Kanada

Unappetitliche Nazivergleiche

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau Foto: imago images/ZUMA Press

Neuer Wirbel um Elon Musk: Der südafrikanische Multimilliardär und Tesla-Chef verglich am Donnerstag auf seinem Twitter-Account Kanadas Premierminister Justin Trudeau mit Adolf Hitler. Musk wollte damit Kritik an Trudeaus Umgang mit protestierenden LKW-Fahrern üben. Unterlegt mit einem Hitler-Bild war der Satz zu lesen: »Hört auf, mich mit Justin Trudeau zu vergleichen. Ich habe einen Haushalt«. Nach scharfen Protesten löschte Musk den Post kurze Zeit später wieder.

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FREEDOM CONVOY Das American Jewish Committee bezeichnete Musks Tweet als »Holocaust-Relativierung« und verlangte eine Entschuldigung. Es sei beleidigend für jene, die unter Hitlers Herrschaft gelitten haben, wenn man demokratisch gewählte Politiker mit dem Nazi-Diktator in eine Reihe stelle, so die Organisation. Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau äußerte sich auf Twitter ähnlich. »Das verletzt viele Menschen«, erklärte das Auschwitz-Museum auf seinem Twitter-Kanal.

Trudeau steht in Kanada für sein Vorgehen gegen die coronaskeptischen »Trucker« des sogenannten »Freedom Convoys« in der Kritik. Der liberale Politiker – er ist seit 2015 kanadischer Regierungschef – rief am Montag den Notstand aus, um die von den LKW-Fahrern errichteten Blockaden in der Innenstadt der Hauptstadt Ottawa und an Grenzübergängen zu den USA notfalls mit Gewalt auflösen zu lassen.

Im Parlament gab es am Mittwoch dagegen Kritik von Seiten der Opposition. Die konservative Abgeordnete Melissa Lantsman zitierte in der Befragung des Premiers dessen eigene Worte aus dem Jahr 2015. Damals habe Trudeau gesagt: »Wenn die Kanadier ihrer Regierung vertrauen wollen, muss die Regierung den Kanadiern vertrauen.« Jetzt säe er dagegen Zwietracht und sei vom rechten Weg abgekommen, so Lantsman.

KEINE ENTSCHULDIGUNG Trudeau schleuderte ihr daraufhin entgegen, ihre Konservative Partei stünde Seite an Seite mit »Leuten, die Hakenkreuze schwenken«, während er selbst dafür sorge, dass »einfache Kanadier zum Arbeitsplatz« gelangen könnten. Das wiederum sorgte für Empörung nicht nur im Plenarsaal, denn: Melissa Lantsman ist jüdisch.

Lantsmans Parteifreund Dane Lloyd attackierte Trudeau für dessen Äußerungen. »Ich habe noch nie solch beschämende und unehrenhafte Bemerkungen von diesem Premierminister gehört. Mein Urgroßvater flog über 30 Einsätze gegen Nazi-Deutschland. Der Leichnam meines Urgroßonkels liegt auf dem Grund des Ärmelkanals. Es gibt Mitglieder dieser konservativen Fraktion, die Nachkommen von Opfern des Holocaust sind«, sagte Lloyd.

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Unterhaussprecher Anthony Rota ermahnte alle, »einschließlich des ehrenwerten Premierministers«, aufwiegelnde Worte im hohen Haus zu unterlassen.

Auch Lantsman selbst ergriff später das Wort. »Ich bin eine starke jüdische Frau und ein Mitglied dieses Hauses und Nachfahrin von Holocaust-Überlebenden«, sagte sie. »Niemals zuvor wurde ich dafür besonders hervorgehoben, und man hat mir nie das Gefühl gegeben, weniger wert zu sein – bis auf heute, als der Premierminister mich beschuldigte, auf der Seite der Hakenkreuze zu stehen. Ich denke, er schuldet mir eine Entschuldigung.«

Die kam Trudeau aber nicht über die Lippen. Ihm gehe es darum, die »Freiheit aller Kanadier« wiederherzustellen, sagte er im Parlament. mth

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