kerpel-Fronius  20.09.2018 19:25 Uhr

Reisende aus Westeuropa staunen oft darüber, wie viele jüdische Spuren es in Osteuropa gibt: Häuser, in denen einst Juden lebten, Synagogen, die heute als Kinos oder Lagerhäuser genutzt werden, Friedhöfe, die oft verlassen und zugewachsen, aber weiterhin als solche erkennbar sind.

Am Anfang war der Kölner Fotograf Christian Herrmann selbst ein solcher Rei­sender. In den 90er-Jahren besuchte er zum ersten Mal Krakau. Er war fasziniert von der Stadt und widmet seither einen wesentlichen Teil seines Lebens dem Reisen durch Galizien, Bessarabien und die Bukowina. Seine Kamera hat er immer mit dabei.

Motiv Ein starkes Motiv für Herrmanns Arbeit ist die Tatsache, dass sich unsere visuelle Kultur in Bezug auf den Holocaust in fast extremer Weise auf einen einzigen Ort fokussiert – Auschwitz. Das berüchtigte Lagertor mit den Bahngleisen wurde millionenfach abgelichtet.

Doch es ist unmöglich und vor allem irreführend, die Schoa auf einen einzigen Ort zu reduzieren. Und was noch schwerer wiegt: Auschwitz ist zwar der Ort des Todes, aber es ist ebenso wichtig, sich für die Orte zu interessieren, an denen die Menschen zuvor gelebt haben.

Christian Herrmanns Fotografie befindet sich im Grenzgebiet zwischen Dokumentation und Kunst. Seine Bilder werden eines Tages Belege dafür sein, in welchem Zustand sich das jüdische Erbe Osteuropas in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts befand.

Diese Weltgegend ist keine Blackbox, die historische Spuren für immer konserviert. Im Gegenteil, die Landschaften verändern sich ständig, da diese Regionen eine Zeit der intensiven Modernisierung und des Wandels durchlaufen, manchmal zum Besseren, manchmal zum Schlechteren: Während die Große Synagoge von Drohobytsch restauriert wird, verfallen andere Gebäude zusehends und stürzen möglicherweise bald ein.

Osteuropa Seit einigen Jahren nimmt das Interesse am jüdischen Osteuropa zu: Juden aus Israel und Amerika wollen die Orte ihrer Vorfahren sehen oder pilgern zu den Gräbern ihrer Rebben, und manche jüdische Gemeinde vor Ort ist in den vergangenen Jahren aktiver geworden.

Überall in Europa wächst das Bewusstsein dafür, dass die verbliebenen Spuren jüdischen Lebens Teil des gemeinsamen kulturellen Erbes sind. Doch am Ende kommt es auf die einzelnen Akteure vor Ort an – und ihre oft mühsame alltägliche Arbeit, sie zu erhalten.

Christian Herrmann: »In schwindendem Licht. Spuren jüdischen Lebens im Osten Europas«. Lukas, Berlin 2018,
180 S., 30 €

Pro & Contra

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Ja, sagt Jessie Katz: »Sie anzunehmen sollte schon nur aus dem Grund, um die Sicherheit für die jüdische Bevölkerung zu verbessern.« Nein, findet Zsolt Balkanyi-Guery: »Ein Einwanderungsstopp verspricht nur vordergründig Sicherheit und ist für jüdische Menschen keine Antwort auf die tatsächlichen Herausforderungen des Antisemitismus.«

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