Event

Virtuelle Nacht der Holocaust-Überlebenden

Foto: Claims Conference

Die Claims Conference lädt heute Abend zur siebten Internationalen Nacht der Holocaust-Überlebenden (International Holocaust Survivors Night) ein. Es handelt sich um eine virtuelle Veranstaltung, in deren Rahmen Zeitzeugen, die die Schoa überlebten, geehrt werden. Zahlreiche prominente Mitglieder der globalen jüdischen Gemeinschaft sind dabei.

Höhepunkt der Online-Veranstaltung ist das offizielle Zünden der Chanukka-Kerzen zu Ehren der Überlebenden an der Kotel, der Klagemauer in Jerusalem. Über diesen Link können Interessierte aus aller Welt das Event verfolgen.

Eingeladen sind Schoa-Überlebende aus »mehr als zwölf Staaten« heißt es in der offiziellen Einladung der Claims Conference. Zu den prominenten Gästen gehören sowohl Politiker, als auch Musiker und andere Künstler. Die Liste ist lang.

Herzog und Scholz

Israels Staatspräsident Isaac Herzog ist ebenso dabei wie Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP), Josef Schuster, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dr. Magnus Brunner, der Finanzminister Österreichs und Botschafter Stuart Eizenstat, der Vorsitzende des United States Holocaust Memorial Council - um nur einige zu nennen.

Unter den vielen Schauspielern und Musikern aus der Community, die teilnehmen, befinden sich unter anderen Barbra Streisand, Billy Crystal, Jamie Lee Curtis, Adam Arkin, Tovah Feldshuh und Mayim Bialik. Sie und andere sollen Holocaust-Überlebenden bei der Veranstaltung persönliche Botschaften übermitteln. Niemand geringerer als der Sänger Barry Manilow ist diesmal für die Musik zuständig - in Kooperation mit dem Ensemble Cast of Harmony.

Die Holocaust-Überlebende werden aber auch selbst Nachrichten an die übrigen Teilnehmer richten. Die Botschafterin Colette Avital aus Israel gehört dazu, der Nazi-Jäger Serge Klarsfeld aus Frankreich, Max Arpels Lezer aus den Niederlanden, Borys Zabarko aus der Ukraine, Aviva Goldschmidt und Leon Weintraub aus Schweden.

»Am 7. Oktober bin ich aufgewacht von den Sirenen im Zentrum von Tel Aviv«, erklärte etwa Leon Weintraub, der ursprünglich aus Polen stammt und sich am 7. Oktober in Israel befand. »Da war ich auf einmal wieder im September 1939, der Kriegsanfang, der Überfall von Nazis auf Polen. Ein schlimmes Gefühl, ein Erschauern und Angstgefühl, wieder mal im Krieg zu sein.« Er hoffe, dass Menschen jüdischer Herkunft als normale, gleichwertige Menschen betrachtet würden und nicht als etwas Besonderes, so Weintraub.

Besondere Bedeutung

»In diesem Jahr kommt der Internationalen Nacht der Überlebenden des Holocaust eine besondere Bedeutung zu«, sagte Gideon Taylor, Präsident der Claims Conference, im Vorfeld der Nacht der Überlebenden. »Während wir heute die Überlebenden des Holocaust in aller Welt feiern und uns an ihr Vermächtnis erinnern, werden wir daran erinnert, dass einige der Stärksten unter uns die dunkelsten Zeiten überlebt haben.«

Olaf Scholz erklärte: »Der Terrorangriff der Hamas auf Israel hat uns alle tief getroffen. Etwas abgrundtief Böses hat sich an diesem Tag Bahn gebrochen«, so der Bundeskanzler. »Das Motiv der Täter ist klar: Sie wollten Israel treffen, den jüdischen Staat. Sie wollten Jüdinnen und Juden ermorden. In seiner abstoßenden Brutalität und Abscheulichkeit richtet sich der Terror aber zugleich gegen die Menschlichkeit selbst.«

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»Ich versuche mir vorzustellen, wie sehr die Bilder aus Israel, wie sehr antisemitischer Hass im Internet und auf Straßen weltweit gerade Sie ins Herz treffen müssen«, sagte Scholz den Überlebenden. »Diese Vorstellung schmerzt mich sehr. Sie haben unermessliches Grauen und Leid erfahren. Sie haben mit unvorstellbarer Kraft ihr Leben erkämpft. Wir werden dafür sorgen, dass das von Deutschen begangene Menschheitsverbrechen der Schoa niemals in Vergessenheit gerät.«

Frieden und Freiheit

Auch Christian Lindner äußerte sich: »Heute Abend und an jedem Tag haben wir die Verantwortung, die Erinnerung an das, was war, die Erinnerung an die Überlebenden, wach zu halten und weiterzutragen. Heute Abend und an jedem Tag stehen wir fest an der Seite aller Jüdinnen und Juden in Deutschland und in der Welt. Heute Abend und an jedem Tag stehen wir für Frieden und Freiheit und Demokratie ein und stellen uns mit aller Kraft gegen Hass und Antisemitismus.«

Seit 2017 gibt es die Internationale Nacht der Holocaust-Überlebenden. Jedes Jahr endet die Veranstaltung mit dem offiziellen Entzünden der Chanukka-Kerzen an der Kotel. Die ersten Feiern fanden in Israel, den Vereinigten Staaten und in Deutschland statt. In den darauffolgenden Jahren wurde die Feier virtuell abgehalten - ebenso wie in diesem Jahr.

Verschiedene Sprachen

Während der Nacht der Holocaust-Überlebenden werden Botschaften und Performances auf Ivrit, Englisch und Russisch zu hören sein.

In einem Videoclip zur Ankündigung der Holocaust Survivors Night sagte die Schauspielerin Jamie Lee Curtis, die Tochter von Tony Curtis, ihr hebräischer Name sei Haya Lea. »Ich wünsche Ihnen ein fröhliches Chanukka-Fest.« Das Multitalent Barbra Streisand erklärte, es sei ihr ein Vergnügen, den Holocaust-Überlebenden in aller Welt schöne Chanukka-Tage zu wünschen.

Die Claims Conference rief alle jüdischen Gemeinden und die gesamte Gemeinschaft auf, die Schoa-Überlebenden auch in den sozialen Medien zu ehren - mit Bildern, Videos und Texten unter dem Hashtag #IHSN2023.

Internationale Nacht der Holocaust-Überlebenden 2023
Montag, 11. Dezember 2023, 20 Uhr MEZ
Virtuelle Veranstaltung
Teilnahme über diesen Link

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